Sprachlos

Ich bin bekennende Sarkastin. Mit viel Pathos : Sarkasmus rettet mir oft das Leben. Ich kann unverbesserlicher Dummheit, blinder Arroganz und vielen anderen unangenehmen und intoleranten Charakterzügen wunderbar mit sarkastischen Kommentaren begegnen. Das Problem ist oft, dass der oder die angesprochene es nicht versteht. Genauso gut beherrsche ich Selbstironie, denn über sich lachen zu können und sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen, erleichtert mir das alltägliche Leben. Selbstironie hat für mich etwas mit Selbstsicherheit zu tun, Witze über mich ertrage ich erst seit dem ich mich selber auf den Arm nehmen kann. Ganz im Ernst, meine Tolpatschigkeit ist so ausgeprägt, dass man einfach nur drüber lachen kann. Genauso wie meine ständigen “e” und “ä”-Verdreher. Wie lange habe ich heftig mit Ä geschrieben und bin noch immer verführt, nur die Autokorrektur lässt es nicht zu. Ich wünschte die Eselsbrücke “Wer nämlich mit E schreibt, ist dämlich”gäbe es für sämtliche andere Wörter auch. Sarkasmus, Ironie und auch Zynismus funktionieren aber nur dann gut, wenn man eine Sprache beherrscht. Ich nenne das die “Herzsprache”, die Sprache, in der ich mich am heimeligsten fühle und in der ich über alles reden kann. Dabei gibt es selbst da genug Momente, in denen Worte mir fehlen um Gefühle auszudrücken. Mein Herz spricht Deutsch. Oft auch mal Englisch, aber wenn ich leide, dann leide ich auf deutsch. Die Sprache meiner Lieblingsdichter und die Sprache, in der mir keiner was vormachen kann. Warum diese Einführung? Weil ich heute wieder vor einer Situation stand, in der ich sprachlich verloren war. Drei Sprachen und keiner versteht mich. Wenn ich mich auf Sinhala versuche zu erklären, ist der Wortschatz, aus dem ich schöpfen kann, der einer 10jährigen. In meinen Augen nicht überzeugend genug und ich klinge auf mich selbst wie ein Trotzkopf. Komischerweise geht Sarkasmus ganz gut auf Sinhala, aber das rettet mich auch nicht über diese Situationen, in denen Flucht der einzige sinnvolle Weg für mich ist. Stattdessen steh ich da und grinse mein “Mir-ist-das-scheiss-unangenehm-“Lächeln und hoffe auf ein baldiges Ende der Litanei. Ich brauch dafür einen Dolmetscher, der mir das alles, was ich so einfach auf Deutsch formulieren kann, in Sinhala ummünzt. Entweder bin ich nicht überzeugend genug in meinem Auftreten als selbstbestimmtes Wesen oder meine Verwandten sind blind dem gegenüber. In ihren Augen bin ich ohne meine Eltern aufgeschmissen, hilflos, arm und verlassen. Dafür  gibt es nur eine Lösung. Ich dachte, ich hätte die letzten Tage gezeigt, dass ich sehr gut allein zurecht komm und ein tolles Leben führe. Aber es stößt auf taube Ohren. So gebe ich Versprechen, die mir die Tränen meiner Großmutter abzwingen, die ich aber nicht halten kann. Aber wenn ich ihr sage, dass ich glücklich bin und derzeit für eine Veränderung keinen Grund sehe, sind es Krokodilstränen. image So verlasse ich die Insel. Zwischen zwei Stühlen zu sitzen hat auch seine Nachteile. Gemütlich ist es doch nie wirklich.

Kalutara

Gegen Zugfahrten hatte ich noch nie viele Einwände, wenn sie eine gewisse Zeit nicht überschreiten, möglichst aufregend (im Sinne von meiner allzeit beliebten Beschäftigung “Leute gucken” oder Schöne Natur genießen zu können) und/oder bequem sind.
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Heute ging es von Matara nach Kalutara. Wir entschieden uns für die 2.Klasse, die, außer dass sie weniger überfüllt ist wie die 3.Klasse, keine sichtbaren Vorteile birgt. Die Sitze laden dort wie da aufgrund der “Laminierung” zum fleißigen Schwitzen ein, dem auch der paarweise pro Wagon angebrachte Decken Ventilator nichts entgegen zu setzen hat!
So fahren wir volle Fahrt voraus und strecken den Kopf beim offenen Fenster hinaus und atmen die verrauchte Luft der Lok ein. Alle paar Minuten gibt sie ein Pfeifen von sich, das jeden in der Nachbarschaft aus dem Nachmittagsschlaf reißt- derjenige ist aber auch selber Schuld, wer ein Haus an den Gleisen baut, muss wohl des öfteren mit einer Geräuschbelästigung rechnen.
Der Zug ist bestimmt noch aus der Zeit der Kolonialmächte, ein Monstrum aus Metall und Holz (laut meinem Vater inklusive Flöhe in den Ritzen der Fensterrahmen, denn er wurde gebissen. Behauptet er.)

Bis Galle ist der Zug eine Tschutschu-B an, die an jeder Haltestelle anhält; mein Vater war über diese Tatsache sehr ungehalten, denn so kam der Zug nicht zum gemütlich dahin schaukeln und mein Vater deswegen nicht zu seinem Schläfchen.
Nach Galle nimmt der Zug Fahrt auf und bringt uns ohne Stop nach Kalutara.

Die Zugfahrt erinnert mich an unsere Reisen in den indischen Zügen.
So bald ein längerer Aufenthalt angesagt wird, steigen sämtliche Buchladen-Besitzer in den Zug und verkaufen Shrimps – Wade, Nüsse und Wasser. Aber auch Lose für das große Glück auf die Million.
In Indien konnten wir den Rhythmus schon auswendig: “Pani, Pani, Pani!!!” Oder auch “Chaiii, Chaiii, Masalachaiiii!”
Unser Liebling war aber immer “Eggsandwich, Eggsandwich”, denn wir verstanden “Eastsandwich, Eastsandwich” und wir sangen weiter “Westsandwitch, Westsandwitch!!”

In Galle riskiere ich unser alle Mägen, weil es mich so nach den Fish Chinese Roll (ich habe keinen blassen Schimmer warum Chinese)gelüstet, die am Bahnsteig verkauft werden. Mich schreckt auch nicht die Tatsache ab, dass der Typ die Rolls mit bloßen Händen angreift. Hier behalte ich mir meine Naivität und bin überzeugt, er desinfiziert sich IMMER die Hände.
Ich Routinekamikazin trinke ja sogar Leitungswasser!

Die Fahrt führt an den schönsten Stellen der Westküste vorbei und das Meer funkelt wie Edelsteine und die weltberühmten (weil auf vielen Postkarten der Garant für Urlaubsfeeling)Palmen hängen gen Strand und bieten Schatten, so fern man sich traut eine (im wahrsten Sinne des Wortes) Kopfnuss beim genüsslichen “unter einer Palme liegen ” in Kauf zu nehmen. Es wird auch von Toten durch herab fallende Kokosnüsse berichtet. Nur ein wahrer Dickschädel könnte so einen Unfall überleben.

