Ein Schwan

Es gab noch nie eine Situation, die mir die Sprache verschlagen hätte, ich dachte auch nicht, dass so etwas existiert, außer jemand wäre so strunzdoof, dass es mich so sehr angestrengt hätte, die richtigen an die Intelligenz zugeschnittenen Worte zu finden, so dass ich beschlossen hätte etwas zu tun, was ich sonst nie tue: den Mund zu halten. Zur Zeit verschließt sich mir der Mund von selbst. Ich fragte selten nach den Sinn des Lebens. Das tun so viele und keiner weiß es. (Außer Douglas Adams natürlich) Jetzt begreife ich den buddhistischen Ansatz “Leben ist Leid”. Das Ziel ist dieses Leid zu beenden und ins Nirvana zu gelangen, so lange ich wieder geboren werde, solange leide ich. Sich von dem Leid frei zu machen, meinem zweiten Namen entsprechend zu sein, nämlich gleichmütig (Upeksha), standhaft gegenüber allen Gefühlen, ob gute oder schlechte, und mich nicht von ihnen mitreißen zu lassen, ist für mich gerade unmöglich. Ich muss hinnehmen, was ich nicht ändern kann. Los lassen. Zu lieben bedeutet den anderen und seine Existenz als unbeständig wahrzunehmen. Und wahrlich, wir sind unbeständig. Wer liebt, haftet an und wer anhaftet erleidet einen schweren Verlust. Am 07. April haben wir, Dewasurendras, verloren. Wie wir verloren haben. Unsere Liebe hatte verloren. Sie konnte dich nicht bewahren und ich kann mich nicht vor dem Schmerz bewahren. Wir sind eine große Familie, einundzwanzig Enkel zählte unsere Großmutter stolz. Nun nur zwanzig. Wir haben gelacht und getollt, unser Leid zwischen zwei Stühlen zu sitzen beklagt, uns Mut und Zuneigung zugesprochen. Du hast mich bestätigt und mich gelobt. Du hast meinen Blog über Google Translate gelesen und dich amüsiert. Du hast mit mir Späße gemacht und über mich gegrinst. Unsere kleinen Cousinen die Schamesröte auf die Wangen getrieben, weil du sie in der Öffentlichkeit umarmt hast. Du warst meinem Bruder der fehlende Bruder. Es ist nicht einfach, es ist mehr als nur schwierig, los zu lassen von dir. Ich sah deinen Körper, berührte deine Locken, sie waren so sprunghaft wie eh. Diese Reise, in die wir gestoßen werden, bei der nicht gefragt wird, ob wir wollen, sie zwingt uns zu laufen, ohne Orientierung unser Ziel zu finden, von dem wir keine Ahnung haben, was es sein soll. Auch wissen wir nicht wann, wo und wie es zu Ende geht. All dem hast du einen Strich durch die Rechnung gemacht. Du wolltest nicht, du konntest nicht und hast über wie wo und wann entschieden ohne das Leben nach der Meinung zu fragen. Du hast beschlossen diese Reise zu beenden. Nicht mit uns zu wandeln auf unserer Suche. Es ist wahr. Aber noch nicht angekommen bei mir. Du bist weg. Aber ich höre dich noch lachen. Ein Teil von mir ist mit dir mit verbrannt. Dennoch haben wir es uns zum Versprechen gemacht, glücklich zu sein – für dich. Ich kann nur nicht sagen, wann.

The Hours In your Sunshine Are Radiating Alongside our path

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DeedamitRucksack

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Sprachlos

Ich bin bekennende Sarkastin. Mit viel Pathos : Sarkasmus rettet mir oft das Leben. Ich kann unverbesserlicher Dummheit, blinder Arroganz und vielen anderen unangenehmen und intoleranten Charakterzügen wunderbar mit sarkastischen Kommentaren begegnen. Das Problem ist oft, dass der oder die angesprochene es nicht versteht. Genauso gut beherrsche ich Selbstironie, denn über sich lachen zu können und sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen, erleichtert mir das alltägliche Leben. Selbstironie hat für mich etwas mit Selbstsicherheit zu tun, Witze über mich ertrage ich erst seit dem ich mich selber auf den Arm nehmen kann. Ganz im Ernst, meine Tolpatschigkeit ist so ausgeprägt, dass man einfach nur drüber lachen kann. Genauso wie meine ständigen “e” und “ä”-Verdreher. Wie lange habe ich heftig mit Ä geschrieben und bin noch immer verführt, nur die Autokorrektur lässt es nicht zu. Ich wünschte die Eselsbrücke “Wer nämlich mit E schreibt, ist dämlich”gäbe es für sämtliche andere Wörter auch. Sarkasmus, Ironie und auch Zynismus funktionieren aber nur dann gut, wenn man eine Sprache beherrscht. Ich nenne das die “Herzsprache”, die Sprache, in der ich mich am heimeligsten fühle und in der ich über alles reden kann. Dabei gibt es selbst da genug Momente, in denen Worte mir fehlen um Gefühle auszudrücken. Mein Herz spricht Deutsch. Oft auch mal Englisch, aber wenn ich leide, dann leide ich auf deutsch. Die Sprache meiner Lieblingsdichter und die Sprache, in der mir keiner was vormachen kann. Warum diese Einführung? Weil ich heute wieder vor einer Situation stand, in der ich sprachlich verloren war. Drei Sprachen und keiner versteht mich. Wenn ich mich auf Sinhala versuche zu erklären, ist der Wortschatz, aus dem ich schöpfen kann, der einer 10jährigen. In meinen Augen nicht überzeugend genug und ich klinge auf mich selbst wie ein Trotzkopf. Komischerweise geht Sarkasmus ganz gut auf Sinhala, aber das rettet mich auch nicht über diese Situationen, in denen Flucht der einzige sinnvolle Weg für mich ist. Stattdessen steh ich da und grinse mein “Mir-ist-das-scheiss-unangenehm-“Lächeln und hoffe auf ein baldiges Ende der Litanei. Ich brauch dafür einen Dolmetscher, der mir das alles, was ich so einfach auf Deutsch formulieren kann, in Sinhala ummünzt. Entweder bin ich nicht überzeugend genug in meinem Auftreten als selbstbestimmtes Wesen oder meine Verwandten sind blind dem gegenüber. In ihren Augen bin ich ohne meine Eltern aufgeschmissen, hilflos, arm und verlassen. Dafür  gibt es nur eine Lösung. Ich dachte, ich hätte die letzten Tage gezeigt, dass ich sehr gut allein zurecht komm und ein tolles Leben führe. Aber es stößt auf taube Ohren. So gebe ich Versprechen, die mir die Tränen meiner Großmutter abzwingen, die ich aber nicht halten kann. Aber wenn ich ihr sage, dass ich glücklich bin und derzeit für eine Veränderung keinen Grund sehe, sind es Krokodilstränen. image So verlasse ich die Insel. Zwischen zwei Stühlen zu sitzen hat auch seine Nachteile. Gemütlich ist es doch nie wirklich.

