Zerrissenheit

„Das kann nicht funktionieren“, so lautet das Mantra, das andere mir auf den Weg mitgaben. „Hast du dir das überhaupt durch den Kopf gehen lassen“ (mir gehen nur dumme Dinge durch den Kopf, alles andere entscheidet mein Bauch – übernimmt dafür logischerweise keine Verantwortung), war der zweifelnde Appel an meine geistige Gesundheit. Um welche Lebensfrage, Scheideweg oder Entscheidung es sich auch handeln mochte, das war den Kritikern (allesamt ungefragt und mehr durch ihre Selbstüberschätzung motiviert) egal – waren ja auch wechselnde Charaktere.

In srilankischen Familien hat man zu ALLEM eine Meinung: Ob es das erste aus der Reihe tanzende Ohrpiercing war, das mich aus der Liga der „guten“ sirlankischen Töchter katapultierte und meinen Eltern die erste (von vielen) Rügen zu ihren allzu leichten Zügeln in meiner Erziehung einbrachte, oder der erste weiße Freund. Nun, einige Piercings füllten die Zeit zwischen dem 3. Ohrloch und dem ersten weißen Mann (abgesehen davon, dass es nicht der 1. war- aber wollen wir das nicht weiter vertiefen).

Abgesehen von Piercings, kämpfte und kämpfe ich noch immer einen inneren Kampf zwischen dem, was meine kulturelle „hereditäre“ Pflicht an meiner Herkunft und Familie ist und dem „erworbenen“ Geist und Drang nach dem wahren Ichsein. In meiner Kommode verbergen sich so viele Versionen von mir, wie die vielen Skizzen eines Porträtzeichners, bevor er sich an das wirkliche und beständige Bildnis macht, das nachwelt-tauglich ist.

Aber es gefiele mir eher mich als eine Leinwand Picassos zu sehen, die alle Schritte und Launen des kreativen Prozesses in sich verewigte. Mit der Zeit kamen so viele Schichten Farbe und Pinselstriche auf die Leinwand, dass sie die alten Skizzen verschluckten, aber sich doch an ihnen anleiteten ohne die Grenzen zu berücksichtigen. Wenige Momente später kam ein mächtiger Farbhieb und revidierten einen anderen. Das Gemälde war in der Werdung schon so faszinierend, dass das Endresultat mit dem Wissen welcher Weg zurückgelegt wurde, welche Basis es polsterte, noch mehr Bedeutung und Kraft erlangte.

Ich hatte alle diese Ideen von mir, die sich z.B in einer sich während der Jugend permanent verändernden Handschrift niederschlugen. Allein die Ausrichtung des Papiers manipulierte meine Schrift, was mir ein „Befriedigend“ in Schönschreiben einbrachte (und hier schon zeigte sich meine Gespaltenheit: um ein „sehr gut“ zu verdienen, musste ich das Heft halten, wie alle anderen, aber als Linkshänderin bedeutete das mit meinem Handballen das mühsame Werk an noch feuchter Tinte zwangsläufig zu ruinieren. In meiner Gehorsamkeit sabotierte ich mich selbst. Ich konnte dieses „sehr gut“ nie erreichen!)
Mit 14 oder 15 trat meine Deutsch-Professorin an mich heran um zu fragen, wieviele Diyanis an einer Hausaufgabe geschrieben hatten. Auf 2 Seiten fanden sich 4 unterschiedliche Handschriften. (Apropos Deutsch: Das größte Lob war für mich, wenn man meine Deutschkenntnisse mit dem eines „nativ speakers“ verglich, nicht im Kontext meines Migrationshintergrundes, sondern wegen der Begeisterung für diese Sprache)
Wenn man keine Idee von der eigenen Identität hat, sucht man Anleitung bei anderen und sei es nur in einzelnen Buchstaben: dem „G“ meines Vaters, dem „L“ einer schönen Signatur, oder dem „h“ eines Jugendschwarms. Meine Schrift war so sehr Zeugnis meiner Veränderung und meiner Zerrissenheit wie der Versuch zu passen. Einfach zu passen, wo, zu was, zu wem auch immer. Ganz nach dem Motto „was nicht passt, wird passend gemacht!“

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Graz Herbst 2017

Das Passend-machen gab ich aber in den vergangen Jahren auf. Da ich mich nicht entscheiden konnte, wem gegenüber ich passend sein sollte: meiner familiären Verpflichtung, oder der österreichischen Gesellschaft/ Leben. So entschied ich mich für die Fortführung meiner Zerrissenheit. Ich durfte nur nicht ganz aus der Naht gehen. Um den Weg aber vehement zu verfolgen, war ich zu wenig Egoist. Ich lies mich doch noch anstupsen, ausrichten, schaute links und rechts, ob ich wohl nicht allen gleichzeitig und zu fest auf den Fuß trat. Irgendwem stieg ich bestimmt auf die Zehen. Wenn es nach meinen Eltern ging, dann waren es immer ihre Füße, die an die Undankbarkeit meines Trotzes glauben mussten.