Nun sind wir endlich im Haus meiner Verwandten mütterlicherseits angekommen. Hier befinden wir uns in so einer typischen bewohnten Baustelle. Das Haus ist schon seit Jahren eine solche, es erinnert in keinster Weise mehr an das Haus meines Großvaters. Alles ist oder wird umgebaut. Der nackte Zement lacht von vielen Stellen der Wand ,man läuft auf groben Stein und einer dicken Schicht Staub und die Räumlichkeiten sind wie ein Irrgarten angeordnet.

Früher war ich immer am liebsten in Kalutara, das Licht war schummrig und die Atmosphäre romantisch ob ihrer Einfachheit. Der frappierende Unterschied zu meiner väterlichen Familie. Die Familie meiner Mutter ist einfach, unverfälscht in ihrer Genügsamkeit und Zufriedenheit mit ihrem Leben.
Auch das Essen schmeckte anders, weil meine Tanten Geschichten erzählten, während sie draußen am Feuer kochten. Sie kochen auch heute noch draußen am offenen Feuer in Tontöpfen.
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Mein Großvater war damals Polizist und er hatte immer ein Faible für die Englische Sprache, er wirkte auf mich als kleines Mädchen auch so, immer nur in Hose und Hemd und ständig eine Zeitung oder ein Buch in der Hand. Er hatte eine sehr angenehme ruhige und leise aber bestimmte Stimme, wie trauten uns nie ungehorsam zu sein, die Strafe wäre schrecklich gewesen. Sein Wort war Gesetz und er wiederholte sich nicht gerne.
Meine Mutter erzählt gerne davon, wie sie Angst hatte ihm ihre Mathe Aufgaben zu zeigen, weil er sich dann samt ihres Heftes kurz zurückzog um mit mehreren Seiten voll mit ähnlichen Aufgaben zurück zu kommen um ihren Nachmittag zu ruinieren. (sie quälte uns auf ähnliche Weise, daher hält sich mein Mitleid in Grenzen, ihretwegen hatte ich Algebra Albträume) Um Papier zu sparen musste sie mit ihren Geschwistern diese am Boden machen, bis er irgendwann voll gekritzelt war mit Algebra. Das blieb uns erspart, es wäre auch der Parkettboden nicht so standhaft gewesen wie ein Steinboden.
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Heute stöbere ich genüsslich in den alten Büchern meines Opas und muss feststellen, dass er eine Vorliebe für Kurzgeschichten und Gedichte hatte. Es gibt kein Buch, dass nicht Notizen von ihm am Rand trägt, fein säuberlich mit einem gut gespitzten Bleistift geschrieben. Er hat eine “Dschungelbuch” Ausgabe aus dem Jahre 48 mit schönen Skizzen, aber so wurmzerfressen und arm an fünfzig Seiten, dass wenn wir es und trauen würden, es zum Altpapier bringen sollten. Sagt sich leichter als es dann ist, wir werfen ja auch ein Stück Opa mit weg. Die Bücher sind ein Vermächtnis, da steckt seine Leidenschaft und Klugheit drin.
Ich nehme mir ein Band “Short Stories”mit und bin schon sehr neugierig auf was für Randnotizen ich stoßen werde.

Hier in Kalutara gibt es aber auch ein Riesen, darmverknottendes Problem. Das Plumsklo. (Im Fachjargon auch Trockentoilette genannt, da keine Wasserspülung vorhanden ist, somit klärt sich auch die Frage über die Begriffe “wet”und “dry” Toilett in Pinnawela!)
Als Kind war das ja Gang und Gäbe und nie ein Problem, aber kaum war ich in Österreich und saß zum ersten mal richtig komfortabel am WC, verlernte ich es, mich beim Plumpsklo-Gehen nicht anzupinkeln. Seit Indien gehört das jetzt wieder der Vergangenheit an. Da wäre es sonst nämlich mit einer Blamage geendet, wenn ich mir auf einer zehnstündigen Zugfahrt den Toilettengang verkniffen hätte. Aber meine Nieren waren so angeekelt und mein Darm im Ausland eh immer träge, dass es auf das nötigste reduziert werden konnte. Jetzt stehe ich seit gut sieben Jahren wieder vor dem Problem. Aber in Retrospektive war es Pipifax! (ach, die Wortspielereien sind doch was lustiges!) Ich sehe es jedesmal als eine gut durchgeführte Kniebeuge bzw eine saubere Abfahrerhaltung.

Am nächsten Tag sind wir mit dem Bus zurück nach Matara gefahren, über den zu berichten ist mir zu langweilig, da er mich durch seine Fahrt über die Autobahn jeder Aussicht beraubt und so nichts anderes übrig bleibt, als Ausschau nach Pfauen zu halten.

Quellen:
Zug Flickr

Matara

Ich bin seit 2 Tagen in Matara, unserer Geburtsstadt. Viel ist in der Zeit nicht geschehen, ich habe mich mit der Wahl beschäftigt (noch keine finalen Ergebnisse), Ärztin für sämtliche Wehwehchen der Familie gespielt- derzeit ist meine Mutter mein Sorgenkind. Ansonsten wandere ich durch das Haus und lass Erinnerungen wieder auferleben.
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Unser Haus ist groß und kann nur über einen sehr fragwürdig engen von 2 hohen Mauern begrenzten Weg erreicht werden, dessen Anfang schon so einige Knöchel verrenkt und einige Schürfwunden verantworten musste. Nur der mutigste und gewiffteste Autofahrer schafft es überhaupt über die zwei wacklicken Betonplatten, die den Weg zum Haus von der Straße über eine breiten Abfluss beginnen. Der  Winkel, der dabei zu schaffen ist, ist so eng, dass schon so einige Fronten und Lackierungen daran glauben mussten.
Meine Mutter erzählt mir immer gerne eine Geschichte, wenn ich gemein oder in ihren Augen undankbar bin um mich mundtot zu kriegen, und zugegeben, sie schafft es immer wieder, wenn ich nicht schnell genug bin ihr über den Mund zu fahren.
Meine Eltern waren von einer Reise zurück und da eben die Einfahrt zu heikel war, beschloss meine Mutter mich, ihre 1jährige Tochter, lieber das kurze Stück zum Haus zu tragen. Wäre sie mal lieber sitzen geblieben. (So müsste ich mir diese Anekdote nicht wieder und wieder aufs Brot schmieren lassen)
Beim letzten Schritt aus dem Van, muss sie gestolpert sein, mit mir am Arm! Die wertvolle Pracht!
Damit ich mir ja nichts tue, habe sie sich so auf den Weg fallen lassen, dass ich möglichst sanft auf ihr zu liegen käme und sie dafür die übelsten Verletzungen davon trug. Ob das wohl nur eine Mähr ist?

Der Gulli am  Anfang des Weges ist noch immer da und noch immer hässlich, aber hier legt man ja nicht viel Wert auf ein gutes Straßenbild oder Hygiene, wie es scheint. Wenn man zu knapp daran  vorbei läuft, kann es schon mal leicht sein, dass man einen Tritt ins Abwasser Mataras macht- nicht zu empfehlen.