Huch, es ist ja Weihnachten!

Mir eine Meinung zu etwas zu erlauben, dem ich mich dieses Jahr beinahe gänzlich entzogen hab, ist wohl etwas Oberlehrerin-mäßig, aber da ich als solche ja nicht nur einmal bezeichnet wurde, will ich dem entsprechen.

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Es ist Weihnachten. Schon seit Ende September, wenn wir den Einzelhandel Gehorsam leisten wollen.
Den Kürbissen (mit Feenstaub, als neuester Trend, denn unser Leben verträgt ein bisschen mehr Bling bling) folgten auf den Fuß die tanzenden Weihnachtsmänner und der vermaledeite Lametta!

Am 15.10 (plus minus) hatte ich schon genug von den Adventskalendern (ganz zu Schweige von den Kalendern 2015 zum halben Preis,; soviel zu “Die Zeit vergeht wie im Flug”) zum Sonderpreis. Überall wurden schon Berge von Spekulatius und Lebkuchen gestapelt, die Fenster mit Schnee aus der Dose verdreckt und natürlich kamen die Werbespots wieder auf den Bildschirm.
Mein Favorit ist ja die saufende und pöbelnde Socke oder auch der Slogan von Cineplexx: “mit einem Bügeleisen hat man noch keine Frau bezaubert”. Moulinex zeigt sich bestimmt nicht sehr “amused” und muss wohl paar Einbüßen beklagen.

An zwei Fingern lässt sich abzählen wie häufig ich mich dieses Jahr in den Shopping- Wahnsinn in Wien eingebracht habe und beide Male ging mir die Contenance beim ersten Rempler flöten.
Es sind ganz besondere Nerven, die man zu dieser Zeit parat haben sollte. Stahlharte reichen da nicht aus.
Um uns Konsumwahnsinnigen dann völlig zu hypnotisieren, findet ja parallel auch noch der Winterbaverkauf statt. Wohlgemerkt bei noch fehlendem Winter! Brieftaschen kann man getrost zu Hause lassen, stattdessen einfach die VISA um den Hals hängen.
'I told you it would be crazy on Saturday!' - The First Christmas

Meiner Angst vor Menschenansammlungen hab ich es auch zu verdanken, dass ich noch zu keiner Tasse Glühwein gekommen bin (aber so richtig klirrend kalt ist es ja auch noch nicht und das sag ich, die auch im Sommer kalte Füße hat!).
Heute konnte ich dem Trubel aber nicht entkommen.
Die Slipper mit Bommeln (Fachausdruck: Quaste, da klingt Bommel doch viel besser, nicht?) für Papa als Weihnachtsgeschenksidee für meine ahnunglose Mutter, die ihm sonst das dreißigste Hemd geschenkt hätte. Die Bommeln erinnern mich an unsere Kindheit. Ich glaube, in den 80ern oder 90ern waren die sehr angesagt und meine Eltern hatten einige Schuhe mit diesem Paar längs geknoteter Schnurrbärte, die so lustig wackelten, wenn sie gingen. Man kann sich also vorstellen, dass, wenn Dad sich nicht freut, ich schwer traumatisiert sein werde! Es ist schließlich ein Reminszenz-Slipper, der auch noch chic aussieht!

Mutet es etwa komisch an, dass eine Buddhistin sich ÜBERHAUPT mit Weihnachten befasst? Mag so sein, ist mir egal. Ich bin ja in vielerlei Hinsicht für keine Schublade geeignet.
Ich bin sehr froh, dass meine Eltern es für eine gute Idee empfunden haben, Heimweh und Umgewöhnung durch materielle Güter zu kompensieren. Ihre Meinung haben sie dann aber bestimmt mit zunehmendem Alter und Ansprüchen der verwöhnten Gören geändert, aber der Schaden war schon angerichtet: Mein Bruder und ich waren auf den ersten Blick verliebt in Weihnachten!
Ich bin natürlich kein materieller Mensch (nicht mehr), aber als 7jährige, die nur Brocken von Deutsch konnte, anderen den Kakao klaute (Entschuldigung, aber pure Milch oder der Magenumdreher schlechthin: Buttermilch!! ging einfach GAR nicht und da eine Änderung nur alle 2 oder 3 Monate möglich war, musste ich selber schauen, dass ich zu was Gutem kam!), war es ein herber Schlag zu verkraften, dass es am ersten Tag nach den Weihnachtsferien NUR um die Geschenke ging, die die anderen zu Weihnachten bekommen hatten. Da saß ich in einem Sesselkreis und hörte den anderen mit glühenden Ohren und Augen, so groß wie die Sehnsucht in meinem Herzen nach dieser Barbie von der gerade die Rede war, zu und konnte nicht fassen, was ich da erfuhr. Geschenke! Richtige Geschenke! Nicht etwa das obligate Blümchenkleid, das Mädchen in Sri Lanka bekam, wenn man Geburtstag hatte oder es Neujahr war.
Ich gebe aber an diese Stelle etwas zu… Mein Bruder und ich waren wohl zwei der wenigen Kinder in Sri Lanka, die viele Geschenke bekamen, das war der einzige Vorteil an der Tatsache, dass wir unseren Vater nur für wenige Monate im Jahr zu sehen bekamen, Sommer in Österreich, Winter in Sri Lanka und das 6 Jahre lang. Resultat: Kofferweise Vaterliebe in Form von Puppen und Spielzeug (aber halt nie eine Barbie).

