Die Hälfte der Welt   اصفهان نصف جهان 

Ich genoss die letzten 2 Tage meiner lang-ersehnten Iranreise in Isfahan.

Isfahan ist die Oase, auf die ich gewartet habe. Alleen von Grün spendeten Schatten und machten das Atmen leichter. 

Ich schlenderte durch den Bazar-e Bozorg, schnupperte an Gewürzen und erntete Safran (und nebenbei wunderte ich mich über die diversen männlichen Schaufensterpuppen, die hatten unterschiedliche Gesichter, der eine trug eine chice Seitenwelle, der andere hatte einen Lidstrich gezogen. Und manche, ja manche hatten nur ein halbes Gesicht!)

Wie ich so vom Masjed-e Jameh Moschee durch den Bazar wanderte, öffnete der sich auf einen riesigen sonnenbestrahlten Platz, dem Imam Square, einem wohl der größten Plätze der Welt in feiner safadisch- architektonischer Manier erbaut von Shah Abbas I.  Der Platz ist Dreh-und Angelpunkt all meiner Wege, hier spielt sich das Leben der Familien ab, spät nachmittags planschen die Kinder im Springbrunnen und andere Familien sitzen im Schatten und picknicken. Dieser Platz war frei von Sorgen.

Hier steht im Westen die Lotfollah (man beachte, der hier dargestellte Betende hält keine Hände gen Himmel) Moschee. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass mir noch etwas anderes als die Al-Mulk-Moschee in Shiraz den Atem rauben könnte (und zugegeben, ich war wohl etwas übersättigt von Gotteshäusern), bis ich unter die Kuppel der Lotfollah Moschee trat, diese war ausgekleidet in überbordender Farbenpracht, mit türkisfarbenen  gedrehten Verzierungen, die sich entlang der Bögen hoch und runterzogen und über ihnen eine gelb-goldene Weite!

Und im Osten der Al Qapu Palast, der mir die Inspiration gab, mein Luftschloss mit blumenranken-verzierte Wendeltreppe mit smaragdgrün befließten Stufen den letzten Schliff zu geben!

Im Norden des Imam Square steht die Shah Moschee, weitläufig, mit kleinen Höfen. Dort traf ich auf einen Islam-Gelehrten. Er bot mir karamelisierten Sesam an und wir redeten über meine Beweggründe, Iran zu bereisen. Viele Gelehrte, so beobachtete ich im Laufe der Zeit in Isfahan, boten “friendly discussions” mit Nicht-Moslems an, meist in kleineren Runden. Es reizte mich enorm, aber ich fühlte mich nicht wohl bei der Idee in einem Land, dass Meinungsfreiheit nicht als solche ansah, über Religion zu diskutieren.

Zum Verschnaufen saß ich im Shahid Rajai Garten und erlebte wechselnde Sitznachbaren, der eine las den Koran und wollte mir etwas daraus erklären und der andere rastete kurz im Schatten und drehte an seiner Misbaha. Ich kam mir ein wenig vor wie Forrest Gump, nur ohne Pralinen, Weisheiten hätte ich zuhauf parat gehabt!
Ich wurde ich auch in Isfahan angesprochen, neugierig beäugt und angefasst, diesmal bevorzugt von älteren Iranern, die stehen blieben, mich anlächelten und Fragen stellten, auf die ich jämmerlich mit “I don’t speak Farsi” antwortete und mir daraufhin mit einem Lächeln auf die Schulter klopften und jeder ging seines Weges. 

Um nochmal aufs Essen zu kommen, dass hier ja mehr eine Notwendigkeit als ein Genuss ist. Einen Vorteil hat das ganze (und der Ramadan), ich nehme ab! In Isfahan habe ich mir ein Steak and Cheese Sandwich in einem Laden besorgt, dessen Name Pizza Paneer war und als Logo ein EKG hatte. Mit Indien hat es so wenig zu tun wie das iranische Beryan mit dem indischen Biriyani und das EKG, wohl eine Warnung, dass bei zu viel von ihrem Menü zu ST-Streckenveränderung führen kann. 

Aber um fair zu bleiben, gab ich der iranischen Küche noch eine Chance und um ganz sicher zu gehen, ging ich bei Großmuttern Mittag essen. Und wer kann schon besser kochen als Siamma? (nur meine Mom) Zu einer minzigen Milch gab es… erm vergessen, Grandma hatte nämlich echt schnuckelige Enkel! Zum Nachtisch wurd mir (ein strahlendes Lächeln auf) Safraneis serviert und ich wurde der Küchenfee, der Mutter der sehr ansehnlichen Herren, vorgestellt! Ob das Essen geschmeckt hat, also sie hatten ganz außergewöhnlich graue Augen! 

Den lang ersehnten Kaffee genoss ich im kleinen Irooni Café am Imam Square. Ein so feines Plätzchen mit gedimmten Licht und angenehmer iranischer Musik im Hintergrund. Ich kann nicht mal sagen, wie viel der Eiskaffee gekostet hat, weil der Barista so abgelenkt hat, meine Bemerkung, dass der Kaffee “Very wonderful” sei, quittiert er mit “You too!”, manchmal können Verständigungsprobleme ein Segen sein! Ich hüpfte beschwingt, in der Überzeugung (ihr könnt sagen, was ihr wollt!), ich sei wonderful, aus dem Kaffee, bereit mich der Schacherei am  Bazar zu stellen!… und hab ihm (ich meine dem Café), nach einem Anblick der trostlosen Si-o-Se Tol Bridge über ausgetrocknetem Flussbett, noch einen Besuch abgestattet.

Isfahan. ich kann verstehen, wieso die wirklich eindrücklichen Erinnerungen meines Vaters an dieser Stadt hängen. Sie hat Flair, das joie de vivre, die so beschreibend ist für Großstädte. Schön, dass du mein Abschluss warst und mich hast vollends eintauchen lassen!

