Florenz oder eine illegale Diyani? 

Ausflüge mit der Familie waren für mich als Teenager wie eine gagenfreie Teilnahme bei “Holt mich hier raus”. Der Dschungelcamp war de auf kleinem Raum konzentrierten Familienmitglieder mit einziger Fluchtmöglichkeit ins Klo. So was muss daher gut überlegt sein, längere Gesprächspausen und Kontakt zu Babies müssen strikt vermieden werden, denn sonst folgt, was folgen muss: ‘Ayooo, wir werden nie Enkelkinder hoppern dürfen. Unsere egoistischen Kinder werden uns diese Freude wohl nie machen. Ihr bringt uns noch ins Grab und dann werdet ihr schon verstehen!’

Aber um etwas wesentlich wichtigeres hatte ich zu wenige Gedanken verschwendet:

Als ich in Vorbereitung auf meine Iran-Reise meinen Reisepass aushändigen musste, hatte ich schon ein ungutes Gefühl. Ohne meinem Pass? ‘Ja, kein Problem. Das machen wir immer so, für Reisen innerhalb Europas ist eine Kopie ausreichend’, lauteten die Worte der Reisekauffrau. Die Worte des, durch meine Vehemenz etwas unrunden, Busfahrers: ‘Bei uns gelten andere Richtlinien, ich werde zu Ihrem Schlepper, wenn ich Sie mitnehme! ‘

‘Ich war eh schon lang nicht mehr abgeschleppt worden’, dachte sich mein sarkastisch-amüsiertes  Ich, mein innerlich tobendes, nach außen hin mit all ihren Ausweisen um sich werfendes, Ich wäre am liebsten mit der rechten Hand an mein Herz greifend theatralisch zusammen gefallen! Ich darf nicht mit, ich muss hier bleiben, am Villacher Bahnhof! Nichts ahnte ich bei dieser Überzeugungsarbeit von dem Stress, der mir bevor stand, als die italienische Grenzpolizei zustieg. 

Die Ö24 Schlagzeile: 

Ausländerin versucht illegale Ausreise und gibt sich  als Ärztin aus! 

Nun. Ich durfte mitfahren. Nur als die Polizia kurz vor den Toren Italiens den Bus anhielt, erlitt ich einen kleinen Schlaganfall. (Der Busfahrer hoffentlich nicht.)

Ganz cool, meine Gangster-Gelassenheit ausgepackt, streckte ich dem Polizisten die Farbkopie entgegen. Er lächelte, ‘ah Austria!’, und ging weiter. 

Da erlitt ich das Erleichterungs-Schlagerl. 

In meinen anschließend zu hauf geführten Gesprächen erfuhr ich Folgendes:

Das Außenministerium informierte mich, dass ich genau vor Italien hätte Probleme bekommen können, denn all meine Dokumente wären nur als Jausenpapier gut gewesen, und ich glaub in einem italienischen Gefängnis gibt es keine Wurstsemmeln.

Die Botschaft in Rom erklärte, dass die Kontrollen wegen dem bevorstehenden G7 Gipfel stattfanden. 

Beide konnten mir aber keine Lösung für eine glimpfliche Einreise nach Österreich nennen. Wie es weiterging, weiter unten. 

An 1.Tag ging es, wie es sich für brave Touristen gehört, zum Dom. Ein imposanter Bau, steht im Reiseführer. Ein gestreiftes Ufo inmitten von engen Gassen, sage ich. So platziert, dass man von  den Enden mehrer Gassen einen Blick darauf haben konnte. 

Heinrich Heine beschreibt den Dom so und trifft es gar gut:

In der Ferne scheint es, als sei er aus weißem Postpapier geschnitzelt, und in der Nähe erschrickt man, daß dieses Schnitzwerk aus unwiderlegbarem Marmor besteht. Die unzähligen Heiligenbilder, die das ganze Gebäude bedecken, die überall unter den gotischen Krondächlein hervorgucken, und oben auf allen Spitzen gepflanzt stehen, dieses steinerne Volk verwirrt einem fast die Sinne. Betrachtet man das ganze Werk etwas länger, so findet man es doch recht hübsch, kolossal niedlich, ein Spielzeug für Riesenkinder.

Dabei wurde die Kuppel im 15.Jhd errichtet um ein Loch zu stopfen! Und der Maurer, Brunelleschi,  für seine Unerfahrenheit erst belacht (das Ding werde über ihm zusammen brechen) und dann als einziger Nicht – Geistlicher in der Krypta des Doms beerdigt. 