Bei fast jedem Besuch in den letzten Jahren, vor allem, als mein Großvater noch am Leben war, gab es ein Projekt. Eines war mal, das Haus von Unrat zu befreien. Diesen Plan hat mein Vater aber ohne das Wissen und vor allem ohne die ausdrückliche Genehmigung meines Großvaters geschmiedet. So entwickelte sich das Projekt für meinen Vater zur Sisyphos – Arbeit. Alles, was er hinausschaffte, schaffte mein Opa hinter seinem Rücken wieder zurück ins Haus und versteckte es wo anders. Endgültig platzte ihm der Hutkragen, als mein Vater ganze Säcke voll Dokumente in den Gulli warf. Mein Großvater raffte seinen Sarong und wild schimpfend, wie verantwortungslos mein Vater sei, ¨sowas könne ja noch wichtig sein!¨, rannte er zur Straße um die Papiere zu retten, die nichts weiter waren als alte Rechnung der früheren Firma.

Mein Projekt war wenige Jahre vor dem Tsunami 2004, Fotos vor dem Untergang zu bewahren. Diese waren schon so zerfressen und aufgeweicht gewesen, dass gut die Hälfte in den Müll wanderte. Das ist eins der Nachteile, direkt am Meer zu wohnen, abgesehen davon, dass wir unmittelbar jede weitere Welle mit offenen Armen erwarten und man sich nur noch aufs Dach retten kann.
Erst hielten mich meine Eltern für bescheuert, als ich die Koffer mit alten Bildern und Negativen füllte, aber sie schauten nicht schlecht, als 2004 einfach alles zerstört war. So hatten wir wenigstens noch Fotos. Mein Bruder rettete ein paar Langspielplatten (u.a Woodstock, BeeGees) vor dem Wasser und ich noch die alten Pässe meines Vaters, die voll waren mit den Stempel der exotistischten Länder dieser Welt! Alles andere, was im Erdgeschoß war, ging mit dem Wasser dahin. Meine Großmutter beobachtete die Welle vom 2.Stock aus, in dem sie meine Tante gerettet hatte.

Dem Tsunami haben wir den heutigen Fliesenboden zu verdanken, der um so vieles einfacher sauber zu halten ist, als der alte Belag, den wir als Kinder, wenn wir Besuch erwarteten oder (noch unnötiger) beim regelmäßigen Hausputz, auf den Knien rutschend mit Kokoshaaren polierten, bis wir selbst ganz rote Knie und Hände hatten, aber dafür glänzte der Boden wie ein Spiegel (also nicht in allen Winkeln, aber da sah doch eh keiner hin).

Mein Lieblingsraum ist das Büro meines Vaters mit der weißen Bücherwand und dem grasgrünen Tresor. Heute ist das Regal mit einer Folie behangen und der alte Zauber, in Papas Sachen zu stöbern, verflogen.

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In den Schulferien, die wir jedes zweite Jahr in Sri Lanka verbrachten, musste ich an diesem Tisch entweder Mathe machen oder Sinhala lernen, gegen beides übte ich den heftigsten Protest. Was für ein Quatsch in den Ferien Mathe zu lernen oder sinnlos immer wieder ein ‘‘ zu malen. Es hatte auch gar keinen nennenswerten Erfolg! Ich konnte weder besonders in Mathe glänzen, auch so ein schwerer Schlag für meine Mathe-verliebte Mutter, noch schön Sinhala schreiben. Ich fand damals mit 11 schon, dass sie zufrieden sein sollte, dass ich es sprach, für die einmal im Jahr an meine Großeltern gehende Karte zu Neujahr war es doch etwas viel Mühe, dass ich dafür meine Ferien opfern sollte. Meine Schrift konnte eh niemand lesen. Ich schriebe wie ein Baby, hieß es immer. Das war es dann auch mit meinem Gutwill.

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Wenige Minuten Fußweg vom Haus erstreckt sich ein wunderschöner Strand, der leider nicht zum Baden herhällt.
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Aber Wassertreten und den Sonnenuntergang genießen, heimlich sich treffenden Pärchen bei ihrem Stelldichein unter einem Schirm zu beobachten und auf die Suche nach einer schönen Muschel zu gehen hat auch ihren Reiz.
Unweit dieses Strandbereichs befindet sich auch meine alte Schule. ¨The Convent¨ mit einer in Sri Lanka bekannten Marienstatue, die Geschichte dazu kann ich aber nicht wiedergeben. Ich bin hier nur ein Jahr gegangen, bevor wir nach Österreich auswanderten. Aber soweit ich mich erinnere, hatte ich Spaß. Ich trug ein knielanges strahlendweißes Kleid mit Ansteckkravatte und die Haare zu zwei Zöpfen. Ich hatte eine Freundin, an deren Namen ich mich aber leider nicht erinnern kann und ich glaube, ich konnte mich nicht mal bei ihr verabschieden.
Die Nonnen in der Schule waren gemeingefährlich, für alles drohte einem eine schlimme Strafe. So war es auch bei uns. Ich klaute meiner Mama aus ihrer Sparbüchse 2 oder 5 Rp um mir in der Pause damit Chili-Nüsse zu kaufen. Ich weiß heute noch nicht, ob meine Mutter von dem Diebstahl weiß. Ich musste ja einen Moment abpassen, in dem sie gerade beschäftigt war und dann auch so vorsichtig mit der Büchse sein, weil die bei jeder Bewegung unglaublichen Krach machte!
Ich kaufte die Nüsse für uns und sie schmeckten herrlich. Aber die Strafe war doch etwas übertrieben. Denn für das Verlassen des Schulgeländes während der Schulzeit erhielt ich mehrere Hiebe mit dem Lineal auf die Hände. Körperliche Misshandlung als Form der Erziehung war in Sri Lanka gang und gäbe. Ich hab meine Portion Erziehung bekommen, hat dennoch nichts gebracht!

Wir hatten damals 2 oder 3 Hausangestellte, einer davon fuhr mich immer zur Schule. Dafür saß ich auf der Mittelstange seines uralten Drahtessels und hielt mich am Lenker fest. Wir hatten meist eine gute Geschwindigkeit drauf und ich liebte es dabei meine Zunge in den Wind zu strecken, bis sie ganz trocken war um sie dann wieder in den Mund zurück zu ziehen und dieses lustige Gefühl zu analysieren, wenn die Zunge wieder ¨zum Leben erwacht¨. Wenn er einmal nicht konnte, fuhr ich mit anderen Kindern in der Riksha zur Schule. Meine Lieblingsjause, bei der sich mir heut die Zähennägel aufrollen, war Toast mit Butter und- man halte sich fest- Zucker! Sehr nahrhaft. Vielleicht bin ich deswegen so klein??!
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The Van of Reminiscences