Da ich auf dem Weg zu meiner Selbstfindung schon Handschriften imitierte, brauchte ich auch die Reibung mit anderen um mich zu erkennen.
Das Schöne an der Liebe war für mich nie „geliebt zu werden“;ich glaube sogar, dass ich eine Heidenangst davor hatte, dass meine kühnen Sehnsüchte tatsächlich in Erfüllung gehen könnten; sondern die Idee jemanden einfach nur zu lieben. In meiner Jugend lebte ich wohl viele Jahre mit Vorzug in meinem Luftschloss (da war ich die schlanke Idealversion von mir). Ich schwärmte für Menschen in einer völligen Grenzenlosigkeit. Ich war ein Hippie. „Freie Liebe“ interpretierte ich mehr als die Wolkenschwimmzüge, als echte körperliche Nähe, die war mir ein Graus.
Mein erster Freund war ein Versehen. Der erste Kuss somit eine feuchte Katastrophe. So konsumiert von meiner „Tätigkeit“ als „Kummer-Tante“ und „Klassen-Mama“ dachte ich die Frage, „Wie findest du den?“ galt lediglich der Korrektur der Hormon-verklärten Wahrnehmung der anderen und nicht meinem (!!) Gefallen an dem besagten Möchtegern-Rapper in einseitig hoch-gekrempelten Hosen. Schnurrstracks hatte ich einen Freund (so schnell ging das damals). Ich, deren T-Shirts so lang waren, dass sie in die Hose gesteckt eine zweite Unterhose formten, die Haare jahreszeitenunabhängig zu einem Pferdeschwanz gezogen und mit Augenbrauen, die ich beim Herantasten an die Mittellinie beobachtete, den Moment des Pinzette-Einsetzens noch hinauszögernd. Dass ich nicht ausschließlich Sport-BHs trug, verdankte ich einer Freundin meiner Mutter, die mit mir meinen ersten Besuch bei Palmers beschritt. Der erste „westliche“ BH (aka nicht korsettartig einschnürend um die Biologie in dringend notwenige Schranken zu weisen – hat nichts gebracht). Den trug ich strategisch klug, falls dieser erste akzidentielle Freund auf Tuchfüllung gehen und ich vermeiden wollte, dass er vor dem beigen Ungetümen, die ich sonst trug, davon lief. Hätte ich bloß nicht versucht zu gefallen, wäre er freiwillig und eher gegangen.
Nur zu diesem Moment, mit 15, war ich die unemotionalste Version meiner selbst.
Mein erwachsenes Ich, das sich der Liebe wie ein Lemming als Opfer darbietet („nimm mich- ich bin noch nicht oft genug auf die Schnauze gefallen!“), kann sich nur wundern, wo und wann dieser Anteil verloren gegangen ist.
Ich trieb diesen armen Jungen mit den gleichen Handlungen zur Verzweiflung, wie mich später die Männer. Ich meldete mich nie, war kurz angebunden, stellte ihn meinen Freund nicht vor und machte im Pausenraum mit ihm Schluss. Karma, dieses verfluchte Miststück.
Dank dieses Missgeschicks blieb ich doch nicht der einzige ungeküsste Teenager. Nebenbei bemerkt, küssen fand ich nicht so prickelnd. Ganz zu schweigen von meiner Herpes-Phobie. Mich würde man wohl nie wild-knutschend (mit unbekannt) in der Disco antreffen.

Vielleicht war ich nicht zerrissen, sondern widersprüchlich? Jeden Tag akzeptiere ich aufs Neue, dass ich so getrieben, unstet und unzufrieden mit „mir im Moment“ bin. Unzufrieden, dass ich in einem Alltagstrott gefangen bin, unzufrieden meine Leidenschaften nicht mehr zu pflegen, unzufrieden, dass ich meine Eltern nicht/nie zufriedenstellen kann. Unzufrieden, dass ich noch immer nicht begreife, wie die Welt funktioniert; unzufrieden, dass mein Wissen so viele Lücken hat.
Ja, unzufrieden, dass mir die Liebe so schwer fällt.

Ich spüre wieder Unruhe in mir, die mich dazu überreden will, zu laufen, die Zelte abzureißen, wieder auf Einsatz zu gehen, um mich endlich nicht mehr zu spüren. Mich so sehr auf die Basis zu besinnen, zu tun, was ich liebe, worin ich aufgehe ohne an mich zu denken. Das reinigenste war auf Einsatz zu sein. Mein Herz konnte von der Vergangenheit heilen und wurde trotzdem nicht hart gegenüber der Zukunft. Es ging über für die, die gebrochen waren, aber dennoch mutig waren, es ging über für die, die für andere sich selbst aufbrauchten. Ich habe kein Verständnis mehr für Egoisten, für „me first“ und der permanenten Selbstbestätigung durch augenscheinliche Heuchelei. Seifenblasenmenschen, die nur existierten, solange sie nicht in Frage gestellt wurden.

Doch wann lernte ich mich nicht mit allem so zu belasten? Dem Menschen seine Selbstzerstörung zu lassen, so hohl sie mir auch war. Ich wollte so gern meinen Kopf wieder in den Sand stecken und nicht mehr den Schmerz des langsamen Verkommens spüren müssen. Zurück in meinen Teller und den Rand ganz hoch ziehen.

Auf der anderen Seite macht dieser Weltschmerz meine individuelle Sinnkrise, Identitätsverlust, Heimatlosigkeit und Ungebundenheit so bedeutungslos. Lenkt mich vermutlich auch so gut ab, dass mir nie genug Zeit bleibt mich zu bemitleiden.

Um zurück und zu einem Ende zu kommen: Ich wünsche mir mein hin- und hergerissen sein oft weg. Ich würde gerne nicht anders sein, „normal(er)“ sein. Unauffällig. Was paradox ist. Als einzige dunkelhäutige Schülerin bin ich in meiner grauen Wolke mir nie anders vorgekommen. Ich war eine (braun-)graue Maus, die jede freie Minute in der Bibliothek verschwand. Erst jetzt mit dem Alter werde ich mir mehr und mehr meiner Hautfarbe bewusst, weil es der Außenwelt so wichtig ist, einen Unterschied zwischen mir und ihnen auszumachen.

Braucht der Mensch eine kulturelle/ethnische Zugehörigkeit? Mache ich einen Fehler, weil ich diese Grenzen nicht beachte und mich in „gemischt-ethnische“ Verbindungen wage? Kann ich nicht einfach ein Mensch sein, der mit einem anderen Menschen nur deswegen verbunden ist, weil wir einander in unserem Sein faszinieren, aber nicht weil man einem gesellschaftlichen Regelwerk Folge leisten muss um nicht unbequem aufzufallen?

Aber kann ich das Kulturelle, das mir mitgegeben wurde, subtrahieren? Prägt mich die Mentalität meiner Eltern nicht auch und macht das differenzierte Herantasten erst möglich? Hab ich nicht einen Vorzug, da ich mir das Gute aus beiden picken darf um klarer zu sehen, was (für mich) gut ist?
Darf ich das aber von meinem Partner auch erwarten? Darf ich erwarten, nur weil ich ohne Wurzeln in der Gegend rumfliege und meine Disharmonie mit den Eindrücken der Welt fülle, dass er es ebenso tut, dass er sich freimacht von einer Heimat, nur weil ich die nie hatte und jetzt nicht mehr brauche/suche?