Das Sonnenstäubchen tanzet,
Vom Licht der Sonne’ ergriffen (Rumi, Zehnte Ghasele)

Es funkelt in Shiraz 

Als ich durch den Garten Eram flanierte, dünkte es mir mit ein wenig Grauen, dass je mehr ich reiste und je mehr ich Atemberaubendes sah, fantastische Gerichte aß und wundervoll charismatischen Menschen begegnete, desto höher und höher schraubten sich die Erwartungen an das nächste und neue Reiseziel. 

Ich bin besessen von Gärten, stets auf der Suche nach dem einem GEHEIMEN Garten, wie ich ihn mir beim Lesen von “Der Geheime Garten” (F. H. Burnett) mit 10 erschuf. Eram hätte es sein können, aber dafür ist es hier zu linealgeführt, zurecht gezogen und in Reih und Glied gestutzt. Eram ist ein botanischer Garten mit einem in der Sonne pastellfarben glitzerndem Bau. 

Umgeben von Rosengärten, die zu Frühlingsbeginn gewiss ein Augenschmaus sind, diversen Zitrusbäumen und jungen schwer behangen Granatapfelbäumen.

Als Kunde scholl: die Rose naht! die Blumen

Sich senkten huldigend aufs Knie der Rosen. (Rumi, 17.Ghasele) 

Als nächstes trugen mich meine, von dem 40°C angebrutzelten, Füße, denen die Begeisterung für Birkenstock nunmehr auf die Haut gebrannt war, zur Arg-e Karin Khan, Zitadelle des Karmin Khans. Erbaut im 18.Jhd wirkt es von außen wie eine Burg, durch das Tor getreten befindet man sich direkt in einem kleinen Garten mit zentralen Wasserstraße. In den einzelnen Räumen wird gerade restauriert und die goldbesetzten Deckenfresken ans Tageslicht gebracht. In zwei Räumen sind bodentiefe Mosaikfenster, durch die die Sonne bricht und den Raum in warmes rot und blau taucht. 

Nach einer kurzen Rast (und dem dringenden Wunsch, mir die Kleider vom Leib zu reißen, nicht nachgeben), ging ich in Begleitung von Mehdi, einem Hotelangestellten, zu Aramgah-e Schah-e Cheragh, der Begräbnisstätte von Amir Ahmad, dem König des Lichts und Mir Muhammad. Beides Brüder des Imam Reza. Es gilt als eine der wichtigsten Pilgerstätten der Shia Muslime. 

Nach einer peniblen Leibesvisitation und Abnahme der Kamera wurde ich mit einem Chador behangen (über meine bereits bestehenden 2 Schichten und Kopftuch – so eine Eigensaft-Behandlung bei 40°C muss bestimmte tolle Auswirkung auf Cellulite, verstopfte Poren und Falten haben! Wenn ich jetzt noch Yoga gemacht hätte, wäre ich unsterblich geworden) und von einer englisch sprechenden Mitarbeiter geführt. Die Stimmung war erhebend, einschüchternd und erdend zugleich. Es wurden zur gleichen Zeit Gebete gesprochen und ich durfte einen Blick in die neue Moschee werfen, wo Männer und Frauen sich in einem sehr zurückhaltend dekorierten Gebetsraum gegenüber saßen. Der Gegensatz dazu die alten Gebetsräume, in deren Mitte aus reinem Silber ein Schrein steht, die von Boden zur Decke aus Spiegelsteiben besetzt sind. Da durfte ich nicht hinein, aber ins Mausoleum von Sayyed Alaeddin Hossein

Und da war sie meine totale und absolute Verblüpftheit. Ich stand inmitten von Spiegelsteinen und bunten Glassteinen besetzten Gebetsraum, es war berauschend wie im Inneren eines Diamanten. Man trat barfuß auf teppichbesetzten Marmorboden und blickte gen Himmel, der über und über und ÜBER mit Kristall besetzt war! Phantastisch trifft es nicht im Ansatz. Im eigentlichen Gebetsraum, dessen Kuppeln ebenso glänzten wie frisch gefallener Schnee, erzählte mir der Guide über die 12 Imame und betonte gewisse Parallelen zum Christentum, denn er runzelte bei meiner Antwort,  ich sei Buddhist, die Braue und sprach, “you are Christian”. Na gut. Ich kam mir vor wie in der Schule, er zeigte auf reich verzierte Schriftzüge und fragte mich was ich denn sah und ich erntete Lob für meine Antwort, es seien arabische Buchstaben mit Blumenverzierung. Draußen vor der Moschee ging die Befragung weiter, wozu sei eine Minerett gut und warum sind da zwei, welche Form hat die Moschee und warum gibt es solche mit nur einer Minarett? Von der Minarett ruft der Muezzin zum Gebet (Adhan), jeweils eine steht für den Prophet und für den Imam, manche haben aber nur einen Propheten und keinen Imam,(auf meinen Schmäh, weil der Betende nur eine Hand gen Himmel halte, quittierte er mit Lachen) und die Form ist dem Betenden nachempfunden, die Kuppel sein Haupt.