Ich liege mit Blick auf das Autodach in unsrem Van, das über die buckligen (mit bucklig meine ich wannentiefe Schlaglöcher ) Straßen stolpert, auf dem Weg zurück nach Colombo. Der Trip diesmal ist nur eine kleine abgespeckte Version von den Tours, ,die wir sonst in Sri Lanka gemacht haben. Ich erinnere mich, wie meine Mutter mit unserer Oma und Tanten am Vortag der Reise bis spät in die Nacht das Essen vorbereiteten und alles in Dosen füllten. Am nächsten Morgen ging es los. Sämtliche Tanten,Onkel, Cousins in fast jedem Alter, vom Säugling bis zum Teenager, stopften sich in einen 8-Sitzer, immer am Vordersitz unser Großvater, stets adrett im weißen Ausgeh-Sarong und hielt, als mein Bruder noch klein(und niedlich) war, diesen am Schoß. Das war der beste Platz im ganzen Auto! Denn hinten war es eng und laut, was für uns Kinder der größte Spaß war und für unsere Eltern wohl wie eine Erfahrung als Dompteure in Flohzirkus. Um uns etwas zu bändigen, gab es Geschichten über das alte Königreich und Witze zu Hauf. Wenn auch die zu Ende gingen, schob unser Fahrer eine Kassette ein und es sangen alle zu den Oldies but Goldies des srilankan Schlager mit. Ich hielt mich zurück und mir die Ohren zu! Das war sogar mir zu laut und zu schräg. So fuhren wir, immer wieder mal anhaltend, um uns die Beine zu vertreten, hinter einem Baum aufs Klo zu gehen und andere solcher Dinge, bis in die Bergdörfer. Früher gab es keine Klimaanlage in den Autos, das bedeutete wir rissen alle Fenster auf und hielten unsere Köpfe in den staubigen Wind des Straßenverkehrs. Der Hunger hielt sich so auch in Grenzen, denn unsere Mägen waren mit Staub gefüllt und er knirschte zwischen den Zähnen. Solche Reisen waren als Kind ein Luxus auch ohne AC. Das erste was mein Bruder und ich taten, als wir vom Flughafen abgeholt wurden, war uns bis auf die Unterhose ausziehen, unsere Art der Aklimatisierung. Heute geht das nicht mehr ohne alle Blicke auf mich zu richten und den direksten Weg ins Gefängnis zu nehmen. image In Bandarewella leben Verwandte von uns, die beide Lehrer waren. Wie es üblich ist in Sri Lanka, geben Lehrer Nachhilfe. Nicht etwa aus Gutmütigkeit, sondern aus lukrativen Gründen. Die öffentlichen Schulen hier genießen den Ruf, nicht die notwendigen Dinge zu lehren, sondern stattdessen teure Nachhilfestunden anzubieten, die die Schüler auf die Prüfungen vorbereiten. So eine private Stunde lässt sich der Lehrer, der in der Schule keinen ordentlichen Unterricht abhält, gut bezahlen. Die Eltern, die schon Not haben, den Lebensunterhalt zu verdienen, müssen zudem noch einen Kredit aufnehmen um den Kindern eine Bildung zu ermöglichen. Es ist grotesk und traurig. Geld hat hier eine so elementare Bedeutung, dass der Mangel davon sich auf sämtlichen Ebenen bemerkbar macht. Der Staat kommt für kaum etwas auf, eine Krankenversicherung existiert nicht. Lediglich die General Hospital bieten eine unentgeltliche Versorgung. So zurück zur Geschichte. Die erwähnten Verwandten hatten ein eigens eingerichtet Klassenzimmer, in dem wir Kinder den ganzen Tag Schule spielten. Aufgrund meiner Brille, die mich mit zehn Jahren aussehen ließ, wie eine strenge Bibliothekarin, musste ich all zu oft die Lehrerin sein. Bandarewella ist eine schöne Gegend mit für Sri Lanka unüblichen Kälte. Es hat wohl so an die 20G C. Was wahrlich eine Abkühlung bedeutet, wenn man bedenkt, dass wir vorher kuschelige 35G C hatten. Duschen war daher eine besonders mutige Angelegenheit: 1) die Dusche bei unseren Verwandten war draußen. Mit draußen meine ich die klassische”Bucket shower”. 2) das Wasser war so kalt, dass mir sogar jetzt noch die Zähne klappern, wenn ich daran denke. Gewaschen habe ich mich demnach nicht wirklich. Ich pritschelte bißchen mit dem Wasser und hatte dann das Problem, dass mit nur bisschen Pritscheln die Seife nicht abzuwaschen war. So musste ich mich zum finalen Kübel Eiswasser überwinden. Ich sag es nicht oft genug, aber da lernte ich es auch: erstunken ist noch niemand, erfroren hingegen viele! Wir machten Spaziergänge in den Teeplantagen in der Gegend von Nuwara Eliya und kamen mit etlichen Blutegeln zurück. Wir besuchten das alte Hill Club, in dem nur Nicht-Srilankan und exklusive Mitglieder erlaubt sind, einem der typischen englischen Bauten auf der Insel, dessen Charm es trotz der Diskriminierung nicht verloren hat. Dunkles Holz und alte Ohrensessel, gedämpftes Licht und Zigarren machten den Eindruck perfekt. Natürlich mischen sich hier auch nicht die Geschlechter, die Damen haben ihren eigenen Bereich. image Auf unseren Touren haben sich immer irgendwelche Dinge ereignet,aber das, woran sich wirklich JEDER, der dabei war erinnern kann, war, als meine knapp 1jährige Cousine vom Stiegengeländer fiel. In Sri Lanka war ich schon in so einigen Häusern und die meisten davon waren bewohnt, bevor sie überhaupt bewohnbar waren, so lebten die Leute oft Monate wenn nicht sogar Jahr auf einer Baustelle, bis sie eines Tages ¨betriebsblind¨ wurden und mit dem Chaos assimiliert waren. Unsere Verwandten (Halbbruder unseres Großvaters ) in Bandara Wella hatten ebenfalls so ein halbfertiges Haus, als wir damals zu Besuch kamen. Er erklärte uns, dass das Stiegengeländer wohl bald käme und wir sollten nur aufpassen, dass wir nicht ausrutschen, denn sonst könnten wir uns den Hals brechen! Meine 1jährige Cousine sprach damals ihrem Alter entsprechend nicht so flüssig Sinhala und hat ihre Fragen wohl nicht gut genug vorbringen können, worauf genau sie achten sollte. So kam es, wie es kommen musste. In der für ihre Altersgruppe typische, beinahe an Zauberei grenzende, Geschwindigkeit war sie die Stufen hinauf und ums Eck geklettert, als sie in dem Moment vom Rand fiel, als wir bemerkten, dass sie überhaupt weg war! Mit einem dumpfen Knall landete sie am Boden und hatte gut 2m Höhe zurücklegt. In der für uns Dewasurendra eigenen Art, schrien erst mal ALLE gleichzeitig durch die Gegend, glaubten unsere kleine Sindy schon tot, bevor endlich meine Tante zu ihr eilte. So weit ich mich erinnern kann, war sie so fidel wie vorher, wenn nicht sogar noch mehr ob ihrer ersten Flugerfahrung. Dank der notwenidgen Windel, war sie nämlich recht sanft gelandet und schlug sich erst nach dem Aufprall den Kopf. Ihr Vater, mein Onkel Kamal hatte das lauteste Organ der ganzen Familie, wenn er schrie,dann erschraken sämtliche Spiegel im Haus und alle Hunde suchten das Weite, so markerschütternd war sein Gebrüll in Tenor. Dabei sprang ihn der Adamsapfel beinahe aus der Kehle! Man muss sich das mal vorstellen, mein Onkel war dünn wie eine Bohnenstange, Sarons saßen nie gut an ihm, weil sie einfach herab rutschten, wenn er den Knoten nicht fest genug band. Ich glaube,das war einer unserer letzten Trips mit ihm bevor er an einem plötzlichen Herztod verstarb, damals hätten wir aber alles darauf verwettet, dass er vor lauter Gebrüll sterben würde! Die Kleine war zwar wohl auf, aber da sie doch heftig am Bauch auch gelandet war, wurde sie in der Nacht noch ins Krankenhaus gefahren. Es war aber alles in Ordnung. Diese Anekdote bekommt Sindy von uns gerne vorgesetzt, denn es war einfach zu komisch (sag ich jetzt, da alles gut gegangen ist). Ja, etwas, was dominant weiter vererbt wird bei uns, ist unsere Fähigkeit zu Brüllen wie Löwen, völlig gleichgültig der Tatsache gegenüber, dass wir im Unrecht sein könnten. Mitten im Geschrei zur Besinnung zu kommen, ist ja nur der halbe Spaß! So fällt es uns auch recht schwer, einzugestehen, dass wir übertrieben haben. Diesmal sind wir nur zu viert, haben also so viel Platz, dass wir gar nicht wissen wohin damit, aber lustig war es dennoch. Papa brachte seinen ¨Bon Appetit, Premadasa”- Witz zu besten, der folgendermaßen geht (ich bitte um Verständnis, ich bin eine Vollniete was Witzeerzählen angeht): Premadasa aus Sri Lanka befindet sich in Frankreich. In einem Restaurant nimmt neben ihm ein Franzose Platz, als das Essen kommt, wünscht der Franzose ¨Bon Appetit¨ und Premadasa antwortet ¨Premadasa¨. Am nächsten Tag treffen sich die beiden wieder und der Franzose wünscht ihm erneut ¨Bon Appetit¨ und Premadasa antwortet ¨Premadasa¨. Er findet das doch sehr komisch, dass der Kerl sich ihm jeden Tag vorstellt und erzählt die Geschichte einem Kumpel. Dieser lacht ihn aus schimpft ¨Du Vollidiot, er hat dir einen Guten Apetit gewünscht!¨ Premadasa war sehr beschämt und wollte nicht als Dummerchen dastehen, also wartete er auf eine Gelegenheit. Am nächsten Tag kommt der Franzose wieder und Premadasa kommt ihm zuvor und sagt ¨Bon Appetit¨ und der Franzose antwortet ihm: ¨Premadasa¨ Hm, war der jetzt komisch oder nur schlecht? Auf Sinhala ist er wohl lustiger. So. Zu ernsteren Dingen. Am 08.01 finden in Sri Lanka Präsidentschaftswahlen statt. Mahinda Rajapaksha ist ähnlich wie Putin zum wiederholten Präsident geworden bzw geblieben, nun stellt sich ihm ein Gegner, der ihm ernstlich gefährlich werden könnte, wenn er seine Wahlmanipulation nicht gut genug durchführt. Wahlen werden hier ganz anders und so plakativ (im wahrsten Sinne des Wortes, das Land ist ZUGEKLEBT mit den hässlichsten Plakaten und überall lacht das Counterfeit des noch amtierenden Rajapaksha einem entgegen. Unter ihm ist das Land nur noch korrupter (2013 CPI Platz 91- 12 Plätze schlechter als 2012) geworden, nur von dem Glanz Prabakaran ausfindig gemacht und getötet zu haben (davon kursierten dann die widerwertigsten Fotos als Beweis)zu leben, ist zu wenig, wenn das Land danach nicht den Aufschwung erlebt, den es verdient hätte. Stattdessen verschuldet es sich bei China wegen des Baus der Autobahn und verkauft eine Firma nach der anderen ins Ausland. Die versprochene Wiederaufbauarbeiten im Norden laufen nur schleppend, den Kriegsopfern wurde zu wenig ihres Hab und Guts zurückerteilt, etc etc. Im Fernsehen laufen derzeit nur noch Propaganda-Filmchen, wie toll nicht beide seien oder wer woran Schuld sei. Das wird nur durch Telenovelas unterbrochen. Hierzulande befürchtet man Aufstände wenn Rajapaksha verlieren sollte und man erwartet den 8. Jänner mit Angst und Schrecken vor Ausgangssperren und sonstigen Einschränkungen. Wir werden sehen. image In diesem Land gibt es so viel Armut (BIP pro Kopf: 5.700 USD, unter dem für ein sich ökonomisch entwickelndes Land errechneten Wert, Staatsverschuldung beträgt 79% des BIP), es blutet mir hier das Herz, dabei ist es omnipräsent überall auf der Welt. Vielleicht reagiere ich so, weil es mir so gut geht und ich diese Sorgen nie kannte. Ich möchte all den armen Menschen, die für paar Rp Obst und Gemüse verkaufen, am liebsten ihren ganzen Stand abkaufen und noch mehr dazu legen, aber das geht auch nicht. Es würde sich nichts für die Menge ändern. Daran hilft auch nichts, dass mein Vater in eine Moment der Verwirrung die falsche Telefonnummer zum Aufladen gegeben hat und so freut sich seit gestern ein Mensch über 1000Rp am Telefon, für die er sonst 1 Woche gearbeitet hätte. Es fasziniert mich doch immer wieder in der Heimat zu sein. Ich stelle mir dann immer wieder aufs Neue die Frage, ob ich hier je leben könnte. Intuitiv ist es immer ein Nein. Quellen: Hill Club CPI und BIP