Um den täglich gesunden 10000 Schritte näher zu kommen, stiegen wir 414 Stufen (Da Menschen, die an Herzkrankheiten  (und solche, die an Quengeleritis) leiden besser nicht hinauf marschieren sollen, gönnte sich unser Vater zu Fuße des Doms einen teuren Espresso) zum Glockenturm hinauf. Schwindel?  Ich? Iwo… Gute solide Steintreppen umgeben von dicken Mauerwerk. Bissl platzängstlich wurde ich (mir kann man es auch nie recht machen) aber wohl. 

Von  weit oben erstreckt sich Florenz in all ihrer italienischen Terracotta- Pracht bei blauestem Himmel unter uns.

Vorbei am Palazzo Medici ging es dann in Richtung… 

David

 

in der, eigens für ihn im 19.Jhd erbauten, Galleria dell’ Accademia

Unbestritten. Ein schöner Mann… Sein Blick schweift weit über unsere Köpfe hin weg, seiner Wirkung allzu bewusst (und das, obwohl er vorher nur ein ungehauener Marmor war, der das Glück hatte durch Michelangelos Hände zu gleiten)  aber mit einem Anflug von Zweifel, die seine Stirn in Falten wirft. Sein prächtiger Gluteus erhebt sich stramm über eine in Reihe sitzender glotzender Zuschauer und sein viel belachtes gutes Stück verliert irgendwie bei all der restlichen Pracht an Signifikanz.

Ich war schon ziemlich hingerissen. 5m großer Mann! Ich ging noch dreimal zurück um ihn mir einzuprägen (für den Fall, dass ich im Gefängnis sitzend nie mehr einer solchen Vollendung ansichtig werde) 

2.Tag

In der Galleria degli Uffizi wird hinter Glas die wunderbare Geburt der Venus von Botticelli präsentiert- der erste weibliche Aktion der Neuzeit. Während ich da so stand und einfach bewunderte, wie ihr Haar die Sonne einfängt und im Wind zieht,  Rosen sie umflattert und sie wahrlich den Eindruck macht, eben auf die Erde gepurzelt zu sein und sich überhaupt nicht darüber bewusst war, dass sämtliche Götter um ihrer Ankunft wegen soviel Aufhebens machen, wird ein Selfie nach dem anderen mit Venus im Hintergrund geschossen. Warum? Warum? 

Eine besonders gute Idee war der Gipsnachbau für sehbehinderte nebst dem Gemälde, sehr detailliert und fühlt sich so wunderbar an wie sie sich ansieht. 

Venus (Aphrodite für eure Griechen unter Euch) ist die Tochter des Meeres, in das der Samen des durch Saturn (Kronos) entmannten Uranus fiel (all das angestiftet von einer Frau, Geia). Venus  wird mit Hilfe von Zephyr und Chloris sanft an die Küste von Zypern in die Arme von Genius, die mit einem Blumengewand wartet sie zu bedecken, geweht. 

 Die Uffizien bergen einige, wenn nicht die, bedeutendsten Renaissance Maler. Und als Prachtraum das Tribunal mit einem Kuppeldach, das über und über mit Perlmutt besetzt ist (6000 Muscheln). 

Und als besonderes Besondernis: Da Vincis unvollendete Adorazione dei Magi

Und vielleicht hat er beim Schaffen von Annunciazione schon geahnt wie essentiell heute die Selbstdarstellung ist… 

Ach, und was wäre ein Tag in Florenz ohne ein Stelldichein mit David? Wenn auch nur mit seinen Doubles in Gips und Bronze. (ich lasse meiner Fantasie zu Liebe den homoerotischen Aspekt, der mir nicht entgangen ist, bewusst weg.) 

Zum Abschluss des Tages erhaschten wir noch einen Blick vom Piazzale Michelangelo über die Stadt hinter der sich dicke Regenwolken formierten. Von der Anhöhe erst wird einem die Wucht des Doms bewusst, wie er thront und sich erhebt, wie die Kirche aller Kirchen. 

Ob ich nun hinter Gitter sitze? Die Minuten über die Grenzen waren etwas stressig und ich verstehe noch immer nicht warum es für EU Bürger nicht auch andere Möglichkeiten gibt. Aber im Prinzip habe ich einen Fehler gemacht und tu mir gerade schwer, ihn mir einzugestehen… 

Peace and out… 

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Das letzte  Jahr im “Anfang 30er”Club

Geburtstagsblues…. Quarter life crisis hab ich verschlafen, für Mid-life crisis bin ich zu früh dran. Da bleibt nur der Blues…

34. Vier und Dreißig. Eine gemeine Zahl, wie ich finde. Ich fühle mich mehr wie die Quersumme von ihr. 7.

Dreißig werden, war nicht schlimm. Dreißig bleiben hingegen, ist schwierig. Und wenn ich, selten genug, mal ehrlich zu mir bin, ist das auch aussichtslos.