Nach einem ausgedehntem Nickerchen und einer Dusche aber vor allem einer Auszeit vom Kopftuch, ging ich auf die Suche nach Abendessen und bin 5 vor Sonnenuntergang in ein Restaurant geplatzt, das noch das Besteck polierte und Säckeweis Essenslieferungen verschleppte. (auch das erinnert mich an Libanon, ganz gemütlich im Pyjama Essen und Shisha bestellen.) Um ehrlich zu sein, die Restaurants können hier nicht viel reißen, zumindest nicht im mittleren Preissegment (und für teures Essen ist meine Kassa zu schramm kalkuliert). Alles schmeckt eher fad und, das sag ich als Reis-Fanatische, mit so viel Reis überhäuft, dass nicht genug Souce da ist. Das allseits beliebte Kebab ist bei mir völlig durchgefallen, trockenes Fleisch mit einer gegrillten Tomate, und wen überrascht es, einem Berg Reis. 
In Tehran war ich in der Baby-Bedarfs-Strasse untergebracht, in Shiraz geh ich in der Elektro-Avenue essen. Wer auf der Suche nach einem Kinderwagen sich hier her verwirrt, hat gewaltig Pech!
Freitag stellt sich als Tag ohne Aktivitäten heraus, die alljährlichen Pro-Palästina Demonstrationen ziehen durch die Straßen. Ich habe es mir im Hof des Hotels mit einem Zimttee und Stefan Zweig, der in so schönen Bildern Wien die Liebe erklärt, dass ich ganz wehmütig wurde (wenn das Heimweh arg schlimm war, hab ich mich mit Geschichten von schönen Männern und happy Ends abgelenkt), verschlingend gemütlich gemacht. 

An dem Tag habe ich eine Mitbewohnerin bekommen, die so heftig an der Tür gerüttelt hat, nachts um 7:00, dass ich fast aus dem Bett gefallen wäre. Das war es dann mit meiner leicht bekleideten Erholung im Zimmer! Ich kann irgendwie den Drang nach FKK verstehen jetzt da ich jedesmal dem Kollaps nahe bin, wenn ich bei 40°C 3 Lagen ertragen muss. Aber ein Nudist wird wohl trotzdem keiner aus mir.

Um den großen Dichter Hafez die Ehre zu erweisen schlenderten wir vom Qoran Gate zu seinem Mausoleum, welches idyllisch in einer kleinen Anlage erbaut ist. Hafez gilt als einer der bedeutendsten Dichter hierzulande. 

Dein Gesicht schaute die Rose, Ha! da entglühte sie voll Scham, Sie spürte deinen Geruch und Zerfloss in Rosenwasser. 

Samstag Morgen waren wir um 8:00 an den Toren der Al-Mulk Moschee um den Winter-Gebetsraum zu bestaunen und tatsächlich, es war noch grandioser, als ich es mir ausgemalt hatte. Die Morgensonne stahl sich durch das bunte Glas der bodentiefen Fenster und warf ihr verspieltes Funkeln auf die weichen Perserteppiche.

 An eine Säule gelehnt sitzend, flog mein Blick über die Teppiche und Decken. Hier kam man zu sich, weich gebetet und von einem Regenbogen gebadet, rückte das Leben ein Stück zur Seite. Es wäre wohl zu schön gewesen, hätten nicht die einen oder anderen die Ruhe als Kulissen für ihre Selbstdarstellung genutzt. Wenn ein Selfie Lebensenergie rauben würde, paar würden insta(gram) tot umfallen. Ich bin sonst eher gelassen wenn es um typisch touristisches Verhalten geht, aber dieses ignorante Verhalten es ärgert mich gerade an Stätten der Besinnung und Ruhe. Also bin ich kurzerhand in eine “ja leg dich auf den Boden, toll wie das Licht fällt!” gefahren und hab sie ‘gebeten’ den anderen auch eine Chance zu geben zu fotografieren. 

Am Abend betrat ich noch ein Mal einen Spiegelraum in einem alten Anwesen und Schah-e Cheragh, dass bei Einbruch der Nacht in voller Pracht erstrahlte und seinem Namen alle Ehre machte! 
Shiraz ist eine Stadt reich an Geschichte und Kultur, prägend und entscheidend zur Zeit des persischen Reichs. In manchen Ecken und Gärten raschelt der Wind eines opulenten Königreichs, aber zu oft wird die Brise vom Chaos der Neuzeit verwirbelt.

Tor aller Länder

Persepolis ( تخت جمشيد Tacht-e Dschamschid „Thron des Dschamschid“, altpers.: Parsa)!

Die majestätische Stadt- Zeuge eines fortschrittversprechenden Zeitalters (die Stadt wurde gegen Entlohnung und nicht durch Sklaven errichtet und es fehlen kriegerische Reliefs), eine der Hauptstädte im antiken Persien, von Darius I gegründet und unter der Herrschaft nachfolgender Könige erweitert und schließlich von Alexander dem Großen 330 v.Chr zerstört. Warum, fragt man sich? Da müsste man wohl Alex höchst persönlich fragen, ob aus Rache an der Zerstörung Akropolis oder aus einem anderen Grund? Auch das Angebot sämtlicher Schätze der Schatzkammer konnten ihn angeblich nicht davon überzeugen, das Streichholz zu zücken. 

Ist es nicht die Bewunderung, die einer empfindet, wenn man solch grandioser Erschaffung durch Menschenhand ansichtig wird, die aber auch mit einer Brise Geheimnis und vielen offenen Fragen einhergeht, dass Neid auch irgendwo lauern muss? War es Ideologie oder Kriegsstrategie, etwas so wundervolles zu vernichten? Diese Frage stellen wir uns auch heute noch und mir fällt dazu nur ein, dass der Mensch dem Mensch, heute wie damals, ein Wolf ist. 

 
Wunderschön erhaltene Reliefs erzählen die Geschichte von einem mächtigen Reich und König, dem zu Ehren und zum Neujahrsfest Gesandt aus der ganzen Welt herbei kamen und Geschenke brachten.

Diese Reliefs sind besonders gut am Palast des Darius zu bestaunen. 

Erste Ausgrabungen wurden in den 30er Jahren durch deutsche Forscher geleitet und 1979 wurde Persepolis zum Weltkulturerbe erklärt. 