Elefanten!!!

Es ist der 2.Tag und ich hänge noch immer meinem Schlafbedarf hinterher! Heute früh machten wir uns rechtzeitig auf den Weg Richtung Pinnawela,dem Elefanten-Waisenhaus! Hab ich schon mal erwähnt, dass ich diese Geschöpfe schlichtweg liebe? Ich bin fasziniert… Bereits am Weg dorthin haben wir ein paar Elefanten gesehen und meine Eltern beschwichtigten mich wiederholt, wann immer ich keinen guten Blick erhaschen konnte, dass ich ja eh bald genug Elefanten sehen werde! Der Einwand wollte mir nicht eingehen…. Wir reden hier doch von Elefanten, nicht von den Straßenhunden oder den Affen!

Ich fühle mich weniger wie eine Einheimische als eine Touristin und ich bin bereit den ¨Touristenpreis¨ zu zahlen, aber hier in Sri Lanka ist es eine besonders dreiste Art der Abzocke! Der Einheimische bezahlt 100Rp, während der Tourist 2500Rp hinblättert! Das 25fache!!! Ich frage mich, wann der Aufstand beginnen wird… Achja, einziges Extra für mich Touri:”dry toilett¨ statt ¨wet toilett¨. Der Unterschied? Ist meinerseits rein hypothetisch: Im ¨dry¨ Bereich  ist alles (Achtung Wortwitz) pippifein, Toilettenpapier in Hülle und Fülle. Da war meine Schlussfolgerung, dass der ¨wet¨ Bereich entweder noch ein Plumpsklo hat und oder eine Brause zum Popo-Waschen. Wer wird hier jetzt wirklich diskriminiert?

Zurück zu den Elefanten: Wir kamen zwar zu spät zur Fütterung, aber sie waren bereits am Fluss und plantschten.
Bestimmt waren sie sich im Klaren, dass die zuschauenden Menschen sie um ihr kühles Nass beneideten, denn die Hitze knallte mit einer solchen Wucht herab, dass ich förmlich riechen konnte, wie die Haut manch eines Besuchers zu bruzeln begann. Ich genoss die Hitze und das Gefühl auf den Füßen, die bei mir immer als erstes schwarz werden.