Mein Zwiespalt macht mich inkompatibel. Anstatt zu passen, habe ich das anders-sein kultiviert, mit markanten Farben meine Kanten unterstrichen. In mir lebt die Lust an der Veränderung, die Lust an einem echten übervollen Leben, das mehr sein muss, als das nachmalen mit Schablone. Ein Leben, das vor lauter Unruhe im Gemälde aus dem Rahmen fallen will. she-dares.jpg

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Waaas sooo alt!?

Ich habe nicht vor zu jedem Jahr, das aufs Konto vom Sensenmann geht, einen Eintrag zu schreiben. Aber schließlich und unvermeidlich werde ich 35. MITTE 30. Ich gehöre nun offiziell zur “Boa ist die alt”- Gruppe. Da gibt es nur noch wenige markante Unterschiede zu wirklich Alten. Wenn mich nun ein zu wohl-erzogenes Schulkind im Bus sichtet, checkt es schnell die Infografik ab, nickt sein “jeden Tag ne gute Tat”- Nicken und fragt “Wollen SIE hier sitzen?” und ich werde auf meine wohl-erzogenes Art erwidern, “bist deppert? Diese Jugend, kein Respekt!”

Ich werde wirklich alt!

10 Gründe:

  1. Ich stehe FREIWILLIG an freien Tagen vor 10:00 OHNE Wecker auf.
  2. Ich muss nachts auf die Toilette (und das ist eine quälende Prozedur, “ich will nicht, ich will nicht, oh weh ich muss so dringend, es ist so kalt, ich will nicht. SCHEIßE na gut!”)
  3. Ich verstehe keine Jugendsprache, dass es VONG gibt, weiß ich nur weil Leute anfingen komisch zu reden. Das Übel begann als jedes Wort durch “Dings” ersetzt und jeder Satz mit einem “Alter” abgeschlossen wurde.
  4. Ich hab graue Haare (demzufolge wäre ich aber schon richtig alt, weil ich seit dem 25er ergraue.)
  5. Ich finde um 21:00 zu Bett gehen höchst attraktiv
  6. Nur aus Trotz stelle ich die Schriftgröße am Kindle nicht größer
  7. Ich kaufe nur noch gemütliche Schuhe
  8. Ich will verflixt noch mal eine hundsordinäre Jeans, nicht low, nicht high, nicht wasted erm destroyed, nicht skinny – schon gar nicht SUPER skinny (wenn ich eine Wurst hätte sein wollen, dann wäre ich als solche reinkarniert). Einfach nur NORMAL. Aber die Boyfriend lass ich mir aufquatschen, wenigstens irgendein BOYFRIEND.
  9. Ich finde Haferbrei zum dahinschmelzen, so wenig Kau-Aufwand. Frau muss schließlich auf ihre Zähne achten.
  10. Ich hab eine LKW-Ladung voll Oma-Unterhosen.

Beweisführung abgeschlossen.

Es gibt aber auch (mindestens) 10 Indizien, die meine Naivität untermauern:

  1. Ich vergesse regelmäßig die EINE Blume zu gießen
  2. Ich trage ausschließlich bunte Socken (schwarze hab ich um Seriosität zu heucheln)
  3. Ich trage eine rosarote Brille
  4. Manchmal lass ich absichtlich die Brille weg um im Verschwommenen eine andere Welt zu sehen
  5. Ich brauche Disney Filme, wenn es mir schlecht geht
  6. wääh” ist eine adequate Gefühlsäußerung
  7. Alles schmeckt besser mit dicken Pommes
  8. Ich freu mich jedesmal über einen Regenbogen
  9. Ich musste Mitte 20 werden um zu lernen, dass es automatisch generierte Briefe gibt. Ich war der festen Überzeugung, da sitzt wer und schreibt sie höchstpersönlich!
  10. Eine Ö3 Samstag Nachtshow hieß Disco Inferno und nicht, wie ich hörte, Disco im Fernhof (ich hab mich lediglich gefragt, wo Fernhof ist). Hierzu gehört auch, dass irgendwas zu singen, wenn man den Text nicht kennt, legitim ist.

Wie verbring ich den 35er? Mit Margherita in beiden Händen am Strand? Strand ja, Margherita oder irgendein alkoholisches Getränk werde ich wohl heimlich in der Kokosnuss trinken müssen: Ich bin in Sri Lanka.

Ich habe ob der mageren Alternativen beschlossen, zur Abwechslung, eine brave Enkelin zu sein.

Zuletzt hab ich meinen 6.Geburtstag in Sri Lanka gefeiert, mit Motivtorte. Falls ich dieses Jahr eine solche krieg, wird es wohl die allegorische Darstellung elterlicher Missbilligung/Enttäuschung sein. Und wenn 35 Kerzen drauf Platz finden, dann weil sie meinen Namen falsch geschrieben haben.

Der Geburtstag ist mittlerweile auch schon Geschichte und tatsächlich fühle ich mich etwas älter, kann aber ebenfalls daran liegen, dass ich seit Stunde 3 nach Ankunft diverse Schmetterbälle in Richtung meines unmöglichen Jungferndaseins abblocke. Ich falle nachts erschöpft ins Bett und bin immer noch froh, dass ich nicht ausfallend geworden bin.

Flankiert von Tanten und Onkeln lautete die einstimmige Frage:

“Warum bemühst du dich nicht mehr?”

Was antwortet man auf so eine Frage? Gar nichts, ich jedenfalls. Mir gingen die Sprüche aus; sogar auf Sinhala beherrschte ich das Wortspiel, aber das rettete mich auch nicht lange.

Ich praktiziere die “Augen-zu-und-durch-und-bloß-niemanden-erschlagen” Taktik. Rettete mich ans Meer, verlief mich in einem geheimen Garten und besuchte ein Kinderspital..