Nachfolger Darius I und er selbst ließen in einer Mauer unweit von Persepolis Grabstätten meiseln, Naqsh-e Rostam (نقش رستم), welche aber geplündert wurden. Die behauenen Felsen erinnern (ein klitzekleines Bisschen wohlbemerkt, NICHTS kann dem Majestätischem Petras das Wasser reichen, an Petra, nur das in Naqsh-e Rostam nie jemand gelebt hat. 

Von dort ging es weiter in die 1. Stadt des Perserreichs, Pasagad ( پاسارگاد Pāsārgād; griechisch Πασαργάδαι), welche von Kyros II auf einer Fläche von 300ha erbaut wurde. Viel zu sehen gibt es nicht, bis auf einige Reste des Palastes und das Grabmal Kyros II, welcher dazumal von einem großen Garten umgeben war.
Unser letztes Ziel war die kleine Wüstenstadt Yazd, dorthin führten die Straßen entlang an Pistazienfeldern und Wüste. Die Berge ließen wir hinter uns. 
Yazd ist beschaulich mit einer sehenswerten Altstadt, deren Gassen eng und die Bögen tief sind. Alles aus Lehm und Stroh gebaut.

Interessant sind in Yazd die vielen Windtürme, die über die Stadt ragen und als ausgeklügeltes Kühlungssystem frischen Wind in die Gemäuer haucht.

Salam روز به خیر Tehran

Prolog

Ehrlich, das mit mir und dem Wandern bzw den Wanderschuhen, das klappt nicht, ähnlich wie mit Männern (ziemlich egal ob Variante “jetzt hab dich nicht so und schraub deine Ansprüche zurück = 14,99€ Plastik Schuhe und so peinlich, dass nur im dunklen getragen werden darf, oder “Alter Diyani, selbst seine Oma warnt dich vor ihm= 249,99€ muss ich haben sonst sterbe ich Heels, einmal getragen, fast den Hals damit gebrochen und als Mahnmal ausgestellt. Bei Trekkingschuhen fällt mir der Vergleich, aber so weit scheitert es ja schon beim Anziehen, hierzu fällt mir nur der verzweifelte Versuch meiner Familie ein, mich zu verkuppeln, sie kommen selten weiter als, “sein Horoskop ist vielversprechend”) 
Man stelle sich vor, Wanderschuhe sollten eingetragen werden, sonst sind die nämlich hart wie Beton! Kurzerhand ausgezogen, für den (steht aber noch in den Sternen) nächsten Ausflug auf die Nordkette in die staubige (bescheuerte-blasen-machende-Latschen) Ecke geschleudert, und in die ausgelatschten Pumas geschlüpft! Und das alles um 4:30 früh.


Tehran
 

Während ich das hier schreibe, liege ich im Hotel in nur T-shirt bekleidet am Bett, sozusagen Kontrastprogramm zum in der Öffentlichkeit notwendigen Bedecktheit, und esse einen Brownie aus der Minibar, da wegen Ramadan noch alles zu hat, das so viele E-Nummern hat, dass es nur eine Frage der Zeit sein kann, dass mir eine 2.Nase wächst. 

Ich ließ mich treiben. Nahm um der Hitze zu entkommen die U-Bahn und da schafft man sich oft den besten Eindruck. Allen Metro(polen) ist ein Verhalten gemein: der leere Blick ins Nichts. 

Schnell merkte ich, dass es auch beim Ubahnfahren Regeln gibt, es gibt eigene Women-Only Wagons. Ich find das super. Manche Damen lassen für paar Minuten das Tuch vom Haar rutschen und es ist ein merkwürdig entspanntes Gefühl nicht angeglotzt zu werden und ich werde viel angeschaut, die Kombination aus dunkler Haut und dann auch noch gekleidet: wie ein Kolibri im rosa geblümten Kopftuch, das seiner Gefangenschaft entkommen ist. In Indien wird im Zug Essen, Süßes, Tee und Wasser verkauft, hier in Tehran Turnschuhe, Kochlöffel, bunte Haarsträhnen und BHs! Wäre ich lang genug unterwegs, könnte ich meine gesamte Unterwäsche hier besorgen! 

Seit heute 10:00 bin ich wieder mal Millionärin. Aber auch nur in Rial, in der Alternativwährung (Toman, welche 1925 die Landeswährung war und im Dezember 2016 als neue angekündigt wurde aber bisher noch nicht in Kraft getreten ist), die hier – frecherweise ohne Kenntnis des Reisenden (ok nur meiner Wenigkeit), verwendet wird (sie tun einfach eine Null weg), bin ich nur fast– Millionärin. Ich hab eine beunruhigend große Menge Geldscheine mit mir und diese vielen Nullen überfordern mich auch diesmal. Sinnlose Papierverschwendung. 

Ich bin durch den gut gepflegten Garten des Golstan Palace gelaufen. Und hab diese Ruheoase sehr genossen, so nah am geschäftigen Bazaar. Ich habe während des Spaziergangs die griechischen Säulen meines Luftschlosses kurzerhand gegen glitzernde ersetzt, wie sie hier zu sehen waren, welche mit Glasplättchen besetzt sind, ich muss euch ja nicht sagen, wie das in der Sonne glitzert und wer steht auf ein bisschen Glitter über ihr Leben gestreut? 