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Ich entdeckte mit meinem Cousin eine Stelle, an der eins der ältesten Tiere der Gruppe gestreichelt werden durfte. Sie hieß Manivilla, oder so ähnlich, benannt nach ihrem Geburtsort. Sie war schon so an den Kontakt mit dem Mensch gewöhnt, dass sie sich widerstandslos von mir streicheln ließ. Die kurzen Borsten der Haut fühlten sich wie Bürstenhaare an und die Haut war ganz rau und runzlig, sie war wohl schon etwas älter die Lady.
Um Punkt 12:00 versammelte sich die ganze Herde um den Rückweg anzutreten, vorne voraus die Lady. Schon eine Wucht, wenn an die 30 Elefanten bei einem vorbeiziehen, brav in der Reihe verbleibend und die Jungtiere ganz  eng an die Mutter gedrängelt, und immer wieder mit dem Rüssel nach Bananen greifen! Nicht selten griffen sie ins Leere oder statt an eine Banane zu kommen, hatten sie einen Arm eines Touristen .

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Zweiter und letzter Stop des Tages ist der Goldene Tempel in Dambulla, ein in einen riesigen Stein gegrabener Tempel mit prächtigen Wandmalereien, die diverse Geschichten des Buddhismus oder Buddha selbst in vielen Lebenslagen und andere Mönche zeigten. Der Weg ist nicht gerade gemütlich und führt über mehrere steile Stufen entlang der Längsseite  des Steines. Mein Vater schwenkte bereits nach wenigen Stufen die weiße Flagge und meine Mutter, mein Cousin und ich machten uns alleine weiter auf den Weg. Ich wusste ja, dass es sich lohnen würde!
Es befinden sich drei liegende Buddhastatuen in  den drei Räumlichkeiten.
Ich habe es ja schon einige Male erwähnt, dass eine Ruhe von den Statuen ausgeht, die mich vergessen lässt, dass ich schwitze, dass die Steine teilweise noch glühend heiß sind und andere Vergänglichkeiten. Wenn ich dann schließlich auch dieses Lächeln auf den Statuen länger betrachte, muss ich selbst über so manches läncheln und werde daran erinnert, wie einfach das Leben doch wäre, wenn man nicht anhaften würde.

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Der Abstieg vom Stein wurde von einem wunderschönen Sonnenuntergang über den tropischen Wäldern umspielt und im Nu waren wir in Begleitung vieler Makakken wieder  unten beim Auto.
Nun sitze ich im Sigiriya Resthouse, müde aber in freudiger Erwartung auf den morgigen Tag: Da besichtigen wir die Wandmalereien im Sigiriya Stein.

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Um 7:00 des nächsten Tages stärkten wir uns mit einem sehr mikrigen Frühstück aus labbrigen Toast, fett-triefenden Würstchen und meiner Meinung nach Malz-Kaffee und brachen schließlich Richtung Sigiriya auf.
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Das letzte Mal, dass ich den Stein bestieg war vor gut 15 Jahren. Damals waren die Sicherheitsvorkehrungen aber bei weitem nicht so wie heute. Ich habe, zugegeben eine meiner wenigen Schwachpunkte (Sarkasmus!), eine ziemlich ausgeprägte Fall-Angst, nicht etwa Höhenangst. Himmel sei Dank, denn von oben betrachtet ist ja fast alles herrlich, aber das Problem ist eben, das IMMER damit einhergehende Fallpotential! Ich strotzte aber meiner Angst und bestieg die windigste Stelle mit den Blick starr nach oben direkt Richtung gleißende Sonne gerichtet. Heureka! Von oben bietet sich ein faszinierender Blick über das Land, es ein saftiges dunkles und dichtes Grün, welches immer wieder an manchen Stellen durch Seen und Bäche, sowie mehrere Stupen und Buddhastatuen dekoriert ist.
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Sigiriya ist für seine einzigartigen Fresken bekannt, diese sind aber auch ohne Übertreibung von einer

Schönheit, leider an manchen Stellen nicht so gut erhalten, wie man es sich für ein Weltkulturerbe wünschen würde. Ursprünglich soll es 500 dieser Gemäldge gegeben haben,

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heute findens sich nur 22 davon.

Die Geschichte zu Sigiriya ist die, dass der Sohn Kassapa seinen Vater Dhatushena umbrachte um die Regentschaft an sich zu reißen, da er nur zur Hälfte an seinen Erfolg glaubte, baute er sich als Versteck 491 n.Chr Sigiriya um sich dort vor den Halbbruder Moggallana in Sicherheit zu bringen, aber mit Recht glaubte er nicht an seinen Plan oder war einfach nicht gut genug, auf alle Fälle fand Moggallana, der aus seinem indischen Exil zurückkehrte, ihn und brachte ihn kurzer Hand um, wie man das früher halt so praktizierte.

Ceylon

Vor fast genau sechs Monaten saß ich auch in einem Flughafen
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, nur diesmal mach ich mir weitaus mehr Sorgen als damals! Ich bin nicht nur nicht allein, ich bin überhaupt gar nie allein in den kommenden 16 Tagen! Ich bin umgeben von der sich wie Confetti im Haar anhaftenden Familie Dewasurendra. Non stop.
Das macht mir Angst. Ich habe das Gefühl, seit der letzten “Heimreise” sind Lichtjahre vergangen. Ich erinnere mich zurück und erkenne mich kaum wieder und da wurde ich schon staunend ob meines “unmarried?!? Reeeeeaaally?!? still?” – Status beäugt. In deren Augen müsste ich Schlag 30 wohl zu Staub zerfallen sein, wenn mir nicht die rettende Hand einen Ring ansteckt und mich vor dem Fluch der Unverheirateten Tochter /Schande der Familie bewahrt.
Ich bin nicht zu Staub zerfallen, gehe auf die 32 mit einem Grinsen entgegen und mein Ringfinger erfreut sich seiner Freiheit!
Ja, jetzt, so 4000km weit weg, habe ich gut lachen. Ich wünsche mir, ich möge meine Souveränität auch dann behalten, wenn die tätschelnde Hand der Tante meines Vaters dritten Grades auf mich zukriecht und mir die Pflichten einer Tochter erklärt. Was waren die nochmal? Aja, heiraten, Kinder kriegen, Mund halten und kochen. Vier Dinge, die ich nicht kann. Macht mich bestimmt und HOFFENTLICH zu total schlechtem Heirats-Material!

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Worauf ich mich freue? Auf meine Oma, meine Cousinen, die mir wieder erklären werden, wie ich mich in Sri Lanka anzuziehen habe (ich habe aber vom letzten Mal dazugelernt und wohlweislich das Minikleid mit tiefen V-Ausschnitt vorne wie hinten zu hause gelassen). Ich freue mich auf die Elefanten, den Adams Peak, die Mangos und Papayas. Ich freue mich auf das Meer vor der Haustür und Beten im Tempel.
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Ich habe nur einen konkreten Plan, abgesehen davon unverheiratet wieder zurück zu sein: Zeit für mich haben, aber so schwierig wie Confetti aus dem Haar zu kriegen ist, ist es meine Familie “loszuwerden” ohne sie zu beleidigen.

