Wer braucht eine Bahn, wenn man fliegen kann?

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Neben der Spur.
So fühle ich mich seit ich zurück bin. Dann aber stellt sich die Frage, ob ich das nicht eh schon immer war? Ganz vernünftig betrachtet, habe ich es mir ja nie sehr einfach gemacht. Aber der Einsatz hat mich verändert.
Vogel-Strauss Taktik war noch nie so richtig meins, aber (ganz schön viele ABERs in meinem Leben, denn ganz ohne die Fürs und Widers abzuwägen geht es nicht. Ich mache mir vorher Gedanken um mich nachher nicht zu fragen, was zum Geier ich mir dabei gedacht habe!! Außer in Liebesdingen, da springe ich mit Begeisterung in die Breduille um am Ende erst zu weinen und dann zu lachen!) diese Methode hat sich nicht ohne Grund oft bewährt, denn nun habe ich meinen Kopf aus dem Sand gezogen und meine Sinne sind auf Daueranspruch! Ganz nach “Ich fühle, also bin ich.”

Was ist Leben und was ist ein normales?
Ob ich Angst habe, weil ich nie weiß, was morgen sein wird? Und wenn ich es wüsste, was ändert es?

Ich hatte mal einen Plan, da war ich 23, dachte den Mann fürs Leben sicher in Ketten gelegt zu haben und malte mir, meine Tochterrolle perfekt erfüllend, das Gemälde meines Lebens. Dann war ich auf einmal 29 und schaute erstmal blöd, als der Mann sich komischerweise in Ketten nicht so wohl fühlte und der Familienvan gegen die Wand gefahren in Rauch aufging. Und ich? Ja, ich musste mich mir selbst stellen:
Mit all meinen Fratzen, Gefühlen und Illusionen.
Ich war mir selbst fremde geworden. Oder ich habe mich nie wirklich gekannt.
Ich tippe auf letzteres.

Ein mal angefangen alles in Frage zu stellen, ist es schwer das anzuhalten. Wohin bloß mit mir?
Es sollte die lehrreichste Zeit meines Lebens werden.
Ich kann mich für vieles verrenken (einmal mehr der Beweis, dass ich so unsportlich gar nicht war), aber schlussendlich bin ich es mit den Rückenschmerzen. Mich für andere zu verbiegen, Erwartungen erfüllen um mir Liebe zu verdienen, sich am Riemen zu reißen um Perfektion vorzugaukeln, integrieren um mir mein Dasein verdient zu haben, nicht zu weinen, weil ich stark sein muss und nicht zu lachen, weil mein Lachen zu laut ist, das alles hat nur eines gebracht: 30 Jahre daran verschwendet zu haben mich anzupassen.

Mag schon sein, dass ich mit 33 wissen sollte, wie mein Leben aussehen soll aber das Problem ist ja, dass das eben nicht damit vereinbar ist, was als Normal gilt, wozu dann überhaupt damit anfangen?
Ich bin gerne neben der Spur. So sehe und spüre ich mehr von der Welt. So spüre ich mich besser, als je zuvor.
Ich wollte immer ein Zuhause haben, aufhören von einer Stadt in die nächste zu ziehen, ankommen und Wurzel schlagen.
Aber ich bin keine Pflanze. Heute fühlt es sich gut an, mich nicht festlegen zu müssen; die Vielfalt der Möglichkeiten ist keine Qual, wenn ich weiß, was und wie ich sein will.
Das Unbekannte ist nicht mehr beängstigend, weil es nur im ersten Augenblick fremd ist und dann tut sich ein neues Bilderbuch auf, voller beeindruckender und mehrdimensionaler Menschen und Momente.
Vielfalt bedeutet Variation und Abwechslung. Da gibts mich nicht nur in einer Version, ich kann mich neu erfahren wann immer ich etwas Neues angehe.
Ich muss nicht verharren in einer Idee von mir wenn es so viele Fassetten zu meiner Person gibt.
Je mehr ich mich sehe, desto treuer werde ich mir.

Das Gemälde meines Lebens ist eins von vielen Pfaden, Fußspuren, die mich begleitet haben, Abdrücken von Händen, die mich aufgefangen haben und unendlichem Himmel!

Photo by visual statements