Unser 1. Weihnachten muss schön gewesen sein, ich kann es nicht genau sagen, mein Gedächtnis spielt mir da einen Streich. Ich kann mich erinnern, dass mein Vater beim 1.Christbaum vor lauter Übermut diesen schon vier Wochen zu früh gekauft hatte und wir beobachteten am Weihnachtsabend, wie mehr Nadeln um den Baum als am Baum waren und fein die bunt eingepackten Geschenke bedeckten.
Oder als er den Versuch startete Christkindl zu spielen! Es dauerte an diesem Abend wohl eine Weile bis mein Bruder und ich, ich glaube wir waren da 9 und 8, bemerkten, dass Papa nicht aufzufinden war und der Baum überraschend leer untenrum war. Meine Mutter konnte unsere Fragerei nicht beanworten, so schwer beschäftigt war sie damit zu kochen. Bestimmt hatten wir die Horrorvorstellung, dass unsere buddhistischen Eltern sich ihrer Religion bewusst wurden und beschlossen, dass mit diesen Albernheiten für alle Mal Schluss sei, aber der Christbaum passte nicht so recht in unsere Theorie. Wir waren noch keine guten Knickerbocker, der Fall ließ sich nicht lösen, Papa blieb verschwunden.
Mama deckte unterdes den Tisch und ließ uns völlig links liegen. Da klingelte es an der Tür, aber keiner ging hin. Also Mama nicht und wir schon gar nicht. Da klingelte es wohl noch mal. Wir hörten Mama was sagen und die Tür öffnen, da rief sie uns dann zu sich, es sei für uns. Für uns?!
Wir liefen zur Tür und Mama machte uns Platz, damit wir einen vollen Blick auf einen prächtigen Stapel Geschenke werfen konnten! Hinter dem Stapel stand Papa! Wir haben ihn gefunden! Vom Gefühl her kann ich heute sagen, dass mein Bruder und ich uns mächtig freuten, natürlich auch über unseren Vater!
Unsere Eltern wusste immer, wie sie uns eine Freude machen konnten, aber wo sie wirklich am Holzweg waren, war bei ihrer Logik, dass mich EIN Buch (!) schon über die ganzen Ferien hinweg beschäftigen wird. Es hatte 300 Seiten und war nach 5 Stunden ausgelesen. Meine Mutter vermutete immer, dass ich nur jede dritte Seite las. Typisch Erwachsene eben, keine Ahnung von der spannenden Handlung bei “Hanni und Nanni“. (Ich wünschte mir damals immer insgeheim, meine Eltern würden mich in ein Internat stecken, damit ich endlich einen Mitternachtsschmaus mit Pastete essen konnte, aber leider…)

Hanni und Nanni” mussten recht bald “Caught in the Act” Platz machen (wem das nichts sagt: 1.) schämt Euch!, 2.) das ist eine Boyband). Mein einziger Wunsch war das neue Album, nichts weiter, nur diese Scheibe Plastik. Was bekam ich? Ein Brettspiel, das wir schon hatten. Ich bin überzeugt, ich schaute meine Eltern gar nicht erst an sondern schmiss das blöde Teil ins Eck und faltete, um meinen Ärger zu verstecken, das Geschenkspapier fein säuberlich für das nächste Mal zusammen. Kurz vorm Schlafengehen fragte mich meine Mutter, ob ich das Spiel denn nicht mal ausprobieren wolle. Ich quittierte ihr diese Frage mit einem “das haben wir schon!!”
“Aber du kannst ja mal reinschauen” sagte sie drauf und ging weg.
Ich schaute halt hinein.
Da lag es… mein 1. Caught in the Act Album!! Halleluja!booklet_4-12.indd
Armer Kasun, er hätte sich sicher gewünscht, ich hätte das Spiel nicht geöffnet, denn nun kriegte er kein Auge mehr zu, weil ich mit meinem Discman und den Stöpsel in den Ohren die ganze Nacht im Bett dazusang anstatt zu schlafen.
Man musste mir den Discman gewaltsam entreißen, damit mein armer Bruder Schlaf bekam. Ich glaube in dieser Nacht schmiedete er den Plan, mir meine Tonträger zu verstecken, weil ihm die Ohren von meinem Singsang bluteten. Es sei eine Warnung: Man legt sich a) nicht mit der großen Schwester an und b) nicht mit der großen Schwester, die schwer verknallt in Lee Baxter war!

Wenn ich so zurückschwelge, begreife ich, dass Weihnachten nicht mehr den Zauber hat, wie früher. Wir haben mit dem Christbaum aufgehört, es gibt zwar noch immer Geschenke, die mit viel Liebe und Überlegung ausgewählt werden, aber die Beigeisterung, wie über ein Sammelband “Hanni und Nanni”, den ersten Discman mit Anti-shake oder der 1.CD (wobei das bei mir ein Album von Janet Jackson war) stellte sich nicht mehr ein. Dafür begann ich mir mehr Gedanken über ein gutes und feines Dinner zu machen, so gab es schon mal Seeteufel oder Roastbeef eigens von mir zubereitet.
Was seinen Zauber nicht verloren hat: VANILLEKIPFERL! Was für eine feine Erfindung. Ich liebe sie und danke allen meinen Bäckerinnen für die regelmäßige Belieferung!

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Danke liebste Andi für diese wundervollen Kipferl!!