Ich sollte mir aber dennoch paar Antworten auf die in verschiedenen Tonlagen vorgebrachte Frage “Wieso?!” überlegen, sonst steh ich da mit den Schultern zuckend und mit tausend gut formulierten Kommentaren auf Deutsch und auf Sinhala krieg ich nur raus: “So halt!”
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Familien-Abenteuer voraus!
Mögen meine Nerven stand, mein Mund sich im Zaum und mein Stolz mich wacker auf den Beinen halten!

12\12

Ein Artikel auf travelettes gab mir die Idee.
Eine fiktive Reise zu planen, wenn Geld keine Rolle spielt. Zwölf Länder oder Städte in zwölf Monaten.
Welche würde ich bereisen? Geld war für mich noch nie von großer Bedeutung, nicht im Sinne von luxuriösen Unterkünften und Transporten, lieber hab ich das Geld in gutes Essen investiert. Lieber bleibe ich zu Hause, als mich auf ein All-inclusive-wir waren in Thailand Urlaub machen einzulassen.
Solang ich noch kann, will ich einen authentischen Blick gewinnen. Wenn ich dann irgendwann mal einen Rollator brauche, überlege ich mir vielleicht in so einen Pflege-Urlaub zu fliegen. Also meine Liste.
Jänner Kenia wpid-640px-coat_of_arms_of_kenya.svg_.png

Kenia erscheint mir eine gute Idee um mir den Weg nach Afrika zu ebnen. Es ist auch ganz klar, was gemacht wird. Eine Safari in Laikipia County, bei der mir alle schönen Tiere begegnen werden, von Giraffen, die neugierig zu einem runter blicken, Löwen, die sich dem Wind durch die Mähne blasen lassenwpid-unnamed-6-jpg bis hin zu den lässig in den Ästen hängenden Leoparden! Abgerundet wird das, denn im Hotel schlafen kann ja jeder, mit einer Übernachtung unter freiem Himmelwpid-cymera_20141002_143258 Für den Adrenalinjunkie, für den ich ja sehr bekannt bin, ist eine Fahrt in einem Matatu unerlässlich! Zwar werde ich nach so einer abenteuerlichen Fahrt wohl frische Unterhosen brauchen, aber was wäre das Leben, wenn es nicht mindestens einmal riskiert wird? noch dazu zu Reggae Musik!wpid-cymera_20141002_142927 Kenia eignet sich übrigens auch sehr gut dazu, die restlichen Schilling los zu werden, von denen wir bestimmt noch paar rumkugeln haben! Wenn ich schnell genug laufen könnte, wäre ich schon davon, bis sie begreifen, dass es der falsche Schilling ist. (ich sollte doch wieder joggen beginnen) Februar Osttimor wpid-640px-coat_of_arms_of_east_timor-svg_

Osttimor, auf Tetum Timór Loro Sa’e bedeutet “das Timor der aufgehenden Sonne”, ist der östliche Teil der Insel Timor, welche zu Indonesien gehört.
Seit 2002 ist Osttimor ein von der UN anerkanntes unabhängiges Land. Touristisch befindet es sich in den Baby-Schuhen. Die Konkurrenz ist aber auch groß, so eingeklemmt zwischen Indonesien im Norden und Australien im Süden. Dafür kann man hier noch wirklich mit dem Land in Unverfälschtheit sein ohne (noch) ständig auf der Hut vor Gauklern zu sein.
Ich bin kein Freund davon Länder zu besuchen, die immer wieder von Unruhen und Kämpfen gerüttelt werden, aber Osttimor scheint sich in den letzten Jahren erholt zu haben und freue sich auf Reisende! Hier finden sich wunderschöne Strände, auf denen man sich nicht um Liegeplätze schlagen muss, es bedeutet aber auch, dass der chice Bikini getrost zu Hause bleiben kann, denn zum gesehen werden ist Osttimor bestimmt nicht die richtige Wahl. Die reiseerfahrene Frau wird auch so viel Weitsichtigkeit zeigen, dass sie einen Badeanzug trägt, nicht dass die sonst am Strand flanierenden Ochsen ein Trauma erleiden, wenn sie über einen blanken Busen stolpern und die Timorer es sich mit dem Willkommenheißen von Touristen anders überlegen!wpid-image-436117-galleryv9mobile-qzud1

Auch hier gibt es eine interessante Fortbewegungsmethode ob der fehlenden öffentlichen Transportmittel. Der Kipplaster, hop on hop off mal anders! Wer dafür ein still stehendes Fahrzeug braucht, ist ein Baby. Es ist gut darauf zu achten sich fest zu halten, sonst geht einem wohl mehr als nur ein Flip Flop verloren!wpid-image-436111-galleryv9mobile-txmu Das Land erlaubt es nicht nur, es zwingt einen dazu sich unabhängig im Land zu bewegen. Einen Jeep mieten und von Strand(von Norden bis Osten erstreckt sich ein Korallenriff) zu Berg zu Reisfeld fahren.wpid-image-263061-galleryv9mobile-zydk

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Waran in Sri Lanka

Warum ich nach Osttimor will? Na wegen der Timor Warane! In der Größe stinken sie zwar im Vergleich mit ihren Brüdern in Sri Lanka ab, aber dennoch, ein Waran! Während es zu Hause bei meiner Mutter in Kalutara noch dichten Wald um die Häuser herum gab, waren Warane Teil unserer Nachbarschaft. Auch wenn sie mir eine Heidenangst eingejagt haben, wenn sie bei Dämmerung unter den Palmen hervor kommen, pünktlich zur Uhrzeit wenn ich am Brunnen Zähne putzen musste!

März Chile

Chile ist DAS lateinamerikanische Land, das ich sehen will seit ich die ersten Seiten von “A Life in Sepia” von Isabel Allende gelesen habe. Auch wenn es nicht mehr viel davon gibt, aber ich möchte das alte Lateinamerika mit seiner wilden Geschichte seinen Farben und Düften erleben, so wie es erzählt!
Chile ist ja ein geographisches Sonderding, in die Länge gezogen wie ein Kaugummi, den ein Fußgänger versucht vom Schuh zu streifen, liegt es ganz an den westlichen Rand gedrückt am Kontinent! So wenig Platz wie es in der Breite hat so viel es hat es dafür in der Länge! Wäre ich Chile (ich weiß, ich kann kein ganzes Land sein) hätte ich unter dieser Beengung schon wieder Platzangst bekommen!
Abgesehen davon, dass ich eine once mit Madam Allende in Form von Tee und Kuchen einnehmen werde, möchte darüber hinaus meine Zehen in den Rio Blanco in der Provinz Palena tauchen:wpid-río_blanco.jpg.jpeg Und etwas ganz besonderes erwartet einen Chile Besucher, die Marmor Höhlen am General Carrera See an der Grenze zu Argentinien.Marble-Cave Diese Formation aus Tunnel, Höhlen und Säulen entstand über 6200 Jahre hinweg durch den unermüdlichen Gang der Wellen gegen die Wände. So reflektiert es in sanften Blautönen die Farbe des Sees, der diese Schönheit umgibt. Ich sehe mich schon, wie ich wild um mich schaue, mit einer für mich sehr untypischen Einsilbigkeit, nämlich nur einem “Ohhhhhh!”, und so das Boot, dem einzigen Mittel zu dieser Höhle zu kommen, gefährlich nahe des Kenterunfalls bringe. Aber wir werden ja bestimmt Schwimmwesten tragen und so hätte jeder zu berichten, sie hätten ein Bad in eiszeitlichem Gewässer genommen. Dank mir.
Das Essen in Chile verspricht auch genau nach meinem Geschmack zu sein, so gibt es Cazuela de Mariscos oder  Marina Fish Stew wpid-santiago-tourist-seafood-stew-cazuela-de-mariscos-marina-crab-legs-piernas-cangrejo-jaiba-e1413314573933.jpg