Solange visualisiere ich den baldigen Abflug und meine rosa Wolke in Innsbruck…

Auch mit höherem Alter wird es nicht einfacher zwischen zwei Stühlen zu sitzen; zu glauben, ich hätte es mir mit je einer Po-Backe auf einem Stuhl gemütlich gemacht, ist ein Irrtum. Es sitzt sich nie gemütlich und man ist dort wie da ein Alien…

2017 fade out

Ich gebe teilweise der Methodik, wie an unserer Abteilung Dienstplan geschrieben wird, die Schuld, dass das Jahr so schnell vorüber ging. Wenn man nämlich immer 3 Monate voraus planen soll, verliert das Jetzt seine Wirkung. Abgesehen davon, dass ich, die noch nicht mal das Prinzip von H-Milch (im Ernst, wer braucht Milch, die 3 Monate hält?) verstanden hat, sich Gedanken machen muss, was in 3 Monaten sein oder nicht sein wird. Spontanität, Sponta was?

Auch 2017 erfüllte ich mir einen lang gehegten Wunsch und reiste in den Iran. Das Alleinreisen war meins geworden. Ich war glücklich und entspannt. Mein Rucksack und ich. Ich ignorierte die paar wackel-Dackel-Köpfe und ihre Kommentare, was für eine waghalsige Tochter meine Eltern nicht hatten.

Ebenso habe ich dieses Jahr etwas Neues probiert. Nein, ich bin nicht zur Berggams avanciert. Ich habe elitepartner probiert. Ja, auch ich musste es mal sacken lassen, dass ich hunderte € bereit war zu blechen um gefunden zu werden. Natürlich wurde ich nicht gefunden. Zu einfach wäre doch langweilig. Im Gegenteil, ich wurde von den Mitgliedern des “+50 aber ich bin ja sooo fit im Schritt Clubs” favorisiert. Von anderen wegen meines nicht ganz so passendem Äußeren kurzerhand aussortiert, aber Wehe mir, ich erlaubte mir mal nicht zu antworten, dann erntete ich Tiraden über die Unflätigkeit einem so schön konstruierten und ausgefeilen Gedankenerguss nicht das nötige Maß Respekt gezollt zu haben.

Ob es auch meine Schuld gewesen sein könnte? Excusez-moi ? Was ist an MIR nicht perfekt? So wohlgeraten, zurückhaltend und den Knigge beherrschend!

Aber keine Sorge, ich hatte ein Date. Mit einem Arzt. (Könnte mir nächstes Mal bitte jemand ins Gesicht schlagen, wenn ich beginne zu denken, DAS wäre eine gute Idee?) es war ok. Definitiv ein zweites Kaltgetränk wert. Er war auch der Meinung, aber im Zuge von 2 (ganzen) Tagen, wandelte sich sein Leben wohl gar ruckartig, er habe doch keine Zeit für eine Beziehung.

Teure Angelegenheit für etwas zu zahlen, wofür man keine Zeit hat.

1 Date für 400€. Mit einer Freundin scherzte ich 2016 noch, “dating portal oder eine Handtasche?” Hätte ich bloß die Handtasche gekauft!

Was tut das leicht angeschrammte Ego? Man lade, nach fünfmal (und lauten Schwüren es nie wieder anzufassen) löschen, wieder Tinder runter. Gepriesen sei die Oberflächlichkeit, da hagelten die likes. Diesmal entschied ich mich dazu, die Fantastischen 4 für mich Werbung machen zu lassen mit “Die da”. Angebote über Angebote, von charmant über schwer legasthenisch zu “du kannst nur ein fake profil sein”. Keine Ahnung mit wievielen ich schrieb.

Ein Date Vorschlag war schwimmen zu gehen. Ich bin fast an meinem eigenen Lachen ertrunken.

Mit zwein spielte ich Termin-Pingpong bis der Ball abhanden kam. Ein anderer ließ mich auflaufen, weil ich evtl eine Liga zu hoch sein könnte. Ein, zugegeben – mea culpa- unsaft abserviertes, Date aus der Vergangenheit verlangte Rechtfertigung und rügte mich um mit dem Kommentar abzuschließen, ich hätte eh nicht gepasst.

Unterm Strich: es MUSS an mir liegen! ‘pft, what shalls!’, dachte ich. Ging auf eine wunderbare Hochzeit. Fing den Brautstrauss. Ums Verrecken hätte ich bei Völkerball den Ball nicht fangen können, aber aus der hinterste Reihe Blumen.

Also, DINGE flogen mit Begeisterung auf mich zu. Als Kind erklärte man mir Kärntner Bräuche, u.a zu Ostern Eier über das Haus zu werfen (wurde das vor oder nach der Auferstehung Jesu vollführt?). Drei mal dürft ihr raten, wem das Ei an den Kopf flog.

Wesentliches, wie der Traumjob oder (Traum-) Mann, verfolgte eine andere Flugroute: an mir vorbei.

Nun den Traumjob habe ich endlich, 30 Bewerbungen, eine Reise in den Thüringer Wald und etliche Mahnungen, ich solle es sein lassen später.

Traummänner gibt es auch etliche. Bin eine begabte Träumerin.

Während der Strauß Herbstblumen, etwas lädiert durch die vielen Hände, durch die es flog, auf mich zusegelte, traf mich die Erleuchtung: ‘Scheiß drauf!’ (an mir ist eine Philosophin verloren gegangen)

4 Tage später ging ich auf einen spätabendlichen süßen Chai und verlor mich in einem blauen Augenmeer.

Ich konnte es dieses Jahr nur schwer ertragen 34 geworden zu sein. Die Zahnräder in meinem Kopf drehten sich in einem schwindelerregenden Tempo ohne mich irgendwo hinzuführen. Aber auch ich wurde irgendwann erwachsen (ein wenig) : Ich fand Ruhe und Geduld. Mir den Moment bewusst zu machen und nicht die Nerven über Dinge zu verlieren, die ich nicht unter Kontrolle hatte, nahm mir eine Last. Geduld mit mir selbst, kein schlechtes Gewissen für meine Entscheidungen haben zu müssen.

We are here to laugh at the odds and live our lives so well that death will tremble to take us (C. BUKOWSKI)

Ich war und bin, wo ich sein soll. Jeder von uns ist da, wo er und sie sein soll. Beschleunigen kann ich nichts. Nur der Dinge harren, die noch kommen mögen und zu akzeptieren, dass meine Uhr anders läuft, aber deswegen nicht defekt ist.