Ich schenke noch immer sehr gern. Aber ich gehe lieber online einkaufen. Ich weiß, ich tu damit dem Handel keinen Gefallen, aber meinen Nerven und Füßen. Ganz zu schweigen davon, dass ich die Gefahr umgehe in dem ganzen Trubel meine Habseligkeiten zu verlieren. Denn, wie ich schon mal erwähnt hatte, ich kann nicht mehr als an 3 Dinge denken, deswegen trage ich meine Handtasche IMMER umgehängt, aber alles was ich in der Hand halte, läuft Gefahr irgendwo liegen gelassen zu werden. christmas-shopping

Der heutige Ausflug war aus vielerlei Gründen also gut geplant. Erst die Schuhe für Papa, dann Essen im Il Mare (angeblich einer der besten italienischen Restaurants Wien, mein Testgereicht “Spaghetti Carbonara” war ok, aber das Publikum war mir zu anstrengend: Menschen, die über ALLES besser Bescheid wissen und den Pizzaiolo beim Arbeiten laut kommentieren. Aber zumindest tranken sie den passenden Wein: 1/8 Primitivo), dann schnell 2 Strampler für das Neugeborene unseres Cousins (einer von, erm, 36) und zum Abschluss, sozusagen als Belohnung, zum Thalia. Riesen-Monster- Mammut- Fehler!
Bücher haben zwar eine besänftigende Wirkung auf mich, aber nicht zur Weihnachtszeit. Leider. Ich schnappte mir also den neusten Roman von Jo Nesbo und zwei weitere, getüpfeltes Geschenkspapier und machte mich auf mal wieder an der falschen Schlange anzustehen.

Meine Weihnachtseinkäufe sind hiermit abgeschlossen, all jene, die ich vergessen habe, bekommen einen fetten Schmatz.
Wie eine Freundin heute erwähnte “Weihnachten kommt halt immer unerwartet” Ja so scheint es mir auch. Aber ich könnte mich auch selbst an der Nase nehmen nicht wahr. Die Briefmarken für meine alljährigen Karten hätte ich auch im November kaufen können, vor allem weil es nicht viel gebracht hat auf Dezember zu warten, sie sind schlichtweg langweilig und auch habe ich dieses Jahr nicht für nächstes Jahr vorgehamstert… wäre ja nur der halbe Spaß logisch zu denken.
AUChristmas-webSomit wünsche ich Euch eine Frohe Zeit, schlagt euch den Bauch voll mit so vielen Vanillekipferl wie es nur geht, trinkt Glühwein und seid lieb zueinaner. Aber das bitte das ganze Jahr über!

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Quellen:
CITA: http://t1p.de/tcaq
Christmas  http://t1p.de/vff5
Shopping http://t1p.de/eu9y
1st Christmas: http://t1p.de/27dt

Jolly: http://t1p.de/wikk
Kugel: http://t1p.de/kckh

I am from Austria

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Es ist der 26.10, unser Nationalfeiertag.

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Ich sage “unser”, weil ich echt froh bin, dass mein Vater in seiner Müdigkeit (er behauptet es wäre die Müdigkeit gewesen, wir wissen es nicht so genau, es war schließlich irgendwann Ende der Siebziger) seine angepeilte Destination verpasst hat und stattdessen im beschaulichen Velden am Wörthersee gelandet ist. Nicht etwa Wien, wo ja beinahe jeder Ausländer beschließt zu bleiben. Ich kann das ja auch verstehen, da kommt man in ein nicht so großes Land in Europa, welches jeder mit Australien verwechselt und diesbezüglich völlig unbelehrbar bleibt, da will Einwanderer nicht auch noch in einem zehntausend Seelen Ort leben, der außer einem Österreicher überhaupt kein Begriff ist!

Als Jugendliche wäre es mir zugeben aber lieber gewesen, wir wären in der Metropole aufgewachsen, denn Velden konnte damals nicht wirklich begeistern. Abgesehen mit dem See. Wir hatten aber bitte schön ein Kino, Himmel sei Dank dafür! Aber das gibt es mittlerweile auch nicht mehr.
Aber das schlimmste: der Wiedererkennungswert! Wir waren die bunten Hunde in Velden. Papa hatte die Veldener schon mal auf den Farbenschock gut vorbereitet!

Als wir 1989 nach Österreich kamen, steckte ich in meiner ersten langen Hose und war fasziniert wie genial Hose doch ist, das war der Beginn meines Weges eine stetige Enttäuschung für meine Mutter darzustellen! In Sekundenschnelle war ich zur Westlerin geworden und das bevor ich noch einen Fuß nach Europa gesetzt hatte!
Es war Winter und kurz vor Weihnachten, als wir in Velden ankamen und aus dem Autofenster zum ersten Mal Bekanntschaft mit dem Phänomen “Schnee” machten. Mein Bruder und ich waren überwältigt und baff. Bestimmt hatte unser Papa uns schon davon erzählt, aber das dann ALLES weiß ist und glitzert, das hatte er vergessen zu erwähnen!

Unsere ersten Nächte  bis die neue Wohnung so weit war, verbrachten wir im Seeschlössl. Die wunderbarste erste Unterkunft, die ich mir vorstellen kann! Im Foyer stand ein wunderschöner Flügel und unser Zimmer war riesig, dessen Fenster zeigten uns den Wörthersee, ganz still und frostig.
Es ist beeindruckend, wie frisch und fühlbar meine Erinnerungen an unseren ersten Tage sind.
Mein Bruder und ich trugen unsere ersten Pullover: Mickey und Minnie Mouse.
Wir machten am nächsten Tag gleich einen Spaziergang zum See. Meine Mutter sah prächtig aus in einem langen braunen Ledermantel, wie sie da mit uns zum See ging.

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Daweil machte Papa das erste (und auch das letzte) Frühstück für uns: Spiegelei mit warmer Milch! Seit dem liebe ich den Duft nach warmer Milch. Das ist für mich Heimeligkeit.
Ich war sechs, bald sieben Jahre und bereits verliebt in Österreich!

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Die Freunde meines Vaters nahmen uns sofort sehr herzlich auf und ich hatte nie Heimweh! Wir wurden überschüttet mit Spielzeug und Büchern. Wir waren im Schlaraffenland!
Die schönsten davon: eine rothaarige Puppe und ein Bär in Tracht (der erste Schritt in Richtung Integration)!
Das erste Buch: ein Bilderbuch, zum Deutschlernen.

Wir waren zwar die einzigen unserer Art, die wie wandelnde Schokoriegel gewirkt haben müssen, aber ich kam mir nie fremd vor.
Fremdenhass war mir lange lange Zeit ein Fremdwort (was für ein Wortspiel!). Ich war farbenblind. Das bin ich noch, das werde ich nie verlieren. Ich sage nur: Je bunter desto doller!