Es ist mir noch immer oder immer weniger möglich, mich nicht zu vergleichen. Wer bin ich im Vergleich zu dir? Was bin ich im Vergleich zu dir? Wo bin ich im Vergleich zu dir? Und vor allem, warum bin ich anders als du? Warum bin ich mit 34 noch lang nicht beim Abschluss (m)eines Lebensplans? Übrigens war es meine Gynäkologen, die mich recht rüde darauf hinwies, dass ich mir doch recht verspätet theoretische Gedanken über Kinder mache. Und um ganz ehrlich zu sein, bin ich für gewisse Dinge doch zu spät dran.

Entschuldigung, dachte ich, ich hab vor gefühlten 3 Jahren erst meinen Babyspeck verloren. Dass ich eher der Biologie und Arterhaltung als meiner persönlichen Entwicklung Gehorsam hätte leisten sollen, haben mir schon meine Eltern vergeblich versucht einzuprügeln. Aber nun kriegte ich es auch mit der Fachwelt zu tun.

Frauen jenseits der, sagen wir, 32, haben es schwierig, keine Frage und auch keine Diskussion. Aber bleiben wir mal beim Kinderzeugen.

Szenario 1. Ist Frau in einer Partnerschaft, glücklich und zufrieden, über Kinder kann geredet werden, ohne, dass der Partner überlegt das Rauchen wieder anzufangen um nach dem Zigarettenkaufen nie wieder heimzukehren, dann wartet sie bis die Biologie ihren Teil erfüllt und katapultiert die Pille mit einem kleinen “Juchey” in den Müll.

Szenario 2. Frau ist in einer Verbindung mit einem Mann, für welche mehrere Definitionen in Frage kommen aber ob der ihnen allen gemeinen, und heute so hippen Freiheit sich alles offen zu halten, Undefiniertheit (ja sowas gibt es, die undefinierte Definiertheit) lässt sich die Frage über die Vorstellbarkeit von Kind geschweige denn der konkrete Plan der Umsetzung nicht klären. So darf Frau ihren schwungvollen Wurf nicht üben, muss sich schon 3 Wecker stellen, damit die Pille nicht vergessen (und ja, mit den Jahren nimmt die Vergesslichkeit zu) wird. Und sie rennt fröhlich weiter um den heißen Brei, während vor ihrem inneren Auge der Hase auf und ab hüpfend, lamentiert “ich bin zu spät, ich bin zu spät!”

Szenario 3. Frau ist Single. Kein Mann und schon gar nicht ein papa- tauglicher in Sicht. Kondome wie Pille kratzen am Ablaufdatum. 5 Jahres- Verhütung klingt wie ein Telekomvertrag auf Lebzeit, zum Eizelleneinfrieren ist es laut Gyn ja auch schon zu spät und mutet an wie Ostereier verstecken,die keiner findet.

Szenario 4. Glücklich, ob ein- oder zweisam, und ganz frei von dem Wunsch nach Vermehrung, lebt Frau ein Leben abseits der Diskriminierung von Familien, geht provokant alleine Abendessen und erlebt genüsslich den Luxus Essen heiß zu verzehren.

Eine kleine Rechnung (und kein Dreisatz!): Wollte ich mit 37 Kinder haben, müsste ich dafür mit 36 beginnen es praktisch umzusetzen, um dies zu tun, sollte ich ja mindestens 1 Jahr mit dem anderen Part zusammen sein, um aber ausreichend Zeit zum bequatschen gehabt zu haben, sollten gleichermaßen ca 6 Monate eingeplant werden (34.5) Das geht aber erst, wenn der Tanz, den wir aufführen, definiert ist. Zum Kennenlernen muss ich mir ja ebenfalls Zeit lassen, das dauert bei meiner Skepsis locker 4 Monate, 33.6. Da Männer, die all dem oben genannten entsprechen, sich nicht just in dem Moment materialisieren, wann ich es gerne hätte, geht obendrein für die Suche nach einem solchen eine gewisse Zeit drauf.

So dass ich, um diesen Plan zu erfüllen, mit 32,+/- Monate, den Mann fürs Leben kennenlernen muss.

Tja und da liegt der Hund begraben.

Nun ist der Zug abgefahren und die Bahngleise aus Rentabilitätsgründen, eingestampft!