Es war ein Jahr, in dem ich lieben Patienten und Wegbegleitern Adieu sagen musste.

Meine Verletzlichkeit ist manchmal eine Bürde, aber was wäre ich ohne sie? Wohl nicht ganz die Diyani, die ihr kennt.
Anstatt an meinen Wunden zu lecken und mein Pech zu beklagen, habe ich sie in Gold getaucht. Die Dunkelheit macht keine Angst mehr, wenn ich in ihr immer Sterne finde.

Loslassen ist nicht einfach, aber ist umso vieles wohltuender als Anhaften.

2018 the devil may care!

Florenz oder eine illegale Diyani? 

Ausflüge mit der Familie waren für mich als Teenager wie eine gagenfreie Teilnahme bei “Holt mich hier raus”. Der Dschungelcamp war de auf kleinem Raum konzentrierten Familienmitglieder mit einziger Fluchtmöglichkeit ins Klo. So was muss daher gut überlegt sein, längere Gesprächspausen und Kontakt zu Babies müssen strikt vermieden werden, denn sonst folgt, was folgen muss: ‘Ayooo, wir werden nie Enkelkinder hoppern dürfen. Unsere egoistischen Kinder werden uns diese Freude wohl nie machen. Ihr bringt uns noch ins Grab und dann werdet ihr schon verstehen!’

Aber um etwas wesentlich wichtigeres hatte ich zu wenige Gedanken verschwendet:

Als ich in Vorbereitung auf meine Iran-Reise meinen Reisepass aushändigen musste, hatte ich schon ein ungutes Gefühl. Ohne meinem Pass? ‘Ja, kein Problem. Das machen wir immer so, für Reisen innerhalb Europas ist eine Kopie ausreichend’, lauteten die Worte der Reisekauffrau. Die Worte des, durch meine Vehemenz etwas unrunden, Busfahrers: ‘Bei uns gelten andere Richtlinien, ich werde zu Ihrem Schlepper, wenn ich Sie mitnehme! ‘

‘Ich war eh schon lang nicht mehr abgeschleppt worden’, dachte sich mein sarkastisch-amüsiertes  Ich, mein innerlich tobendes, nach außen hin mit all ihren Ausweisen um sich werfendes, Ich wäre am liebsten mit der rechten Hand an mein Herz greifend theatralisch zusammen gefallen! Ich darf nicht mit, ich muss hier bleiben, am Villacher Bahnhof! Nichts ahnte ich bei dieser Überzeugungsarbeit von dem Stress, der mir bevor stand, als die italienische Grenzpolizei zustieg. 

Die Ö24 Schlagzeile: 

Ausländerin versucht illegale Ausreise und gibt sich  als Ärztin aus! 

Nun. Ich durfte mitfahren. Nur als die Polizia kurz vor den Toren Italiens den Bus anhielt, erlitt ich einen kleinen Schlaganfall. (Der Busfahrer hoffentlich nicht.)

Ganz cool, meine Gangster-Gelassenheit ausgepackt, streckte ich dem Polizisten die Farbkopie entgegen. Er lächelte, ‘ah Austria!’, und ging weiter. 

Da erlitt ich das Erleichterungs-Schlagerl. 

In meinen anschließend zu hauf geführten Gesprächen erfuhr ich Folgendes:

Das Außenministerium informierte mich, dass ich genau vor Italien hätte Probleme bekommen können, denn all meine Dokumente wären nur als Jausenpapier gut gewesen, und ich glaub in einem italienischen Gefängnis gibt es keine Wurstsemmeln.

Die Botschaft in Rom erklärte, dass die Kontrollen wegen dem bevorstehenden G7 Gipfel stattfanden. 

Beide konnten mir aber keine Lösung für eine glimpfliche Einreise nach Österreich nennen. Wie es weiterging, weiter unten. 

An 1.Tag ging es, wie es sich für brave Touristen gehört, zum Dom. Ein imposanter Bau, steht im Reiseführer. Ein gestreiftes Ufo inmitten von engen Gassen, sage ich. So platziert, dass man von  den Enden mehrer Gassen einen Blick darauf haben konnte. 

Heinrich Heine beschreibt den Dom so und trifft es gar gut:

In der Ferne scheint es, als sei er aus weißem Postpapier geschnitzelt, und in der Nähe erschrickt man, daß dieses Schnitzwerk aus unwiderlegbarem Marmor besteht. Die unzähligen Heiligenbilder, die das ganze Gebäude bedecken, die überall unter den gotischen Krondächlein hervorgucken, und oben auf allen Spitzen gepflanzt stehen, dieses steinerne Volk verwirrt einem fast die Sinne. Betrachtet man das ganze Werk etwas länger, so findet man es doch recht hübsch, kolossal niedlich, ein Spielzeug für Riesenkinder.

Dabei wurde die Kuppel im 15.Jhd errichtet um ein Loch zu stopfen! Und der Maurer, Brunelleschi,  für seine Unerfahrenheit erst belacht (das Ding werde über ihm zusammen brechen) und dann als einziger Nicht – Geistlicher in der Krypta des Doms beerdigt. 

Um den täglich gesunden 10000 Schritte näher zu kommen, stiegen wir 414 Stufen (Da Menschen, die an Herzkrankheiten  (und solche, die an Quengeleritis) leiden besser nicht hinauf marschieren sollen, gönnte sich unser Vater zu Fuße des Doms einen teuren Espresso) zum Glockenturm hinauf. Schwindel?  Ich? Iwo… Gute solide Steintreppen umgeben von dicken Mauerwerk. Bissl platzängstlich wurde ich (mir kann man es auch nie recht machen) aber wohl. 

Von  weit oben erstreckt sich Florenz in all ihrer italienischen Terracotta- Pracht bei blauestem Himmel unter uns.