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Wie ich viel später heraus fand, gab es auch andere bunte Mitbewohner in Velden. Nämlich eine Freundin, wie sie sich selbst nennt eine “halbe Garnele”, meine liebe Simoné!

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Ich bin Österreicherin, wenn es um all die wundervollen Dinge geht, die dieses Land zu bieten hat. In allem anderen, das mir gegen den Strich geht, bleibe ich Kosmopolitin.

In meinem Leben ist alles Wunderbare fast immer ein Unfall, ein Zufall oder Überfall gewesen. Der Umzug nach Österreich war ein Überfall, meine Einschulung ein Unfall, denn ich lag mit Windpocken im Bett und verpasste die ersten Schultage! Na super, die bunte Mitschülerin platzt sieben Tage später in die Klasse und trug auch noch mit vollem Selbstbewusstsein ihre wunderhübsche Schultüte im Arm! Ich war eine Lachnummer.

Mein Gymnasiumseintritt war ein Zufall. Meine lieben Eltern hatten sämtliche Anmeldefristen verschlafen und sie waren eingeschüchtert von der Empfehlung meiner Lehrerin, mich wegen meiner zwei Zweien (Deutsch und schändlicherweise Mathe) in die Hauptschule zu tun. Hallo? Ich war vier Jahre in Österreich, da könnte man auch mit einer wesentlichen schlechteren Note in Deutsch abschließen!
Meine Eltern sind überzogen ehrgeizig also meldeten sie mich, ohne mich zu fragen, im BRG VIKTRING an. Im Musikzweig. Ich hatte zwei Wochen ein Lied für die Aufnahmeprüfung zu lernen, ich entschied mich für “Alle Vöglein sind schon da”.
Mir war es egal, wo ich weiter Schule ging also nahm ich die Aufnahmeprüfung auf die leichte Schulter.
Erst Jahre später war mir klar, was an diesem Vormittag passiert ist: Singen vor dem Direktor, während er absichtlich falsch am Klavier klimperte und mich durchgehend streng ansah. Es wurden nicht viele Worte gewechselt, lediglich der Kommentar abgegeben, dass eine Elektroorgel nicht ausreichend sei. Ich war aufgenommen!

Österreich hat eine reiche Kultur und wie schade wäre es gewesen, wenn ich dem nichts hätte abgewinnen können. Ich lernte Mozart, Schubert, Strauß, etc lieben (ich hatte hingenommen, dass ich nicht musikalisch und das Klavierspielen die reinste Folter für mich war) und wurde noch mehr zur Leseratte (Köhlmeier Sunrise, Hackl Abschied von Sidonie, Zweig Schachnovelle, Torberg Der Schüler Gerber, Horvath Jugend ohne Gott, Schneider Schlafes Bruder, etc etc).

Ich bekam auch Einblick in den Katholizismus, aber auch nur deswegen weil mein Vater darauf bestand, dass ich am Religionsunterricht teilnahm.
In der Volksschule wurde der Unterricht vom Dorfpfarrer abgehalten und dem war ich immer zu frech und ich erfuhr, nach Schlägen auf die Finger mit dem Lineal in meiner Klosterschule in Sri Lanka, die nächste “körperliche Züchtigung”: Er zog mich am Ohr!
Im Gymnasium ging ich dem nächsten Religionslehrer auf die Nerven, bis er mich anbettelte ich möge doch, so wie die anderen, mich vom Reli-Unterricht frei melden. Warum sollte ich? Ich fand die Bibel zum schreien!
Ein berühmter Spruch unseres Lehrers: “Lippen auf Lippen”  mit dem Zusatz “aber BITTE auf die eigenen” als wir pubertierenden Mädchen laut zum quietschen anfingen!

In Österreich zu leben bedeutet für mich jeden Tag bewußt oder unbewusst immer zwischen dem srilankan und österreichischen Teil in mir abzuwägen. Ich habe für mich die Metapher “zwischen zwei Stühlen sitzen” daher so interpretiert: Ich seh darin einen Vorteil, mal auf dem einen und mal auf dem anderen Stuhl zu sitzen und so von beiden Kulturen das Beste zu genießen. Es ist nicht immer einfach bei zwei so divergenten Kulturen, viele Dinge stehen einfach im krassen Gegenteil zueinander. Ich bin aber froh, dass unsere Eltern auf eine doppelsprachige Erziehung bestanden, so können wir noch immer Sinhala und lernten schneller Deutsch: mit Mama Sinhala, mit Papa Deutsch.
Wir beteten jeden Tag und feierten das srilankan Neujahr. Genauso wie wir aus dem 24.12 ein Familienfest machten (lange Zeit sogar mit Christbaum)

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Schon als Zehnjährige ging es mir nicht in den Kopf, wie man AUSTRIA und AUSTRALIA verwechseln kann!
Wie oft hab ich mich erklären müssen, sogar schon buchstabiert und dutzende Male die Hauptstadt VIENNA wiederholt, aber es ging den Menschen nicht ein. Warum sollte man etwas anderes als Australien kennen?
Während der Olympia in Australien haben mich mehrere Leute aus Sri Lanka gefragt, ob ich auch dabei bin. Ich war erst so verwirrt, dass ich überlegen musste, ob ich gar die Olympia in Österreich verpasse.

Die Herkunft des Wortes Austria stammt wohl aus dem Altgermanischen “austar” bzw es wird auch diskutiert, dass Austria die lateinische Übersetzung des germanischen Ostarrîchi. Welches wiederum auf die keltischen Bezeichnung Norig zurückgeführt werden kann.
Wo auch immer die Ursprünge liegen, die Ähnlichkeit mit Australien, terra australis, ist leider ein bedauerlicher Zufall.

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Die aktuellste Erinnerung ist aus Korea als mich unser Guide fragte, “ah that’s where you don’t have Kangaroos!”
Etwas planlos hat sie geschaut, als ich völlig nüchtern meinte “yes we have them, but only in the zoo”

Auf Postkarten gehe ich ob der geographischen Ignoranz vieler Länder auf Nummer sicher und schreibe in großen (und für meine Verhältnisse erstaunlich lesbaren) Lettern EUROPE dazu.