Daher rührt der Blues aber gar nicht. Sorry euch allen, die den Kopf neigen und bedauernd einen Mundwinkel verziehen. Ja ich weiß, schämen sollte ich mich, dass ich meiner Rolle nicht gerecht werde. So eine Verschwendung von primären Geschlechtsmerkmalen!

Tatsächlich fühle ich die Diskrepanz zwischen der Quersumme und meinem amtlichen Alter. Oft bleibe ich in letzter Zeit vor diesen Geschäften stehen, in denen Mode des Typ “Walle Walle und ein Hoch auf die Asymmetrie” in anfallsartig kombinierten Farben und große Cat Eye Brillen verkauft, oder zumindest angeboten, werden. Nicht mehr stelle ich mir die Frage, WER zieht sowas an und wie gemein ist die Verkäuferin eigentlich?, sondern, welchen Typ extravagante Tante Dee will ich dann darstellen? Mit oder ohne Spleen und markant-pudrigen Duft?

Ich seh mich schon, wie ich im Altersheim den anderen ihre Prothesen verstecke…

Aber Hey, wie war das nochmal, wenn ich es bis jetzt nicht geschafft habe, erwachsen zu werden, dann kann ich es auch genauso gut sein lassen? Ich glaub, dass mache ich.
Und die Lösung gegen Blues? Reisen… Das hilft immer!

Begegnungen

Ein jedes Jahr vergeht. Ein auf das andere Mal frage ich mich, was hast Du in den letzten 365 Tagen gelernt und was hast Du erreicht.

2016 ist das Jahr in dem ich über Begegnungen nachdenke. Über Begegnungen mit Menschen, die bereits eine wichtige Rolle in meinem Leben spielen, über Begegnungen mit Patienten und über zufällige Begegnungen, die eine Veränderung in mir bewirken.
Nicht immer führen Begegnungen zu einer Freundschaft, einer Abneigung, Verbundenheit oder Mitgefühl, aber jede Begegnung hinterlässt eine Spur in uns. Oder viel mehr, sollte eine Spur hinterlassen. Denn wenn wir aufhören, Menschen an uns heranzulassen, verlieren wir die Fähigkeiten, wie Mitgefühl, Anteilnahme und Selbstlosigkeit zu empfinden.

May I know how to nourish the seeds of joy in myself every day
May I be able to live fresh, solid and free
May I be free from attachment and aversion, but not be indifferent (Hanh, Thich Nhat)
  1. die Verbundenheit mit Menschen in meinem Leben, die mein Rückhalt und Netz sind. Die Knoten, die ich mit euch knüpfte, wurden enger und bieten mir Boden, wo Treibsand ist. Trotz meiner Abwesenheiten, meinem Vagabunden-Dasein und meiner inneren Unruhe und Suche nach Mehr/Meer und Tiefe. Ihr seid der Grund, dass ich mich sicher fühle; egal, was ich angehe, in welches Schlamassel ich mich auch hinein manövriere und warum ich mich traue von euch wegzugehen um wo anders mein Glück zu finden. Eure Kritik an mir ist mein Kompass, eure Geduld meine Bank.
    Wenn ich etwas zurückgeben kann, dann bedingungslose Freundschaft und Liebe.
  2. die Arbeit mit meinen Patienten prägt mich jeden Tag, sie rühren mein Herz. Patienten, die einem Großteil der Welt ein Dorn im Auge sind, weil sie einem der Heuchelei und Doppelmoral entlarven. Sie auszugrenzen fällt einfacher, als das bisschen Herz zu finden liebenswürdig zu sein. Das Unbekannte lädt nicht mehr zu Offenheit ein, sondern zu voreiligen Schlüssen und individuellen Fakten. Vielleicht bin ich eine Träumerin, nein sicher sogar, denn ich möchte nicht meinen Beitrag zur Wohlstandsverwahrlosung und mittlerweile salonfähigen Ignoranz leisten.
  3. die Begegnungen mit Teflon-Menschen, Menschen, die den respektvollen Umgang verlernt haben. Die glauben, dass heutzutage sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen einen davor schützt Verantwortung zu übernehmen. Aber Begegnungen mit Menschen machen uns zu dem, was und wer wir sind. Diese Begegnungen halten uns den Spiegel vor, in den aber kaum noch wer sehen will, sonst würde die schmerzliche Erkenntnis einem die Laune verhageln, dass man zu Ich-bezogenen Trampeln entartet ist, dass es uns schwer bis unmöglich fällt, sich in die Situation anderer zu versetzen. Ich will das aber mit mir nicht machen lassen. Für mich selber und weil ich es Wert bin, gebe ich jeder dieser Begegnung, so kurz und nichtig sie auch erscheinen mögen, die Achtsamkeit, die allem gebührt. Ich lerne aus ihnen; ich erkenne mich besser in der Reflexion mit anderen. Ich weiß, dass in unserer Zeit Gefühle und Verletzlichkeit zu zeigen nicht mit dem Perfektionismus vereinbar ist, dem so viele hinterher rennen.

