Die Hälfte der Welt   اصفهان نصف جهان 

Ich genoss die letzten 2 Tage meiner lang-ersehnten Iranreise in Isfahan.

Isfahan ist die Oase, auf die ich gewartet habe. Alleen von Grün spendeten Schatten und machten das Atmen leichter. 

Ich schlenderte durch den Bazar-e Bozorg, schnupperte an Gewürzen und erntete Safran (und nebenbei wunderte ich mich über die diversen männlichen Schaufensterpuppen, die hatten unterschiedliche Gesichter, der eine trug eine chice Seitenwelle, der andere hatte einen Lidstrich gezogen. Und manche, ja manche hatten nur ein halbes Gesicht!)

Wie ich so vom Masjed-e Jameh Moschee durch den Bazar wanderte, öffnete der sich auf einen riesigen sonnenbestrahlten Platz, dem Imam Square, einem wohl der größten Plätze der Welt in feiner safadisch- architektonischer Manier erbaut von Shah Abbas I.  Der Platz ist Dreh-und Angelpunkt all meiner Wege, hier spielt sich das Leben der Familien ab, spät nachmittags planschen die Kinder im Springbrunnen und andere Familien sitzen im Schatten und picknicken. Dieser Platz war frei von Sorgen.

Hier steht im Westen die Lotfollah (man beachte, der hier dargestellte Betende hält keine Hände gen Himmel) Moschee. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass mir noch etwas anderes als die Al-Mulk-Moschee in Shiraz den Atem rauben könnte (und zugegeben, ich war wohl etwas übersättigt von Gotteshäusern), bis ich unter die Kuppel der Lotfollah Moschee trat, diese war ausgekleidet in überbordender Farbenpracht, mit türkisfarbenen  gedrehten Verzierungen, die sich entlang der Bögen hoch und runterzogen und über ihnen eine gelb-goldene Weite!

Und im Osten der Al Qapu Palast, der mir die Inspiration gab, mein Luftschloss mit blumenranken-verzierte Wendeltreppe mit smaragdgrün befließten Stufen den letzten Schliff zu geben!

Im Norden des Imam Square steht die Shah Moschee, weitläufig, mit kleinen Höfen. Dort traf ich auf einen Islam-Gelehrten. Er bot mir karamelisierten Sesam an und wir redeten über meine Beweggründe, Iran zu bereisen. Viele Gelehrte, so beobachtete ich im Laufe der Zeit in Isfahan, boten “friendly discussions” mit Nicht-Moslems an, meist in kleineren Runden. Es reizte mich enorm, aber ich fühlte mich nicht wohl bei der Idee in einem Land, dass Meinungsfreiheit nicht als solche ansah, über Religion zu diskutieren.

Zum Verschnaufen saß ich im Shahid Rajai Garten und erlebte wechselnde Sitznachbaren, der eine las den Koran und wollte mir etwas daraus erklären und der andere rastete kurz im Schatten und drehte an seiner Misbaha. Ich kam mir ein wenig vor wie Forrest Gump, nur ohne Pralinen, Weisheiten hätte ich zuhauf parat gehabt!
Ich wurde ich auch in Isfahan angesprochen, neugierig beäugt und angefasst, diesmal bevorzugt von älteren Iranern, die stehen blieben, mich anlächelten und Fragen stellten, auf die ich jämmerlich mit “I don’t speak Farsi” antwortete und mir daraufhin mit einem Lächeln auf die Schulter klopften und jeder ging seines Weges. 

Um nochmal aufs Essen zu kommen, dass hier ja mehr eine Notwendigkeit als ein Genuss ist. Einen Vorteil hat das ganze (und der Ramadan), ich nehme ab! In Isfahan habe ich mir ein Steak and Cheese Sandwich in einem Laden besorgt, dessen Name Pizza Paneer war und als Logo ein EKG hatte. Mit Indien hat es so wenig zu tun wie das iranische Beryan mit dem indischen Biriyani und das EKG, wohl eine Warnung, dass bei zu viel von ihrem Menü zu ST-Streckenveränderung führen kann. 

Aber um fair zu bleiben, gab ich der iranischen Küche noch eine Chance und um ganz sicher zu gehen, ging ich bei Großmuttern Mittag essen. Und wer kann schon besser kochen als Siamma? (nur meine Mom) Zu einer minzigen Milch gab es… erm vergessen, Grandma hatte nämlich echt schnuckelige Enkel! Zum Nachtisch wurd mir (ein strahlendes Lächeln auf) Safraneis serviert und ich wurde der Küchenfee, der Mutter der sehr ansehnlichen Herren, vorgestellt! Ob das Essen geschmeckt hat, also sie hatten ganz außergewöhnlich graue Augen! 

Den lang ersehnten Kaffee genoss ich im kleinen Irooni Café am Imam Square. Ein so feines Plätzchen mit gedimmten Licht und angenehmer iranischer Musik im Hintergrund. Ich kann nicht mal sagen, wie viel der Eiskaffee gekostet hat, weil der Barista so abgelenkt hat, meine Bemerkung, dass der Kaffee “Very wonderful” sei, quittiert er mit “You too!”, manchmal können Verständigungsprobleme ein Segen sein! Ich hüpfte beschwingt, in der Überzeugung (ihr könnt sagen, was ihr wollt!), ich sei wonderful, aus dem Kaffee, bereit mich der Schacherei am  Bazar zu stellen!… und hab ihm (ich meine dem Café), nach einem Anblick der trostlosen Si-o-Se Tol Bridge über ausgetrocknetem Flussbett, noch einen Besuch abgestattet.

Isfahan. ich kann verstehen, wieso die wirklich eindrücklichen Erinnerungen meines Vaters an dieser Stadt hängen. Sie hat Flair, das joie de vivre, die so beschreibend ist für Großstädte. Schön, dass du mein Abschluss warst und mich hast vollends eintauchen lassen!

Das Sonnenstäubchen tanzet,
Vom Licht der Sonne’ ergriffen (Rumi, Zehnte Ghasele)

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