Vorbei am Palazzo Medici ging es dann in Richtung… 

David

 

in der, eigens für ihn im 19.Jhd erbauten, Galleria dell’ Accademia

Unbestritten. Ein schöner Mann… Sein Blick schweift weit über unsere Köpfe hin weg, seiner Wirkung allzu bewusst (und das, obwohl er vorher nur ein ungehauener Marmor war, der das Glück hatte durch Michelangelos Hände zu gleiten)  aber mit einem Anflug von Zweifel, die seine Stirn in Falten wirft. Sein prächtiger Gluteus erhebt sich stramm über eine in Reihe sitzender glotzender Zuschauer und sein viel belachtes gutes Stück verliert irgendwie bei all der restlichen Pracht an Signifikanz.

Ich war schon ziemlich hingerissen. 5m großer Mann! Ich ging noch dreimal zurück um ihn mir einzuprägen (für den Fall, dass ich im Gefängnis sitzend nie mehr einer solchen Vollendung ansichtig werde) 

2.Tag

In der Galleria degli Uffizi wird hinter Glas die wunderbare Geburt der Venus von Botticelli präsentiert- der erste weibliche Aktion der Neuzeit. Während ich da so stand und einfach bewunderte, wie ihr Haar die Sonne einfängt und im Wind zieht,  Rosen sie umflattert und sie wahrlich den Eindruck macht, eben auf die Erde gepurzelt zu sein und sich überhaupt nicht darüber bewusst war, dass sämtliche Götter um ihrer Ankunft wegen soviel Aufhebens machen, wird ein Selfie nach dem anderen mit Venus im Hintergrund geschossen. Warum? Warum? 

Eine besonders gute Idee war der Gipsnachbau für sehbehinderte nebst dem Gemälde, sehr detailliert und fühlt sich so wunderbar an wie sie sich ansieht. 

Venus (Aphrodite für eure Griechen unter Euch) ist die Tochter des Meeres, in das der Samen des durch Saturn (Kronos) entmannten Uranus fiel (all das angestiftet von einer Frau, Geia). Venus  wird mit Hilfe von Zephyr und Chloris sanft an die Küste von Zypern in die Arme von Genius, die mit einem Blumengewand wartet sie zu bedecken, geweht. 

 Die Uffizien bergen einige, wenn nicht die, bedeutendsten Renaissance Maler. Und als Prachtraum das Tribunal mit einem Kuppeldach, das über und über mit Perlmutt besetzt ist (6000 Muscheln). 

Und als besonderes Besondernis: Da Vincis unvollendete Adorazione dei Magi

Und vielleicht hat er beim Schaffen von Annunciazione schon geahnt wie essentiell heute die Selbstdarstellung ist… 

Ach, und was wäre ein Tag in Florenz ohne ein Stelldichein mit David? Wenn auch nur mit seinen Doubles in Gips und Bronze. (ich lasse meiner Fantasie zu Liebe den homoerotischen Aspekt, der mir nicht entgangen ist, bewusst weg.) 

Zum Abschluss des Tages erhaschten wir noch einen Blick vom Piazzale Michelangelo über die Stadt hinter der sich dicke Regenwolken formierten. Von der Anhöhe erst wird einem die Wucht des Doms bewusst, wie er thront und sich erhebt, wie die Kirche aller Kirchen. 

Ob ich nun hinter Gitter sitze? Die Minuten über die Grenzen waren etwas stressig und ich verstehe noch immer nicht warum es für EU Bürger nicht auch andere Möglichkeiten gibt. Aber im Prinzip habe ich einen Fehler gemacht und tu mir gerade schwer, ihn mir einzugestehen… 

Peace and out… 

Das letzte  Jahr im “Anfang 30er”Club

Geburtstagsblues…. Quarter life crisis hab ich verschlafen, für Mid-life crisis bin ich zu früh dran. Da bleibt nur der Blues…

34. Vier und Dreißig. Eine gemeine Zahl, wie ich finde. Ich fühle mich mehr wie die Quersumme von ihr. 7.

Dreißig werden, war nicht schlimm. Dreißig bleiben hingegen, ist schwierig. Und wenn ich, selten genug, mal ehrlich zu mir bin, ist das auch aussichtslos.

Es ist mir noch immer oder immer weniger möglich, mich nicht zu vergleichen. Wer bin ich im Vergleich zu dir? Was bin ich im Vergleich zu dir? Wo bin ich im Vergleich zu dir? Und vor allem, warum bin ich anders als du? Warum bin ich mit 34 noch lang nicht beim Abschluss (m)eines Lebensplans? Übrigens war es meine Gynäkologen, die mich recht rüde darauf hinwies, dass ich mir doch recht verspätet theoretische Gedanken über Kinder mache. Und um ganz ehrlich zu sein, bin ich für gewisse Dinge doch zu spät dran.

Entschuldigung, dachte ich, ich hab vor gefühlten 3 Jahren erst meinen Babyspeck verloren. Dass ich eher der Biologie und Arterhaltung als meiner persönlichen Entwicklung Gehorsam hätte leisten sollen, haben mir schon meine Eltern vergeblich versucht einzuprügeln. Aber nun kriegte ich es auch mit der Fachwelt zu tun.

Frauen jenseits der, sagen wir, 32, haben es schwierig, keine Frage und auch keine Diskussion. Aber bleiben wir mal beim Kinderzeugen.

Szenario 1. Ist Frau in einer Partnerschaft, glücklich und zufrieden, über Kinder kann geredet werden, ohne, dass der Partner überlegt das Rauchen wieder anzufangen um nach dem Zigarettenkaufen nie wieder heimzukehren, dann wartet sie bis die Biologie ihren Teil erfüllt und katapultiert die Pille mit einem kleinen “Juchey” in den Müll.

Szenario 2. Frau ist in einer Verbindung mit einem Mann, für welche mehrere Definitionen in Frage kommen aber ob der ihnen allen gemeinen, und heute so hippen Freiheit sich alles offen zu halten, Undefiniertheit (ja sowas gibt es, die undefinierte Definiertheit) lässt sich die Frage über die Vorstellbarkeit von Kind geschweige denn der konkrete Plan der Umsetzung nicht klären. So darf Frau ihren schwungvollen Wurf nicht üben, muss sich schon 3 Wecker stellen, damit die Pille nicht vergessen (und ja, mit den Jahren nimmt die Vergesslichkeit zu) wird. Und sie rennt fröhlich weiter um den heißen Brei, während vor ihrem inneren Auge der Hase auf und ab hüpfend, lamentiert “ich bin zu spät, ich bin zu spät!”