Jemandem zu sagen, dass man sie gern hat, ist ein Schuldbekenntnis, ist eine unnötige Zurschaustellung der eigenen Verwundbarkeit. Wir gehen alle nur noch auf Abstand, Abstand zu Neuem, zu Unbekanntem, zu Unkalkulierbarem. Unbemerkterweise nehmen wir aber damit auch Abstand zu uns selbst, zu all dem, was in uns lebt. Wir haben Angst vor dem Versagen und vor allem davor uns zu blamieren. Dabei ist es gar nicht schlimm sich zu blamieren. Es treibt uns an und gibt uns Sinn. Außer natürlich man sucht gar nicht nach Schwung und Antrieb, ist glücklich damit, sich selbst immer nur im bestmöglichen Licht darzustellen und allen Gelegenheit sich zum Narren zu machen aus dem Weg geht. Bedeutet aber auch, dass man nie wirklich jemanden an sich heran lässt. Denn nur dann laufen wir Gefahr uns zu blamieren, weil unser Herz sich daran beteiligt. Und wo sich das Herz erst einmal einmischt, ja da ist die Perfektion in großer Gefahr.tumblr_n75jstt50i1rqiomso2_r2_500


Meine Lehre aus dem Jahr 2016:
Scheiß auf die Perfektion. Ich selbst sein, mich trauen und mich erfahren. Meine Begeisterung für das Leben und die Menschen darin leben und atmen. Alle Menschen schätzen und respektieren, von Vorurteilen und dem Drang nach Vollkommenheit ablassen, denn es legt mich selbst nur in Ketten. Wir sind wie wir sind, voller Unebenheiten. Wir sind einander nie gleich, aber wer will das denn schon?

Die Farbenpracht unserer Unterschiede macht unsere Begegnungen doch so wundervoll.

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Understanding is the very foundation of Love (the five awarenesses)

Ich packe meine Koffer… 👜

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Ich mach mich wieder auf den Weg.
Eine neue Stadt.
Ein neues Leben?
Ein Schritt weiter auf alle Fälle.

Zurückkommen und Ankommen aus dem Libanon, aus dem ersten Einsatz war nicht einfach. Eine Talfahrt voller Selbstzweifel und dunklen Wolken.
Mein stürmisches Herz war zum Stillstand gekommen. Wofür schlug es noch und würde es wieder so heftig sich mitreißen lassen?
Wann würde ich so erwachsen werden, Ruhe und Geduld zu zeigen um der Dinge zu harren, die noch kommen mögen?

Müde bin ich etwas von dem ewigen Hin und weg, dort und da, Orts-, Wohnungs- und Menschenwechsel. Den vielen Abschieden, Packen und Wandern.
Dann wieder ist es nicht das, was mich ausmacht?
Überall erfinde ich mich ein wenig neu, erkenne mich mehr und lebe und liebe ich mehr. Überall verliere ich ein wenig von meiner Angst, überall lass ich ein wenig von meinem Herz zurück.
Ich gestalte meine Umgebung ein auf das andere Mal neu, mal grün, mal pink. Das nächste mal wohl türkis mit einem Sprenkler Gold- ich fühl mich dekadent!

Ja, ich wandere wohl gern.
Gerne allein.
Lass mich gerne beim Versuch alleine einen Schrank aufzubauen erschlagen um dann stolz das Werk zu betrachten. 

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Eine neue Stadt in der Heimat.
Innsbruck.
Du bist etwas beengend mit deinen Bergen um mich herum, deine Gipfel, die jeden Moment auf mich runter purzeln könnten.
Willst mich wohl davon überzeugen, dass das einzige Mittel gegen Platzangst ein Platz auf deinen Spitzen ist?
Ich und die Natur! Ich und wandern!
Auch nur weil mir Butterbrot so gut schmeckt!

Machs gut Wien..
War eine holprige Zeit. Mit all deinen Möglichkeiten warst du etwas zu viel.
Aber was hab ich für feine Menschen bei dir gefunden und behalten.

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Ich übe schon mal den Tiroler Dialekt und mein Sprach- Chamäleon bekommt eine Farbe mehr und mein Deutsch wird sich für den einen oder anderen, der gerne meine Sprechweise kommentiert, noch “lustiger” anhören.

