Dschinni ich komme

Die Trennung von meinem Pass geht schon in die 6.Woche, für diese lange Wartezeit muss das Iran-Visum aus Gold mit Herzchen und Glitter geschmückt sein! 

Ja, Iran

Ich hab Platzangst, auch was den Blick über den Tellerrand angeht. Während andere mit einem Set Geschirr ein Leben genügsam sind, langweile ich mich nach 3 Monaten und wundere mich, dass die farblosen Teller nicht vor schierer Ödnis einen Sprung in der Schüssel bekommen (hihi). Deswegen besitze ich ein Sammelsurium von Essporzellan (die einzigen Konstanten: eine Winnie Pooh Tasse und Teller, ich schweige mich darüber aus, was das über mich aussagen mag). 

Ich löffel aus großen Holzschalen Bibimbap, esse von frisch gerissenen Bananenblättern Curry und knabbere Zwiebelsalat aus Zeitungspapier. So verhält es sich auch mit dem Reisen: Wenn ich als Person schon in keine Kategorie passe und schwervermittelbar bin, so auch mein Reiseverhalten. Zwar wird man mich nie in einem All inclusive Club finden- schon mit der Maturareise erledigt, dennoch bin ich für alles zu haben. Je ungezwungener und basic desto besser; nichtsdestotrotz lass ich mich weder von den ach so typischen Touristenattraktionen, denn nicht ohne Grund sind es Attraktionen, noch von untypischen Reisezielen abbringen. Eine Zutat zählt: Respekt. Respekt vor dem kulturellen Wert, den Gepflogenheiten, der Mentalität und dem Glauben. Ich werde nicht auf den Machu Picchu stapfen, wenn das Kulturerbe der Mayas in Gefahr ist, es gibt noch andere atemberaubenden schöne Zeitzeugnisse der Maya, siehe Flores in Guatemala oder vereinzelt noch in Belize. Ich werde auch nicht einer von 4000 vor Angkor Wat sein um den Sonnenaufgang zu erleben, während hunderte mir auf den Fuß steigen. Jedoch ärgere ich mich, wenn Leute, die die Magie von Petra für Instagram festhalten wollen, sich dabei aber wie beim Oktoberfest benehmen. Das ist respektlos, genauso wie das Ökosystem an Thailands Küsten zum Erliegen zu bringen und sich dann über die verschmutzten Strände aufzuregen. It’s all man-made. Reisen ist für mich Rücksichtsnahme, das bewusste Innehalten und die Auseinandersetzung mit einem fremden Land ohne einen großen Fußabdruck zu hinterlassen, das Erleben ohne dem Erlebnis die Seele zu rauben. Nicht auf die ominösen “heimischen Standards” zu bestehen sondern auch mal auf einer Bastmatte am Boden zu pennen. 

Ich bin herrlich aufgeregt, entspannt, nervös und freudig spannungsgeladen! 1001 Nacht, Rumis Gedichte und verzauberte Gärten. 

Angst? Hab ich nicht, lass ich nicht zu. Meine Eltern schütteln einerseits den Kopf und behaupten wegen mir an Migräne zu leiden (ich wage zu behaupten wegen dem vielen Kopfschütteln), andererseits verbindet es mich mit meinem Vater und seinem Leben. Er selbst sagt nur, “du hast dir eine blöde Zeit zum Reisen ausgesucht.” Ja, ich wäre gerne ein Hippie gewesen, ich hätte gerne ein Leben gelebt, in denen Grenzen vorwiegend dazu da waren um einen Stempel mehr im Pass sammeln zu können und nicht nur um das Böse fernzuhalten. 

Ich bin froh um meine Geschichte und Eltern zu haben, die einer mutigen Generation entstammen, die nicht nur jammern sondern handeln. Unser Vater war Ende 70er, auf dem Weg nach Österreich, im Iran. Dort hat er einen seiner ältesten Freunde kennengelernt. Einen Kärntner. Wir Kärntner sind die Chinesen Österreichs, uns findet man überall! 

Ich bin gespannt, was mich erwartet, ich bin eher unvorbereitet, hab nur wenig Gepäck – ja, ganz recht gelesen. Nur ein kleiner Rucksack, meine Birkenstock,  die Kamera und ein Kopftuch. Sowie…. 

Innsbruck und diese verflixten Berge müssen in mir wohl den Wanderer geweckt haben, ich habe  mir Trekkingschuhe zugelegt. MEIN anfänglicher mentaler Kommentar “böaha!” musste der erwachsenen rationalen Entscheidung weichen, dass etwas, das wasserfest und “geländegängig” ist, im selben Atemzug nicht rosé gold und adrete sein kann. Tragisch, echt, ich würde häufiger wandern gehen, wenn ich dabei nicht wie ein abschreckendes “Vorsicht quitschbunte Hans-guck-in-die-Luft könnten ihren Weg kreuzen” Schild aussehen würde! 

Ganz zu schweigen, dass ich nicht meine pinken palmengeschmückten Zehen der Welt präsentieren kann

Mit einer kleinen, lehrreichen, Pause über den 

Deutsch – Österreichischen AIDS Kongress geht es am Montag los…

Auf neue Horizonte, Düfte und Herausforderungen! 

Source for hiv picture: pinterest