Mein nächster Punkt war die ehemalige US Botschaft. Es gibt ein dazugehöriges Museum, dessen Öffnungszeiten ein Kuriosum für sich darstellt. Rein theoretisch hätte es offen, praktisch aber gar nie.
Als letztes bin ich in einem kleinen Park gelandet, in dem Skulpturen ausgestellt sind, Menschen Gymnastik machen, junge Paare sich zum Stelldichein unter einem Baum treffen und wo ein alter Mann Wasser zu den Füßen einer Statue goss und mich heranwinkte. Er zeigte auf ein Vogelnest aus Steingut, an dessen Rand ein Vogel über zwei Eier wachte. Er lächelte und deutete auf die Eier, die er mit Wasser bedeckt hatte. Ich verstand kein Wort, aber sein Lächeln war so ansteckend, ich musste mitlachen. Der zynische Stimme in mir flüsterte zwar, “der war wohl nicht so häufig im Bio-” Unterricht, hmmm?” versuchte ich kein Gehör zu schenken. Trotz der überwältigenden Hektik, stickigen Luft und der sohlen-verglühenden Hitze, war hier jeder freundlich zu mir. Und da es bei mir ein Lächeln für Lau gibt, hatte ich gut was zu tun. 

Die Stadt an sich blieb mir eher verschlossen, irgendwo gibt es die Rückzugsmöglichkeiten, aber ich fand sie nicht. Diese Stadt ist wie viele Städte, mega stressig, laut und staubig, Horden von gehetzten Arbeitsbienen und die Geburtsstätte des rücksichtslosen Verkehrs. Es würde mich nicht wundern, wenn der eine oder andere beim Kreuzen des Zebrastreifen Begegnung mit der Motorhaube eines Taxis macht oder einen Reifenabdruck eines dieser wahnwitzigen Motorräder am Schuh verewigt bekommt.

 Mein lebensnotwendiges Verweilen in kleinen Cafés muss leider, dem Ramadan Respekt zollend, bis Montag ausbleiben. Wie groß der Unterschied doch ist, wenn man in einem Land als Tourist umher wandert oder ein Teil des Lebens ist. Im Libanon fiel mir der Ramadan nie  vor dem allabendlichen Feuerwerk auf, unter Tags waren wir dank der einheimischen Kollegen und umliegender Restaurants, die zum Glück nicht alle zu hatten, stets versorgt. Hier im Iran hab ich noch keinen einzigen Supermarkt gefunden, das Leben findet am Bazar statt und die Einkäufe erledigt man im Laden um die Ecke. So hab ich auch unweigerlich zw Frühstück (die Interpretation des Hotels in Tehran: Kuchen! Dazu Schafskäse, Auswahl an Gurken, Datteln und Wassermelone. Da hat wer Marie Antoinette etwas allzu wörtlich interpretiert, oder der Koch litt unter ausgeprägten Schwangerschaftsgelüsten. Zum Abendessen gab es kein Messer, zum Frühstück gleich zwei.) und Abendessen gefastet. Bis dahin war ich so hungrig, dass ich, aber nicht weniger auch deswegen, weil der Kellner wie ein Rabe mit seinem Kugelschreiber im Anschlag über mir wachte, die Karte nur 1 Seite kurz war und sie nur EINE Karte hatten, dass ich kurzentschlossen auf irgendwas in der Sektion ‘main’ zeigte. Mal war es Kebab, (wusstet ihr, dass Löffel nicht schneiden?!) und das andere Mal (Lerneffekt: Vermeiden von Gerichten, die ein Messer notwendig machen) Melanzani Stew mit Überraschung: wer denkt, das wäre vegetarisch, war spätestens beim Anheben der ersten Melanzani Scheibe eines besseren belehrt. 

Dem Treiben Tehrans den Rücken kehrend geht’s weiter nach Shiraz…. 

Dschinni ich komme

Die Trennung von meinem Pass geht schon in die 6.Woche, für diese lange Wartezeit muss das Iran-Visum aus Gold mit Herzchen und Glitter geschmückt sein! 

Ja, Iran

Ich hab Platzangst, auch was den Blick über den Tellerrand angeht. Während andere mit einem Set Geschirr ein Leben genügsam sind, langweile ich mich nach 3 Monaten und wundere mich, dass die farblosen Teller nicht vor schierer Ödnis einen Sprung in der Schüssel bekommen (hihi). Deswegen besitze ich ein Sammelsurium von Essporzellan (die einzigen Konstanten: eine Winnie Pooh Tasse und Teller, ich schweige mich darüber aus, was das über mich aussagen mag). 

Ich löffel aus großen Holzschalen Bibimbap, esse von frisch gerissenen Bananenblättern Curry und knabbere Zwiebelsalat aus Zeitungspapier. So verhält es sich auch mit dem Reisen: Wenn ich als Person schon in keine Kategorie passe und schwervermittelbar bin, so auch mein Reiseverhalten. Zwar wird man mich nie in einem All inclusive Club finden- schon mit der Maturareise erledigt, dennoch bin ich für alles zu haben. Je ungezwungener und basic desto besser; nichtsdestotrotz lass ich mich weder von den ach so typischen Touristenattraktionen, denn nicht ohne Grund sind es Attraktionen, noch von untypischen Reisezielen abbringen. Eine Zutat zählt: Respekt. Respekt vor dem kulturellen Wert, den Gepflogenheiten, der Mentalität und dem Glauben. Ich werde nicht auf den Machu Picchu stapfen, wenn das Kulturerbe der Mayas in Gefahr ist, es gibt noch andere atemberaubenden schöne Zeitzeugnisse der Maya, siehe Flores in Guatemala oder vereinzelt noch in Belize. Ich werde auch nicht einer von 4000 vor Angkor Wat sein um den Sonnenaufgang zu erleben, während hunderte mir auf den Fuß steigen. Jedoch ärgere ich mich, wenn Leute, die die Magie von Petra für Instagram festhalten wollen, sich dabei aber wie beim Oktoberfest benehmen. Das ist respektlos, genauso wie das Ökosystem an Thailands Küsten zum Erliegen zu bringen und sich dann über die verschmutzten Strände aufzuregen. It’s all man-made. Reisen ist für mich Rücksichtsnahme, das bewusste Innehalten und die Auseinandersetzung mit einem fremden Land ohne einen großen Fußabdruck zu hinterlassen, das Erleben ohne dem Erlebnis die Seele zu rauben. Nicht auf die ominösen “heimischen Standards” zu bestehen sondern auch mal auf einer Bastmatte am Boden zu pennen. 