Illustration by http://designhouseofmoira.com

Hinter den sieben Bergen

… bei den ziemlichen alten Zwergen.

Vorbei an Rehen, Hasen, Füchsen, Pferdekoppeln und kleinen Ortschaften, die einem Zyniker Freude machen weil deren Namen auf “stadt” enden, bin ich am Weg zu einem Bewerbungsgespräch im Südosten Deutschlands, in der ehemaligen DDR.
Schwöre, ich habe einen Fuchs gesehen! Sein Blick sagte so viel wie “hoffentlich besucht du nur deine Oma oder ein Kloster.”
Ja, ich bekennendes Naturmädel war im Thüringer Nirgendwo gelandet.

Ich bin eben immer schon ein Sklave meiner Leidenschaften gewesen. Die Dermatologie ist meine berufliche große Liebe, für die begebe ich mich auch fernab des Schuss!
Dieser Schuss ist ca 1.5 Stunden von Würzburg entfernt und führt eben eine Dermatologie.

Nachts um 21:30 kam ich am Bahnhof an und fürchtete prompt am falschen Ort zu sein, es begegnete mir keine Menschenseele. Zum Glück hatte ich mich aus Faulheit direkt ins Hostel am Bahnhof eingemietet. Die abnehmenden Strahlen der Abendsonne war nicht vorteilhaft für die Stadt in Kombination mit einer beeindruckenden Stille, als ob es nachts um 3:00 sei.
Ich huschte zum Hostel und nach dreimaligem Eindrücken des Codes polterte der Schlüssel so laut ins Fach, dass ich bestimmt die Nachbarn geweckt habe. Einmal aber kurz umgeblickt, versöhnte ich mich, denn da war ja eh nix außer einem Altersheim. Wobei, wir alten Turnusärzte wissen ja, was für ein sensibles Spinnennetz der Schlaf im Alter ist. Ich hoffte aber, dass genug Halcion ausgeteilt wurde oder ich würde Gesprächsstoff am Frühstückstisch sein (“Habt ihr das gestern auch gehört?! Was das wohl war, hatten wir ja noch nie!!” “Achja, ja schlimm- ich sag es doch immer, die Welt geht zugrunde!”)
Mein Zimmerfenster ging auf den höchst attraktiven Busbahnhof, was mich komischerweise freute, denn ich würde doch bestimmt vom Morgentummult geweckt werden.
Irgendwer hat wohl die Stadt verzaubert, um 8:00 war noch immer mucksmäuschen still! Erst gegen 9:30 hörte ich paar Kinder!

Am Morgen saß ich bei einem Bäcker. Ich wurde hier ähnlich argwöhnisch beguckt wie der Touri, der nach WiFi fragt.(Oder das Phänomen Tourist an sich?)
Ob das meiner Hautfarbe oder meinem jugendlichen Äußeren geschuldet war, kann ich nicht sagen.
Das Durchschnittsalter ruhte (oder schnarchte) zwischen 55 und 75. Falls ich junge Menschen ausmachen konnte, dann schoben sie Babybauch oder Kinderwagen vor sich her.
Ich hätte schwören können, dass die Bedienung endlich ihre Seelenverwandte in mir gefunden zu haben glaubte, denn sie war auch “anders”. (Es könnte aber auch mein Wunschdenken gewesen sein.)

Um sich von der DDR Patina frei zu machen, hatte man vor Jahren begonnen im Norden der Stadt der DDR Architektur den Gar auszumachen und dem brain drain ein Ende zu setzen.
Ich sah keine Plattenbauten, aber dafür niedliche Fachwerkhäuser und die ewig dominate Kirche in dottergelb, hoch über der Fußgängerzone thronend. Einst existierte hier eine Philharmonie, fiel aber den Sparmaßnahmen zum Opfer. Wer braucht schon Kultur, nicht?

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Hochoffiziell war ich zum Dinner beim UNHÖFLICHSTEN Chinesen ever!
Beim Eintritt schaute mich eine mittelalterliche Frau an und schrie, “das Korb!!” Ich sah sie entgeistert an und sie wiederholte wild einen Teller wischend “in Korb!”
Ich soll im Korb sitzen?! Nach drei Sekunden und die Möglichkeiten abwägend, hoffte ich, sie meinte den Schirm in meiner Hand. Noch immer hatte sie sich keinen Zentimeter bewegt, was wohl auch gut war.