Ein anderer Unterschied? Abgesehen von den fehlenden Kangaroos. Wir haben kein Meer. ABER wir haben ein Meer an Seen und ein Meer an Bergen.
Ich war leider noch nicht in Australien, aber ich weiß ja trotzdem wo es liegt. Weil es, für alle Unwissenden, ein eigener Kontinent ist!
Wir hingegen sind ein kleines Land, eingebettet in einem Kontinent. Wir waren mal ein Großreich, davon ist eine reiche Geschichte geblieben (mit den notwendigen faulen Stellen).

Dem nächsten, dem als einzige Assoziationen mit Österreich Hitler und Fritzl oder gar “The Sound of Music” einfällt, trete ich gegen das Schienbein!
Wenn, dann bitte Mozart, Klimt, Freud, Strauß, dass Neujahrskonzert, der Life Ball, André Heller, Stermann und Grissemann, Donauinselfest, Schnitzler (nicht das Schnitzel), Bertha von Suttner (die erste Frau, die mit dem Friedens-Nobelpreis ausgezeichnet wurde, 1905). Ich könnte ewig so weiter machen!

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Ich will ja gar nicht erst vom tollen Essen reden, das es hier gibt.
Meine Mutter kann nach jahrelangem Training, beinahe alle Klassiker der österreichischen Küche. Um ehrlich zu sein, war sie dazu gezwungen, weil mein Bruder und ich in den Curry-Streik traten. Wir konnten nicht jeden Tag zweimal Curry essen. Also kochte unsere Mutter aufopfernd immer doppelt, Curry für sich und Papa und was anderes für uns. Das hatte aber zur Folge, dass wir oft mehrere Male hintereinander Schnitzel oder Käsnudel aufgetischt bekamen, bis sie es perfektioniert hatte und wir für Jahre kein Schnitzel mehr sehen konnten. Es gab auch auch so Widerliches wie Polenta (habe ich erst vor paar Jahren wieder probiert und mich damit anfreunden können). Meine Mutter kochte ALLES!
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Reindling, Apfelstrudel, Buchteln, Kaiserschmarren, Palatschinken, Nockerl, Sachertorte, einfach alles.

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Ihre Kochbücher waren ein abgewetztes Lehrbuch, dem schon paar Seiten fehlten, aus dem Haushaltsunterricht anno 1970 und ein kleines schwarzes Büchlein mit österreichischen Gerichten.

Ich selbst bin Profi im Kaiserschmarren-machen. Abgesehen davon bin ich Expertin im Essen!

Zum Schluss erst die Dinge, die ich gar nicht leiden kann und sich jeder – wirklich jeder – die Zeit sparen darf mich eines anderen zu überzeugen:
* Skifahren (probiert, ist nix für mich, ich nehme nur die Hüttengaudi)
* Fasching (Verkleiden ist Verstecken für Leute, die nicht zu ihrer verrückten Seite stehen. Ich steh zu meinem fein ausgeprägten Wahnsinn. Aber auch hier: dir Krapfen könnt ihr mir ruhig lassen)
* Perchten (einfach nur grauenhaft!)
* Schlager (fast noch graurnhafter als die Perchten!)

Quellen:
Österreich http://www.presse.com
Verkehrsschild http://steiermark.orf.at
Bunny und Fisch http://www.grusskartenkaufen.de
Schild http://www.interluxe.de
Strudel http://www.grasslreith.at

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Die Qual des Verzichtens oder “Ein Abend mit Klimt” 🎨

Verzicht ist in etwa so schwierig für mich wie dreistellige Multiplikationen im Kopf meine Nervenendigungen in eine Katatonie bringen, schwer zu ertragen! Aber ich wäre ja kein Buddhist wenn ich mich nicht in jedem Moment meines Daseins darin üben würde! Diesmal bedeutet Verzicht, dass ich nicht alle Museen Wiens in einem Abend unter den Hut bringen würde, die Größe meines Zeit-Huts entspricht etwa der eines Faszinators (die fashionistas unter euch wissen, wovon ich rede). Also muss ich eine Vorwahl treffen.

Ich verbrachte die LANGE NACHT DER MUSEEN schon in Graz und Klagenfurt, letzteres ist ja ein gemütlicher Bummelgang im Vergleich zu dem, was mir in Wien bevorsteht, es scheitert hier allein schon daran, dass nicht alles zu Fuß zu machen ist (und warum sollte ich auch schwitzen wollen?!). Also wohin gehe ich heute? Eine Freundin lachte mir schon herzlich ins Gesicht, als ich ihr meine Illusionen (auch darin zeigt sich mein schir endloses Talent. Ich hätte Magierin werden sollen, so gut, wie ich mich in die Tasche lügen kann) offenlegte. Mit einem leicht bedauernnden Blick neigte sie den Kopf und sagte “du warst noch nie in Wien zur langen Nacht, gell?” Nein, ich komm aus dem Schoß der Gemütlichkeit und ich steh dazu!

Auf was ich mich da wohl einlasse? Etwa Massenansammlungen, Gedrängel und gar übermütige Eltern, die ihren Fratzen Kultur einprügeln wollen?? (lasst es euch gesagt sein, ihr erzieht euch so NUR Langzeit-Kultur und (als Nebenwirkung) Familienaktions-Verweigerer)
Egal, ich hab den Oxford Circus zu Rush Hour überlebt, dann wird das ja wohl in Wien in einem Museum nicht das Problem werden!
Meine Auswahl (ohne Gewähr): Obere Belvedere, Klimt Villa, Ärzte Ohne Grenzen “Hilfe aus nächster Nähe” Globenmuseum, Narrenturm, Leopold Museum
6 aus 122 Museen, nicht gerade der Marathon unter den Museumsläufen.
17:50 Belvedere und wen hätte es gewundert außer Diyani? Eine Schlange… image Ich wusste grob, dass Klimts Werke hier hängen, ein Glück für mein ungeduldiges Herz (Roman von Stefan Zweig), dass ich nicht so gut informiert war, dass auch “Der Kuss” ausgestellt wird. image So wie immer, wenn ich mich in mitten von einer Horde Menschen befinde, bekomme ich Fluchtgefühle, so auch hier. Ja, die Frage ist berechtigt, warum ich mir dann genau heute das antue. Ich kann nur sagen “who knows?” Wann immer ich vor einem Gemälde stehe, packt mich die Angst, ich könnte jeden Moment angerempelt, mir auf den Fuß getreten werden oder ich muss mich dem neunmalklugen Geschwaffel der Kunstkenner hingeben. So seh ich mich gehetzt von der fiktiven Masse, denn es war noch nicht so viel los, von einem zum anderen Gemälde laufen. Inne hielt ich bei Monets ” Weg in Monets Garten in Giverny”, der Mann konnte nicht nur malen, er hatte auch noch einen hängenden Garten, der einen in seine blumigen Tiefen zog (am Ende kam man sicher mit Blumenkette im Haar und Tambourin heraus!) Ja und zum Schluss….