Ich bin herrlich aufgeregt, entspannt, nervös und freudig spannungsgeladen! 1001 Nacht, Rumis Gedichte und verzauberte Gärten. 

Angst? Hab ich nicht, lass ich nicht zu. Meine Eltern schütteln einerseits den Kopf und behaupten wegen mir an Migräne zu leiden (ich wage zu behaupten wegen dem vielen Kopfschütteln), andererseits verbindet es mich mit meinem Vater und seinem Leben. Er selbst sagt nur, “du hast dir eine blöde Zeit zum Reisen ausgesucht.” Ja, ich wäre gerne ein Hippie gewesen, ich hätte gerne ein Leben gelebt, in denen Grenzen vorwiegend dazu da waren um einen Stempel mehr im Pass sammeln zu können und nicht nur um das Böse fernzuhalten. 

Ich bin froh um meine Geschichte und Eltern zu haben, die einer mutigen Generation entstammen, die nicht nur jammern sondern handeln. Unser Vater war Ende 70er, auf dem Weg nach Österreich, im Iran. Dort hat er einen seiner ältesten Freunde kennengelernt. Einen Kärntner. Wir Kärntner sind die Chinesen Österreichs, uns findet man überall! 

Ich bin gespannt, was mich erwartet, ich bin eher unvorbereitet, hab nur wenig Gepäck – ja, ganz recht gelesen. Nur ein kleiner Rucksack, meine Birkenstock,  die Kamera und ein Kopftuch. Sowie…. 

Innsbruck und diese verflixten Berge müssen in mir wohl den Wanderer geweckt haben, ich habe  mir Trekkingschuhe zugelegt. MEIN anfänglicher mentaler Kommentar “böaha!” musste der erwachsenen rationalen Entscheidung weichen, dass etwas, das wasserfest und “geländegängig” ist, im selben Atemzug nicht rosé gold und adrete sein kann. Tragisch, echt, ich würde häufiger wandern gehen, wenn ich dabei nicht wie ein abschreckendes “Vorsicht quitschbunte Hans-guck-in-die-Luft könnten ihren Weg kreuzen” Schild aussehen würde! 

Ganz zu schweigen, dass ich nicht meine pinken palmengeschmückten Zehen der Welt präsentieren kann

Mit einer kleinen, lehrreichen, Pause über den 

Deutsch – Österreichischen AIDS Kongress geht es am Montag los…

Auf neue Horizonte, Düfte und Herausforderungen! 

Source for hiv picture: pinterest 

Florenz oder eine illegale Diyani? 

Ausflüge mit der Familie waren für mich als Teenager wie eine gagenfreie Teilnahme bei “Holt mich hier raus”. Der Dschungelcamp war de auf kleinem Raum konzentrierten Familienmitglieder mit einziger Fluchtmöglichkeit ins Klo. So was muss daher gut überlegt sein, längere Gesprächspausen und Kontakt zu Babies müssen strikt vermieden werden, denn sonst folgt, was folgen muss: ‘Ayooo, wir werden nie Enkelkinder hoppern dürfen. Unsere egoistischen Kinder werden uns diese Freude wohl nie machen. Ihr bringt uns noch ins Grab und dann werdet ihr schon verstehen!’

Aber um etwas wesentlich wichtigeres hatte ich zu wenige Gedanken verschwendet:

Als ich in Vorbereitung auf meine Iran-Reise meinen Reisepass aushändigen musste, hatte ich schon ein ungutes Gefühl. Ohne meinem Pass? ‘Ja, kein Problem. Das machen wir immer so, für Reisen innerhalb Europas ist eine Kopie ausreichend’, lauteten die Worte der Reisekauffrau. Die Worte des, durch meine Vehemenz etwas unrunden, Busfahrers: ‘Bei uns gelten andere Richtlinien, ich werde zu Ihrem Schlepper, wenn ich Sie mitnehme! ‘

‘Ich war eh schon lang nicht mehr abgeschleppt worden’, dachte sich mein sarkastisch-amüsiertes  Ich, mein innerlich tobendes, nach außen hin mit all ihren Ausweisen um sich werfendes, Ich wäre am liebsten mit der rechten Hand an mein Herz greifend theatralisch zusammen gefallen! Ich darf nicht mit, ich muss hier bleiben, am Villacher Bahnhof! Nichts ahnte ich bei dieser Überzeugungsarbeit von dem Stress, der mir bevor stand, als die italienische Grenzpolizei zustieg. 

Die Ö24 Schlagzeile: 

Ausländerin versucht illegale Ausreise und gibt sich  als Ärztin aus! 

Nun. Ich durfte mitfahren. Nur als die Polizia kurz vor den Toren Italiens den Bus anhielt, erlitt ich einen kleinen Schlaganfall. (Der Busfahrer hoffentlich nicht.)

Ganz cool, meine Gangster-Gelassenheit ausgepackt, streckte ich dem Polizisten die Farbkopie entgegen. Er lächelte, ‘ah Austria!’, und ging weiter. 

Da erlitt ich das Erleichterungs-Schlagerl. 

In meinen anschließend zu hauf geführten Gesprächen erfuhr ich Folgendes:

Das Außenministerium informierte mich, dass ich genau vor Italien hätte Probleme bekommen können, denn all meine Dokumente wären nur als Jausenpapier gut gewesen, und ich glaub in einem italienischen Gefängnis gibt es keine Wurstsemmeln.