Sie haute die Fragen raus, wie Kinnhacken!”Huhn oder Ente!!?? ”
Ihr rechter Hieb ” bitte schön!!!” hätte jeden Knigge-Experten an der Welt zweifeln lassen.
Ich war versucht mich zu entschuldigen (und eine Taekwondo Position einzunehmen,falls sie tatsächlich ausholen sollte), dass ich mich erdreiste ihre Fahrt in den Konkurs zu stören!
Ein wackliger dreibeiniger Tisch hätte in diesen verlassenen Lokal aus der Hölle völlig gelangt, nur verrückte Nicht-Einheimische können meinen, es nicht “to go ” haben zu wollen. Denn meine Bemerkung, ich wolle im Restaurant essen, quittierte sie mit einem “hmpf” und einem Nicken, das bedeutete “Schnepfe, jetzt muss ich wegen dir einen Teller waschen!”
Es zog mir ja fast die Schuhe aus, als sie sich bedankte! (und sorry Paps, Trinkgeld gab es keines!)
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Einmal noch durch die unheimlich Unterführung (und das bereits bei Tageslicht, falls es die Mühsal der Unterdrückung durch die DDR widerspiegeln sollte, war es gut gelungen: rote Lampen, die ein unheimliches Glühen an die Graffitiwände warf und uneinsehbare Winkel luden nicht zum verweilen ein) durch, verkroch ich mich in meinem Bett und morgen geht es zurück in die geschäftige Zivilisation… Nach Velden!

Wer braucht eine Bahn, wenn man fliegen kann?

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Neben der Spur.
So fühle ich mich seit ich zurück bin. Dann aber stellt sich die Frage, ob ich das nicht eh schon immer war? Ganz vernünftig betrachtet, habe ich es mir ja nie sehr einfach gemacht. Aber der Einsatz hat mich verändert.
Vogel-Strauss Taktik war noch nie so richtig meins, aber (ganz schön viele ABERs in meinem Leben, denn ganz ohne die Fürs und Widers abzuwägen geht es nicht. Ich mache mir vorher Gedanken um mich nachher nicht zu fragen, was zum Geier ich mir dabei gedacht habe!! Außer in Liebesdingen, da springe ich mit Begeisterung in die Breduille um am Ende erst zu weinen und dann zu lachen!) diese Methode hat sich nicht ohne Grund oft bewährt, denn nun habe ich meinen Kopf aus dem Sand gezogen und meine Sinne sind auf Daueranspruch! Ganz nach “Ich fühle, also bin ich.”

Was ist Leben und was ist ein normales?
Ob ich Angst habe, weil ich nie weiß, was morgen sein wird? Und wenn ich es wüsste, was ändert es?

Ich hatte mal einen Plan, da war ich 23, dachte den Mann fürs Leben sicher in Ketten gelegt zu haben und malte mir, meine Tochterrolle perfekt erfüllend, das Gemälde meines Lebens. Dann war ich auf einmal 29 und schaute erstmal blöd, als der Mann sich komischerweise in Ketten nicht so wohl fühlte und der Familienvan gegen die Wand gefahren in Rauch aufging. Und ich? Ja, ich musste mich mir selbst stellen:
Mit all meinen Fratzen, Gefühlen und Illusionen.
Ich war mir selbst fremde geworden. Oder ich habe mich nie wirklich gekannt.
Ich tippe auf letzteres.

Ein mal angefangen alles in Frage zu stellen, ist es schwer das anzuhalten. Wohin bloß mit mir?
Es sollte die lehrreichste Zeit meines Lebens werden.
Ich kann mich für vieles verrenken (einmal mehr der Beweis, dass ich so unsportlich gar nicht war), aber schlussendlich bin ich es mit den Rückenschmerzen. Mich für andere zu verbiegen, Erwartungen erfüllen um mir Liebe zu verdienen, sich am Riemen zu reißen um Perfektion vorzugaukeln, integrieren um mir mein Dasein verdient zu haben, nicht zu weinen, weil ich stark sein muss und nicht zu lachen, weil mein Lachen zu laut ist, das alles hat nur eines gebracht: 30 Jahre daran verschwendet zu haben mich anzupassen.