Der Kuss

image Ich glaube nicht, dass ich viel dazu sagen muss. Für mich ist es das erste Mal, dass ich das Werk in echt sehe, sieben Jahre hing es als Poster in meinem Studentenzimmer. Damals war ich schon glücklich über das Geschenk, aber das echte vor sich zu wissen, das Gold funkeln zu sehen, ich war regelrecht mitgenommen. Wieviele Millionen muss ich da nochmal jede Woche zur Seite legen um es mir zu kaufen? Eher hab ich Chancen, wenn ich einen gewifften Kunstdieb finde.

Um etwas runter zu kommen, gehe ich in den Resselpark, wo “Ärzte Ohne Grenzen” eine Info-Veranstaltung abhält. Ich fühle mich da mehr als nur in der Realität angekommen. Es ist ein Faustschlag in die Magengegend. Ich bin hier, während ich da draußen mit meinen Fähigkeiten Menschen helfen könnte. Gut, ich bin keine Chirurgin. Aber der alte auf Eis gelegte Wunsch beginnt wieder aufzutauen. Da ich mich ja wieder mal vor einer Veränderung sehe, die nicht weg-illusioniert werden kann, wird mir heute wieder klar, dass ich Nägel mit Köpfen machen muss.

Nun, zurück zur langen Nacht, Weiter geht es in die Klimt Villa. Dafür muss ich eine lange Fahrt mit der U4 in Kauf nehmen, aber so bleibt mir auch viel Zeit zum schreiben und sinnieren. image Die Villa liegt im chicen Stadtteil Hietzing in einer eher wenig ansehnlichen Straße. Hier hätte ich, rein theoretisch, einen Blick in das Leben und Schaffen von Klimt werfen können. Tatsächlich hätte ich mich dafür aber auf die Schultern einer der hundert anderen Besucher stellen müssen (ich war zu klein, schon erwähnt?!) So “tschuldigung”te ich mich durch die Massen und lande dann bei zwei atemberaubend schönen Gemälden. Bei dem einen muss die Vielzahl der weiblichen Köpfe, einen Besucher dazu bewegt haben, diese laut zu zählen. Ihm ist im Raum danach bestimmt der Mund offen geblieben bei den Ansichten von Skizzen mastubierender Frauen! Das andere Werk war dieses hier…. image
Es ist doch schlichtweg hinreißend nicht? Die Farben,ihr Hals, das Gewand, das ihr über die Schulter gerutscht ist. Continue reading

Zu verlieren

Die letzten Wochen seit meiner Rückkehr habe ich viel über meinen Plan mich in Korea zu verlieren nachgedacht. Das war nicht die ursprüngliche Idee, die war einfach: ich musste weg, bevor mir die Decke endgültig über dem Kopf kollabierte.
Das mit dem verlieren war die Herausforderung an meinen inneren Sicherheitsmechanismus. Das zu tun, was ich und auch viele andere mir nicht zugetraut haben.
Ein Land zu bereisen, in dem ich vom ersten Moment an verloren war.

Ich wusste nicht, dass es eine philosophische Notwendigkeit darstellt, sich zu verlieren um sich zu finden, um loslassen. Sowohl das mentale verlieren als auch das geografische sich verlieren, was das erstere sehr einfach macht.

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Das Gefühl ist doch ein scheußliches. Als ob ich ertrinke, obwohl ich schwimmen kann.
“zu verlieren” bedeutet(e) für mich zu versagen, dass jemand anders gewonnen hat, dass ich den kürzeren gezogen habe, dass es weh tut und Narben hinterlässt.

Meine Intuition war also ein Bedürfnis, das in uns allen schlummert? Die, die nicht verloren sind, und sich nicht verlieren, werden sich nie finden? Oder haben sie sich schon gefunden?

Definitiv bin ich schon länger verloren, weniger geografisch als innerlich. Dieser neue Aspekt oder Blickadaptierung ist daher eine Wohltat. Die Grenzenlosigkeit des Verlorenseins ist jetzt weniger beängstigend im Sinne von, ich werde mich völlig verlaufen, als dass es eben der Weg zum Ziel ist.
Die geographische Komponente machte es mir nur noch bewusster und es war mein einziger Weg. Ich war da um verloren zu sein ohne ängstlich deswegen zu werden.
Ich hab mich nicht verloren im Sinne von einem völligen Verlust meiner Ziele, meiner Vorstellung vom Leben und vor allem von der Vorstellung von MIR. Diese ist jetzt noch klarer als vorher.