Die Botschaft in Rom erklärte, dass die Kontrollen wegen dem bevorstehenden G7 Gipfel stattfanden. 

Beide konnten mir aber keine Lösung für eine glimpfliche Einreise nach Österreich nennen. Wie es weiterging, weiter unten. 

An 1.Tag ging es, wie es sich für brave Touristen gehört, zum Dom. Ein imposanter Bau, steht im Reiseführer. Ein gestreiftes Ufo inmitten von engen Gassen, sage ich. So platziert, dass man von  den Enden mehrer Gassen einen Blick darauf haben konnte. 

Heinrich Heine beschreibt den Dom so und trifft es gar gut:

In der Ferne scheint es, als sei er aus weißem Postpapier geschnitzelt, und in der Nähe erschrickt man, daß dieses Schnitzwerk aus unwiderlegbarem Marmor besteht. Die unzähligen Heiligenbilder, die das ganze Gebäude bedecken, die überall unter den gotischen Krondächlein hervorgucken, und oben auf allen Spitzen gepflanzt stehen, dieses steinerne Volk verwirrt einem fast die Sinne. Betrachtet man das ganze Werk etwas länger, so findet man es doch recht hübsch, kolossal niedlich, ein Spielzeug für Riesenkinder.

Dabei wurde die Kuppel im 15.Jhd errichtet um ein Loch zu stopfen! Und der Maurer, Brunelleschi,  für seine Unerfahrenheit erst belacht (das Ding werde über ihm zusammen brechen) und dann als einziger Nicht – Geistlicher in der Krypta des Doms beerdigt. 

Um den täglich gesunden 10000 Schritte näher zu kommen, stiegen wir 414 Stufen (Da Menschen, die an Herzkrankheiten  (und solche, die an Quengeleritis) leiden besser nicht hinauf marschieren sollen, gönnte sich unser Vater zu Fuße des Doms einen teuren Espresso) zum Glockenturm hinauf. Schwindel?  Ich? Iwo… Gute solide Steintreppen umgeben von dicken Mauerwerk. Bissl platzängstlich wurde ich (mir kann man es auch nie recht machen) aber wohl. 

Von  weit oben erstreckt sich Florenz in all ihrer italienischen Terracotta- Pracht bei blauestem Himmel unter uns.

Vorbei am Palazzo Medici ging es dann in Richtung… 

David

 

in der, eigens für ihn im 19.Jhd erbauten, Galleria dell’ Accademia

Unbestritten. Ein schöner Mann… Sein Blick schweift weit über unsere Köpfe hin weg, seiner Wirkung allzu bewusst (und das, obwohl er vorher nur ein ungehauener Marmor war, der das Glück hatte durch Michelangelos Hände zu gleiten)  aber mit einem Anflug von Zweifel, die seine Stirn in Falten wirft. Sein prächtiger Gluteus erhebt sich stramm über eine in Reihe sitzender glotzender Zuschauer und sein viel belachtes gutes Stück verliert irgendwie bei all der restlichen Pracht an Signifikanz.

Ich war schon ziemlich hingerissen. 5m großer Mann! Ich ging noch dreimal zurück um ihn mir einzuprägen (für den Fall, dass ich im Gefängnis sitzend nie mehr einer solchen Vollendung ansichtig werde) 

2.Tag

In der Galleria degli Uffizi wird hinter Glas die wunderbare Geburt der Venus von Botticelli präsentiert- der erste weibliche Aktion der Neuzeit. Während ich da so stand und einfach bewunderte, wie ihr Haar die Sonne einfängt und im Wind zieht,  Rosen sie umflattert und sie wahrlich den Eindruck macht, eben auf die Erde gepurzelt zu sein und sich überhaupt nicht darüber bewusst war, dass sämtliche Götter um ihrer Ankunft wegen soviel Aufhebens machen, wird ein Selfie nach dem anderen mit Venus im Hintergrund geschossen. Warum? Warum? 

Eine besonders gute Idee war der Gipsnachbau für sehbehinderte nebst dem Gemälde, sehr detailliert und fühlt sich so wunderbar an wie sie sich ansieht. 

Venus (Aphrodite für eure Griechen unter Euch) ist die Tochter des Meeres, in das der Samen des durch Saturn (Kronos) entmannten Uranus fiel (all das angestiftet von einer Frau, Geia). Venus  wird mit Hilfe von Zephyr und Chloris sanft an die Küste von Zypern in die Arme von Genius, die mit einem Blumengewand wartet sie zu bedecken, geweht. 

 Die Uffizien bergen einige, wenn nicht die, bedeutendsten Renaissance Maler. Und als Prachtraum das Tribunal mit einem Kuppeldach, das über und über mit Perlmutt besetzt ist (6000 Muscheln). 

Und als besonderes Besondernis: Da Vincis unvollendete Adorazione dei Magi

Und vielleicht hat er beim Schaffen von Annunciazione schon geahnt wie essentiell heute die Selbstdarstellung ist… 

Ach, und was wäre ein Tag in Florenz ohne ein Stelldichein mit David? Wenn auch nur mit seinen Doubles in Gips und Bronze. (ich lasse meiner Fantasie zu Liebe den homoerotischen Aspekt, der mir nicht entgangen ist, bewusst weg.) 

Zum Abschluss des Tages erhaschten wir noch einen Blick vom Piazzale Michelangelo über die Stadt hinter der sich dicke Regenwolken formierten. Von der Anhöhe erst wird einem die Wucht des Doms bewusst, wie er thront und sich erhebt, wie die Kirche aller Kirchen. 