Szenario 3. Frau ist Single. Kein Mann und schon gar nicht ein papa- tauglicher in Sicht. Kondome wie Pille kratzen am Ablaufdatum. 5 Jahres- Verhütung klingt wie ein Telekomvertrag auf Lebzeit, zum Eizelleneinfrieren ist es laut Gyn ja auch schon zu spät und mutet an wie Ostereier verstecken,die keiner findet.

Szenario 4. Glücklich, ob ein- oder zweisam, und ganz frei von dem Wunsch nach Vermehrung, lebt Frau ein Leben abseits der Diskriminierung von Familien, geht provokant alleine Abendessen und erlebt genüsslich den Luxus Essen heiß zu verzehren.

Eine kleine Rechnung (und kein Dreisatz!): Wollte ich mit 37 Kinder haben, müsste ich dafür mit 36 beginnen es praktisch umzusetzen, um dies zu tun, sollte ich ja mindestens 1 Jahr mit dem anderen Part zusammen sein, um aber ausreichend Zeit zum bequatschen gehabt zu haben, sollten gleichermaßen ca 6 Monate eingeplant werden (34.5) Das geht aber erst, wenn der Tanz, den wir aufführen, definiert ist. Zum Kennenlernen muss ich mir ja ebenfalls Zeit lassen, das dauert bei meiner Skepsis locker 4 Monate, 33.6. Da Männer, die all dem oben genannten entsprechen, sich nicht just in dem Moment materialisieren, wann ich es gerne hätte, geht obendrein für die Suche nach einem solchen eine gewisse Zeit drauf.

So dass ich, um diesen Plan zu erfüllen, mit 32,+/- Monate, den Mann fürs Leben kennenlernen muss.

Tja und da liegt der Hund begraben.

Nun ist der Zug abgefahren und die Bahngleise aus Rentabilitätsgründen, eingestampft!

Daher rührt der Blues aber gar nicht. Sorry euch allen, die den Kopf neigen und bedauernd einen Mundwinkel verziehen. Ja ich weiß, schämen sollte ich mich, dass ich meiner Rolle nicht gerecht werde. So eine Verschwendung von primären Geschlechtsmerkmalen!

Tatsächlich fühle ich die Diskrepanz zwischen der Quersumme und meinem amtlichen Alter. Oft bleibe ich in letzter Zeit vor diesen Geschäften stehen, in denen Mode des Typ “Walle Walle und ein Hoch auf die Asymmetrie” in anfallsartig kombinierten Farben und große Cat Eye Brillen verkauft, oder zumindest angeboten, werden. Nicht mehr stelle ich mir die Frage, WER zieht sowas an und wie gemein ist die Verkäuferin eigentlich?, sondern, welchen Typ extravagante Tante Dee will ich dann darstellen? Mit oder ohne Spleen und markant-pudrigen Duft?

Ich seh mich schon, wie ich im Altersheim den anderen ihre Prothesen verstecke…

Aber Hey, wie war das nochmal, wenn ich es bis jetzt nicht geschafft habe, erwachsen zu werden, dann kann ich es auch genauso gut sein lassen? Ich glaub, dass mache ich.
Und die Lösung gegen Blues? Reisen… Das hilft immer!

Begegnungen

Ein jedes Jahr vergeht. Ein auf das andere Mal frage ich mich, was hast Du in den letzten 365 Tagen gelernt und was hast Du erreicht.

2016 ist das Jahr in dem ich über Begegnungen nachdenke. Über Begegnungen mit Menschen, die bereits eine wichtige Rolle in meinem Leben spielen, über Begegnungen mit Patienten und über zufällige Begegnungen, die eine Veränderung in mir bewirken.
Nicht immer führen Begegnungen zu einer Freundschaft, einer Abneigung, Verbundenheit oder Mitgefühl, aber jede Begegnung hinterlässt eine Spur in uns. Oder viel mehr, sollte eine Spur hinterlassen. Denn wenn wir aufhören, Menschen an uns heranzulassen, verlieren wir die Fähigkeiten, wie Mitgefühl, Anteilnahme und Selbstlosigkeit zu empfinden.

May I know how to nourish the seeds of joy in myself every day
May I be able to live fresh, solid and free
May I be free from attachment and aversion, but not be indifferent (Hanh, Thich Nhat)
  1. die Verbundenheit mit Menschen in meinem Leben, die mein Rückhalt und Netz sind. Die Knoten, die ich mit euch knüpfte, wurden enger und bieten mir Boden, wo Treibsand ist. Trotz meiner Abwesenheiten, meinem Vagabunden-Dasein und meiner inneren Unruhe und Suche nach Mehr/Meer und Tiefe. Ihr seid der Grund, dass ich mich sicher fühle; egal, was ich angehe, in welches Schlamassel ich mich auch hinein manövriere und warum ich mich traue von euch wegzugehen um wo anders mein Glück zu finden. Eure Kritik an mir ist mein Kompass, eure Geduld meine Bank.
    Wenn ich etwas zurückgeben kann, dann bedingungslose Freundschaft und Liebe.
  2. die Arbeit mit meinen Patienten prägt mich jeden Tag, sie rühren mein Herz. Patienten, die einem Großteil der Welt ein Dorn im Auge sind, weil sie einem der Heuchelei und Doppelmoral entlarven. Sie auszugrenzen fällt einfacher, als das bisschen Herz zu finden liebenswürdig zu sein. Das Unbekannte lädt nicht mehr zu Offenheit ein, sondern zu voreiligen Schlüssen und individuellen Fakten. Vielleicht bin ich eine Träumerin, nein sicher sogar, denn ich möchte nicht meinen Beitrag zur Wohlstandsverwahrlosung und mittlerweile salonfähigen Ignoranz leisten.
  3. die Begegnungen mit Teflon-Menschen, Menschen, die den respektvollen Umgang verlernt haben. Die glauben, dass heutzutage sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen einen davor schützt Verantwortung zu übernehmen. Aber Begegnungen mit Menschen machen uns zu dem, was und wer wir sind. Diese Begegnungen halten uns den Spiegel vor, in den aber kaum noch wer sehen will, sonst würde die schmerzliche Erkenntnis einem die Laune verhageln, dass man zu Ich-bezogenen Trampeln entartet ist, dass es uns schwer bis unmöglich fällt, sich in die Situation anderer zu versetzen. Ich will das aber mit mir nicht machen lassen. Für mich selber und weil ich es Wert bin, gebe ich jeder dieser Begegnung, so kurz und nichtig sie auch erscheinen mögen, die Achtsamkeit, die allem gebührt. Ich lerne aus ihnen; ich erkenne mich besser in der Reflexion mit anderen. Ich weiß, dass in unserer Zeit Gefühle und Verletzlichkeit zu zeigen nicht mit dem Perfektionismus vereinbar ist, dem so viele hinterher rennen.