Mag schon sein, dass ich mit 33 wissen sollte, wie mein Leben aussehen soll aber das Problem ist ja, dass das eben nicht damit vereinbar ist, was als Normal gilt, wozu dann überhaupt damit anfangen?
Ich bin gerne neben der Spur. So sehe und spüre ich mehr von der Welt. So spüre ich mich besser, als je zuvor.
Ich wollte immer ein Zuhause haben, aufhören von einer Stadt in die nächste zu ziehen, ankommen und Wurzel schlagen.
Aber ich bin keine Pflanze. Heute fühlt es sich gut an, mich nicht festlegen zu müssen; die Vielfalt der Möglichkeiten ist keine Qual, wenn ich weiß, was und wie ich sein will.
Das Unbekannte ist nicht mehr beängstigend, weil es nur im ersten Augenblick fremd ist und dann tut sich ein neues Bilderbuch auf, voller beeindruckender und mehrdimensionaler Menschen und Momente.
Vielfalt bedeutet Variation und Abwechslung. Da gibts mich nicht nur in einer Version, ich kann mich neu erfahren wann immer ich etwas Neues angehe.
Ich muss nicht verharren in einer Idee von mir wenn es so viele Fassetten zu meiner Person gibt.
Je mehr ich mich sehe, desto treuer werde ich mir.

Das Gemälde meines Lebens ist eins von vielen Pfaden, Fußspuren, die mich begleitet haben, Abdrücken von Händen, die mich aufgefangen haben und unendlichem Himmel!

Photo by visual statements

Solo-Neujahrswalzer

Einunddreißig mal hat sich für mich das Jahr dem Ende geneigt, am Anfang recht unbewusst, in den jüngst zurückliegenden Jahren oft schmerzlich bewusst, und dabei hat sich mehr mein Leben geneigt und einen krummen Buckel davon getragen.
Die letzten Jahre war ich am Ende außer Atem, schwer geneigt dem bald auslaufenden Jahr einen Fußtritt zu verpassen.
Immer aber straffte ich meinen Buckel und dachte, es könne nur noch besser werden obwohl ich so viele Male auf die Nase flog, dass liegen bleiben sinnvoller erschien, als sich noch mal aufzurappeln und mit einem Schulterzucken das ganze noch mal anzugehen.

Wozu sich Vorsätze zusammenspinnen, wenn das Leben sein eigenes Skript hat, wozu etwas planen, wenn immer das Ungeplante eintrifft? Wozu über das “warum?” flennen, wenn die Antwort hässlicher ist als die Ungewissheit?
Wozu sich Gedanken um die innere Uhr machen, wenn ich die Zeit doch nicht anhalten kann?

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Ich freue mich weder über das neue Jahr, weil alles beim alten bleiben wird, noch trauere ich um das, das seine letzten Atemzüge tut.

In diesem Jahr hat mir das Leben das Herz gebrochen und ich kann es nicht verzeihen. Diesmal sind die Teile an der Wucht meines Schmerzes zermalmt worden.
RESILIENZ.
Sei stark sagt die Resilienz. Was dich nicht umhaut, macht dich nur stärker.
Immer wieder zieh ich mich aus dem Schlamm in der Überzeugung, dass der Schmerz Teil der Erfahrung ist. Sie ist so wahrhaftig, wie die Liebe selbst und das eine kann ohne dem anderen nicht.

Leben Sie jetzt die Fragen. Vielleicht leben Sie dann allmählich, ohne zu merken, eines fernen Tages in die Antwort hinein. R.M.Rilke

Frei von Angst bin ich geworden.

Angst vor Verlust? Wenn ich mich doch nicht an dich fesseln kann?
Angst vor dem Tod? Wenn es doch unausweichlich ist?
Angst vor dem Versagen? Wenn ich doch nur gewinne, in dem ich gebe?
Angst vor dem Ungewissen? Wenn ich dem doch keine Fackel in die Hand geben kann, um mich nicht in die Irre zu führen?

Das Jahr 2015 ist Schmerz und Selbst-Aufgeräumtheit durch Selbst-Aufgabe und Neuanfang.
Ich werde neugieriger je mehr Schmerz mich trifft, ich wachse an meinem Versuch Grenzen nicht zu akzeptieren und ich gewinne an meinem Mut.
Es möge kommen, was wolle und möge sich meine Illusion von der Liebe nicht erfüllen, ich habe etwas gefunden, das mich hoffen und meinen Puls am rasen hält.

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Ich werde ins Jahr 2016 gehen so wie ich es am liebsten mag: mit müdem Blick, zerstreutem Haar, mit einem unsicheren aber grenzenlos der Liebe vollen(und liebestollen) Herzen und einem Lächeln und mit
mit einem Rucksack zu den Füßen und dem Flugticket in der Hand.

Liebe ist (…) ein erhabener Anlass für den Einzelnen, zu reifen, in sich etwas zu werden, Welt zu werden, Welt zu werden für sich um eines anderen willen. R.M.Rilke

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Quellen:
WordPorn (poem)
Facebook (dog photo)
DeedamitRucksack