Ob ich nun hinter Gitter sitze? Die Minuten über die Grenzen waren etwas stressig und ich verstehe noch immer nicht warum es für EU Bürger nicht auch andere Möglichkeiten gibt. Aber im Prinzip habe ich einen Fehler gemacht und tu mir gerade schwer, ihn mir einzugestehen… 

Peace and out… 

Begegnungen

Ein jedes Jahr vergeht. Ein auf das andere Mal frage ich mich, was hast Du in den letzten 365 Tagen gelernt und was hast Du erreicht.

2016 ist das Jahr in dem ich über Begegnungen nachdenke. Über Begegnungen mit Menschen, die bereits eine wichtige Rolle in meinem Leben spielen, über Begegnungen mit Patienten und über zufällige  Begegnungen, die eine Veränderung in mir bewirken.
Nicht immer führen Begegnungen zu einer Freundschaft, einer Abneigung, Verbundenheit oder Mitgefühl, aber jede Begegnung hinterlässt eine Spur in uns. Oder viel mehr, sollte eine Spur hinterlassen. Denn wenn wir aufhören, Menschen an uns heranzulassen, verlieren wir  die Fähigkeiten, wie Mitgefühl, Anteilnahme und Selbstlosigkeit zu empfinden.

May I know how to nourish the seeds of joy in myself every day 
May I be able to live fresh, solid and free 
May I be free from attachment and aversion, but not be indifferent (Hanh, Thich Nhat) 
  1.  die Verbundenheit mit Menschen in meinem Leben, die mein Rückhalt und Netz sind. Die Knoten, die ich mit euch knüpfte, wurden enger und bieten mir Boden, wo Treibsand ist. Trotz meiner Abwesenheiten, meinem Vagabunden-Dasein und meiner inneren Unruhe und Suche nach Mehr/Meer und Tiefe. Ihr seid der Grund, dass ich mich sicher fühle; egal, was ich angehe, in welches Schlamassel ich mich auch hinein manövriere und warum ich mich traue von euch wegzugehen um wo anders mein Glück zu finden. Eure Kritik an mir ist mein Kompass, eure Geduld meine Bank.
    Wenn ich etwas zurückgeben kann, dann bedingungslose Freundschaft und Liebe.
  2. die Arbeit mit meinen Patienten prägt mich jeden Tag, sie rühren mein Herz. Patienten, die einem Großteil der Welt ein Dorn im Auge sind, weil sie einem der Heuchelei und Doppelmoral entlarven. Sie auszugrenzen fällt einfacher, als das bisschen Herz zu finden liebenswürdig zu sein. Das Unbekannte lädt nicht mehr zu Offenheit ein, sondern zu voreiligen Schlüssen und individuellen Fakten. Vielleicht bin ich eine Träumerin, nein sicher sogar, denn ich möchte nicht meinen Beitrag zur Wohlstandsverwahrlosung und mittlerweile salonfähigen Ignoranz  leisten.
  3. die Begegnungen mit Teflon-Menschen, Menschen, die den respektvollen Umgang verlernt haben. Die glauben, dass heutzutage sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen einen davor schützt Verantwortung zu übernehmen. Aber Begegnungen mit Menschen machen uns zu dem,  was und wer wir sind. Diese Begegnungen halten uns den Spiegel vor, in den aber kaum noch wer sehen will, sonst würde die schmerzliche Erkenntnis einem die Laune verhageln, dass man zu Ich-bezogenen Trampeln entartet ist, dass es uns schwer bis unmöglich fällt, sich in die Situation anderer zu versetzen. Ich will das aber mit mir nicht machen lassen. Für mich selber und weil ich es Wert bin, gebe ich jeder dieser Begegnung, so kurz und nichtig  sie auch erscheinen mögen, die Achtsamkeit, die allem gebührt. Ich lerne aus ihnen; ich erkenne mich besser in der Reflexion mit anderen. Ich weiß, dass in unserer Zeit Gefühle und Verletzlichkeit zu zeigen nicht mit  dem Perfektionismus vereinbar ist, dem so viele hinterher rennen.

Jemandem zu sagen, dass man sie gern hat, ist ein Schuldbekenntnis, ist eine unnötige Zurschaustellung der eigenen Verwundbarkeit. Wir gehen alle nur noch auf Abstand, Abstand zu Neuem, zu Unbekanntem, zu Unkalkulierbarem. Unbemerkterweise nehmen wir aber damit auch Abstand zu uns selbst, zu all dem, was in uns lebt. Wir haben Angst vor dem Versagen und vor allem davor uns zu blamieren. Dabei ist es gar nicht schlimm sich zu blamieren. Es treibt uns an und gibt uns Sinn. Außer natürlich man sucht gar nicht nach Schwung und Antrieb, ist glücklich damit, sich selbst immer nur im bestmöglichen Licht darzustellen und allen Gelegenheit sich zum Narren zu machen aus dem Weg geht. Bedeutet aber auch, dass man nie wirklich jemanden an sich heran lässt. Denn nur dann laufen wir Gefahr uns zu blamieren, weil unser Herz sich daran beteiligt. Und wo sich das Herz erst einmal einmischt, ja da ist die Perfektion in großer Gefahr.tumblr_n75jstt50i1rqiomso2_r2_500


Meine Lehre aus  dem Jahr 2016:
Scheiß auf die Perfektion. Ich selbst sein, mich trauen und mich erfahren. Meine  Begeisterung für das Leben und die Menschen darin leben und atmen. Alle Menschen schätzen und respektieren, von Vorurteilen und dem Drang nach Vollkommenheit ablassen,  denn es legt mich selbst nur in Ketten. Wir sind wie wir sind, voller Unebenheiten. Wir sind einander nie gleich, aber wer will das denn schon?

Die Farbenpracht unserer Unterschiede macht unsere Begegnungen doch so wundervoll.

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Understanding is the very foundation of Love (the five awarenesses)