Rebecca Soldin beschreibt das in ihrem Buch “A Field Guide to Getting Lost” als die Tür ins Dunkle.
Die Suche nach all dem, was ich will, ist die Suche nach dem Unbekannten, dem, von dem ich zwar glaube, dass ich es genau benennen kann, aber wenn ich länger darüber brüte, begreife, dass es dennoch irgendwie unklar für mich bleibt.
Nehmen wir eine der berühmtesten Dinge, wonach der Mensch sucht, die Liebe.
(ich möchte lieber nicht über die Suche nach dem Sinn des Lebens diskutieren, daran ist ja bisher jeder inklusive Douglas Adams gescheitert bzw hat nur einmal wieder bestätigt, je länger wir danach suchen desto abstrakter wird die Frage und umso unlogischer wird die Antwort. 42)
Wenn wir nicht gerade soziopathische Misanthropen sind, sind wir doch alle von Liebe umgeben. Dennoch suchen wir, und hier wohl eher die Frauen als die Männer – wage ich zu behaupteten, man(n) möge mich bitte korrigieren – nach der GROßEN Liebe, die, die alle anderen in den Schatten stellt und vielleicht sogar obsolet macht. Die Liebe, die alles wieder gut machen soll, das viele Suchen rechtfertigen und das größte Verständnis für alle meine Spinnereien aufbringen wird. Das alles soll die romantische Liebe tun und nicht daran zerbrechen, dass es, wenn ich ehrlich mit mir bin, unmöglich ist.
Ich versuche also mich von der Idee der Großen und Wahren Liebe, welche natürlich in der Form eines Mannes daher kommt, der schöner und toller ist als ich es mir vorstellen kann, zu trennen. Es gelingt mir gar nicht schlecht.
Denn während ich verloren war und mein Alleinsein betrauerte, knüpfte ich neue Beziehungen und zog die bereits geknüpften Beziehungs-Knoten (diesmal ist Knoten durchwegs positiv zu verstehen) noch enger.
Ich dachte, ich sei von Gott (metaphorisch gemeint) und der Welt verlassen, aber ich habe nur die romantische Liebe verloren, noch dazu eh eine, auf die kein Verlass war. Wie schade ist es, sich über etwas derart einseitiges zu definieren, aber es geht so schnell und schon schwimmt man in dem Strom derer, die einen am Beziehungsstatus festnageln.

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Ich habe etwas verloren, das, wie ein Sprichwort so schön sagt, nicht Wert war behalten zu werden.
Ich bin getäuscht worden und wohl hab ich mich selbst wunderbar in die Tasche gelogen, deswegen gefällt mir dieses Zitat von Marion Brasch so gut, es trifft genau auf den wunden Punkt. Aber nun bin ich

ent-täuscht

– endlich.

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👠 Hallux Valgus Krise

Es hat wohl nicht viel mit Reisen an sich zu tun, aber wenn wir das berühmte Spiel “vom hunderste ins tausende kommen” spielen, so hat es was mit dem Rucksack zu tun, den ich trage und derzeit mit der Erkenntnis erschwert wird, dass ich mir ernsthaft überlegen sollte meine high heels wegzustellen. Wie das? Gestern war party night und die gesellschaftlichen Anforderungen an eine junge Frau zwangen auch mich meine Füße in Hacken zu zwicken statt eine standhaft Haltung in Ballerina durchzusetzen! Abgesehen davon, dass zu meiner Kleiderwahl Birkenstock einfach nicht gepasst hätten! image

Es hat aber auch einen überlebensrelevanten Grund mich für die Enge als für die Zehenfreiheit zu entscheiden: ich bin einfach zu klein für diese Welt! Nochdazu beim Fortgehen, da sind die ohnehin schon großen Frauen baumhoch, so dass ich in flachen Schuhen ausseh, als ob ich der einzige Strauch unter Tannenbäumen wäre!

Der Kompromiss, den ich gestern zugunsten meines Komfort einging, war der, dass ich mich für die Oma-Variante.

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(giphy.com)

unter den high heels entschieden habe, die im Vergleich zu dem anderen Schuhwerk, welches sich auf der Tanzfläche im Volksgarten tummelte, dennoch abstinken mussten. Aber ganz ehrlich, damit ich auf zwölf cm Bleistiftabsatz mit fünf cm Plateau auch nur stehen kann, bräuchte ich Krückstöcke! Ganz zu schweigen davon, dass ich ständig meinen Mittelpunkt verlieren würde und das ganz ohne Alkohol. image

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effect of high heels

Irgendwo hat auch die Eitelkeit seine sicheren Grenzen, völlig uneitel und in Sorge um meine Halluces verzichte ich, auch aufgrund meiner sehr stark ausgeprägten Fallangst (nicht zwingend verbunden mit Höhenangst, nicht bei mir zumindest), auf die Möglichkeit einmal eine Menschenmenge überschauen zu können. Wenn ich schon falle, dann lieber wegen ein oder zwei Gläsern zu viel des Weins. Wie hoch der Absatz gestern war? 7.5 cm. mit bissl Plateau. Wie lang ich durchgehalten habe? Neun Stunden, davon vier im Stehen. image Wie machen das die anderen Frauen? Bin ich denn so eine Mimose oder haben die alle Hornhaut wie Zement an den Füßen? Es könnte auch daran liegen, dass ich einfach zu alt bin bzw zu spät angefangen habe meine Füße zu quälen und jetzt sind sie bereit für den Widerstand und quittieren mir meine Verrücktheit ihnen diese Marter angetan zu haben, mit Schwellungen! Ganz zu schweigen von meinen Großzehen, die die Tage nach meiner Eitelkeit in eine sehr chice Orthese geschnallt werden müssen um wieder schmerzfrei zu sein. image

Ich habe mir überlegt, wieviele Optionen mir offen stehen um mir diese Tortur zu ersparen. a.) nie wieder Hacken, dafür aber mich einfach daran zu gewöhnen hie und da mich auf die Zehenspitzen zu stellen um mich mit andren zu unterhalten (flirt-technisch bestimmt auch eine gute Taktik!) b.) nie wieder chic auszugehen um ja nicht das Dilemma zu erfahren etwas anderes als sneaker und Stiefel tragen zu müssen. Und die mir liebste Option: c.)beim Ausgehen zu 90% der Zeit zu sitzen und meine zarten Füße so zu positionieren, dass man zumindest sieht, was ich für Schmuckstücke anhabe. Es gibt aber auch die Option der “walk home shoes”, nur dass ich aus ihnen “put on at the party and keep them on shoes” machen würde. Komsumwahn, Leidenschaft, Materialismus, was auch immer es für vielseitige Begriffe für die Unnotwendigkeit von mehr zwei Paar Schuhen gibt, ich liebe meine Schmuckstücke, hier die aller schönsten (wobei das genialste und höchste Paar leider fehlt): image image

(Tipps für das unpeinliche Laufen in Heels: walking in heels )

(photo with quote by styleshoe)