Jemandem zu sagen, dass man sie gern hat, ist ein Schuldbekenntnis, ist eine unnötige Zurschaustellung der eigenen Verwundbarkeit. Wir gehen alle nur noch auf Abstand, Abstand zu Neuem, zu Unbekanntem, zu Unkalkulierbarem. Unbemerkterweise nehmen wir aber damit auch Abstand zu uns selbst, zu all dem, was in uns lebt. Wir haben Angst vor dem Versagen und vor allem davor uns zu blamieren. Dabei ist es gar nicht schlimm sich zu blamieren. Es treibt uns an und gibt uns Sinn. Außer natürlich man sucht gar nicht nach Schwung und Antrieb, ist glücklich damit, sich selbst immer nur im bestmöglichen Licht darzustellen und allen Gelegenheit sich zum Narren zu machen aus dem Weg geht. Bedeutet aber auch, dass man nie wirklich jemanden an sich heran lässt. Denn nur dann laufen wir Gefahr uns zu blamieren, weil unser Herz sich daran beteiligt. Und wo sich das Herz erst einmal einmischt, ja da ist die Perfektion in großer Gefahr.tumblr_n75jstt50i1rqiomso2_r2_500


Meine Lehre aus dem Jahr 2016:
Scheiß auf die Perfektion. Ich selbst sein, mich trauen und mich erfahren. Meine Begeisterung für das Leben und die Menschen darin leben und atmen. Alle Menschen schätzen und respektieren, von Vorurteilen und dem Drang nach Vollkommenheit ablassen, denn es legt mich selbst nur in Ketten. Wir sind wie wir sind, voller Unebenheiten. Wir sind einander nie gleich, aber wer will das denn schon?

Die Farbenpracht unserer Unterschiede macht unsere Begegnungen doch so wundervoll.

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Understanding is the very foundation of Love (the five awarenesses)

Solo-Neujahrswalzer

Einunddreißig mal hat sich für mich das Jahr dem Ende geneigt, am Anfang recht unbewusst, in den jüngst zurückliegenden Jahren oft schmerzlich bewusst, und dabei hat sich mehr mein Leben geneigt und einen krummen Buckel davon getragen.
Die letzten Jahre war ich am Ende außer Atem, schwer geneigt dem bald auslaufenden Jahr einen Fußtritt zu verpassen.
Immer aber straffte ich meinen Buckel und dachte, es könne nur noch besser werden obwohl ich so viele Male auf die Nase flog, dass liegen bleiben sinnvoller erschien, als sich noch mal aufzurappeln und mit einem Schulterzucken das ganze noch mal anzugehen.

Wozu sich Vorsätze zusammenspinnen, wenn das Leben sein eigenes Skript hat, wozu etwas planen, wenn immer das Ungeplante eintrifft? Wozu über das “warum?” flennen, wenn die Antwort hässlicher ist als die Ungewissheit?
Wozu sich Gedanken um die innere Uhr machen, wenn ich die Zeit doch nicht anhalten kann?

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Ich freue mich weder über das neue Jahr, weil alles beim alten bleiben wird, noch trauere ich um das, das seine letzten Atemzüge tut.

In diesem Jahr hat mir das Leben das Herz gebrochen und ich kann es nicht verzeihen. Diesmal sind die Teile an der Wucht meines Schmerzes zermalmt worden.
RESILIENZ.
Sei stark sagt die Resilienz. Was dich nicht umhaut, macht dich nur stärker.
Immer wieder zieh ich mich aus dem Schlamm in der Überzeugung, dass der Schmerz Teil der Erfahrung ist. Sie ist so wahrhaftig, wie die Liebe selbst und das eine kann ohne dem anderen nicht.

Leben Sie jetzt die Fragen. Vielleicht leben Sie dann allmählich, ohne zu merken, eines fernen Tages in die Antwort hinein. R.M.Rilke

Frei von Angst bin ich geworden.

Angst vor Verlust? Wenn ich mich doch nicht an dich fesseln kann?
Angst vor dem Tod? Wenn es doch unausweichlich ist?
Angst vor dem Versagen? Wenn ich doch nur gewinne, in dem ich gebe?
Angst vor dem Ungewissen? Wenn ich dem doch keine Fackel in die Hand geben kann, um mich nicht in die Irre zu führen?

Das Jahr 2015 ist Schmerz und Selbst-Aufgeräumtheit durch Selbst-Aufgabe und Neuanfang.
Ich werde neugieriger je mehr Schmerz mich trifft, ich wachse an meinem Versuch Grenzen nicht zu akzeptieren und ich gewinne an meinem Mut.
Es möge kommen, was wolle und möge sich meine Illusion von der Liebe nicht erfüllen, ich habe etwas gefunden, das mich hoffen und meinen Puls am rasen hält.

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Ich werde ins Jahr 2016 gehen so wie ich es am liebsten mag: mit müdem Blick, zerstreutem Haar, mit einem unsicheren aber grenzenlos der Liebe vollen(und liebestollen) Herzen und einem Lächeln und mit
mit einem Rucksack zu den Füßen und dem Flugticket in der Hand.

Liebe ist (…) ein erhabener Anlass für den Einzelnen, zu reifen, in sich etwas zu werden, Welt zu werden, Welt zu werden für sich um eines anderen willen. R.M.Rilke

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Quellen:
WordPorn (poem)
Facebook (dog photo)
DeedamitRucksack