… Und zum Nachtisch ein Besuch in einen heladeriaswpid-cymera_20141016_224713.jpg

April San Francisco wpid-180px-san_francisco_seal.png

Ich war auch noch nie (die Liste entpuppt sich zunehmend als ein Maßstab für meine Reiseunerfahrenheit) im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Die so unbegrenzt sind, dass die Gesetzgebung sich gezwungen fühlt sinnentleerte Gegenmaßnahmen, in der Form von irrwitzigen Gesetzen, zu ergreifen. Was sind es wohl für Möglichkeiten? Ich habe es noch nicht herausgefunden. Aber gut, ich will ja auch nicht vom Tellerwäscher zum Millionär werden. Aus Rücksicht auf meine Nägel! 💅

by Andrea Opietnik

by Andrea Opietnik

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by Leighton Wallis

Also, eine Freundin war erst kürzlich in San Francisco und war sehr begeistert, was mich darin bestärkte San Francisco für mich zum Tor zu den USA zu machen. Einzige Abschreckung sind die Hügel, was ist da drunter? Muss das sein? Kann das nicht weg?
Schritt 1 in San Francisco: Stammgast in den Cable Cars werden. Aber ich habe mir auch fest vorgenommen, ob der unmittelbaren Nähe zu viel Grün, wandern zu gehen ohne über das Wetter, die Steile, die Dauer, die Hitze, meine Schuhe, meine Knie, meine Füße, den Rucksack, die Mücken, das schwitzen, Durst, Hunger und Pippi-muss zu jammern. Versprochen.
Nachdem ich sämtliche must-sees, wie die Golden Gate Bridge, die Cannery, Fisherman’s Wharf, die Painted Ladies, City Hall etc., abgeklappert habe, nehme ich mir ein Boot zu Alcatraz um endlich “SE Rock!” (wer den Witz nicht versteht, hat einen essentiellen Face-balm Moment der deutschen Synchronisation verpasst) zu schreien!
Auch in San Francisco habe ich – zu all dem was es ohnehin zu bieten hat – was ganz Besonderes gefunden: am Alamo Square versteckt liegt ein Secret Shoe Garden, gestaltet von Obdachlosen. Ein verwunschener Garten mehr in meiner Sammlung!wpid-butterflys-are-free.jpg.jpeg

Mit der Napa Valley Wine Train geht es dann von einem 1/8 zum nächsten 1/8 Wein durch herrliche Landschaften.wpid-unnamed-2.jpg.jpeg

Wenn dann noch ein oder zwei Tage übrig sein sollten, statte ich dem Yosemite Nationalpark einen Besuch ab. Ich gehe auch paar Schritte!wpid-unnamed-8.jpg.jpeg

Mai Alaska Alaska-StateSeal.svg

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“the freshness, the freedom, the farness.”

Wenn es mir dann in Chile und San Francisco zu warm wurde, gönne ich mir eine Abkühlung in Alaska. Eine Reise dorthin bedarf zeitliches Fingerspitzengefühl, denn das Zeitfenster ist so winzig, dass es schon mal schnell verpasst werden kann: Mitte Mai bis Ende September.
Nie im Leben würde ich riskieren, dieses Fenster zu ignorieren, ich bräuchte einen Koffer allein für die Dinge, die mich warm halten sollen!
Ich habe ein Faible für Stille Orte (nicht DAS stille Örtchen!) und wo könnte ich mich mehr und schneller verlaufen als in Alaska? Ein Monat ist zwar etwas wenig Zeit für die größte Exklave der Erde, aber ich will ja keinen Stress haben!lodge

Ich würde mir eine Lodge nehmen und so die Vorzüge des Eigenbrödlertums genießen, ich werde es wohl nicht länger als eine Woche so völlig allein mit mir in der Natur aushalten ohne nicht mit der alaskischen Fauna Zwiegespräche zu führen. Aber vielleicht ist das ja meine Bestimmung? Die Grizzlybär Lady!bear

Mein Wunsch, seit ich Sandra Bullock in “The Proposal” gesehen habe, war es immer Sitka zu besuchen. Ich wurde aber wieder mal Opfer eines Illusion-Raubes, denn der Ort musste noch mehr retuschiert werden um genug Kitsch auszustrahlen (Hollywood at it best), so wurde dort und da ein Berg mehr hin gemalt als tatsächlich vorhanden ist. So wird es Talkeetna um ein bisschen Zivilisation und Alltag zu erleben.DSC_0062_edit

Juni Anguilla Coat_of_arms_of_Anguilla.svg

“Anguilla” bedeutet auf Spanisch “Aal” und gehört zu den Inseln über dem Winde (einfach weil das so poetisch ist und wieder wie die Faust aufs Aug zu mir passt, ist es Grund genug Anguilla zu besuchen), welche wiederum ein Teil der Kleinen Antillen sind, und liegt in der Karibik! Ich hab ja nicht viel Geduld für Politisches, vor allem weil ich beim Lesen (unbewusst!) dazu tendiere, die Zeilen nicht nur zu überfliegen sondern zu überSPRINGEN und dann versteh ich erstrecht nur Bahnhof, was meist bedeutet, dass ich mich wieder an den Anfang bemühe oder mich damit abfinde, nicht klüger geworden zu sein. Aber die politische Geschichte Anguilla ist eher simpel und zeugt doch von einer sich wiederholenden und über alle Kontinente reichenden Uneinigkeit darüber, was man denn nun wirklich will. Da ihre Erklärung der Unabhängig von Groß Britannien im Jahre 1969 von Mutter England nicht anerkannt wurde (sie erhielten hierfür sogar Unterstützung von österreichischer Seite durch den Ökonomen Leopold Kohr, welcher 1983 mit dem Right Livelihood Award, dem Alternativen Friedensnobelpreis, ausgezeichnet wurde), einigte man sich 11 Jahre später auf den Status British Dependent Territory. So kurzatmig ihre politischen Ambitionen waren, so unkreativ ist auch der Name der Hauptstadt, der lautet nämlich “The Valley”. Tja, da fällt nicht mal mehr mir ein Witz dazu ein!Anguilla_2614585b

Anguilla verspricht beinahe, oder jetzt noch (denn die Immobilienhaie sind ja immer mit flotter Sohle unterwegs und wollen überall ihre Klone von Resorts in den Sand setzen), unberührte Strände, die wohl kaum ein Herz kalt lassen. Ob ich einen Monat am Strand verbringen kann? Intuitiv würde ich sagen, “nein!”, aber ich bleibe offen, bei der Pracht an Wasser, Wellen, Sand und Essen kann auch ein Monat am Meer schnell umgehen. Schließlich befinde ich mich in der Karibik, es erwarten mich feinste Garifuna Musik, Kokosnüsse, prächtige Rasta und die herzliche Kultur!

meads bay

meads bay

Klarer Vorteil eines Monats am Meer: barfuß unterwegs sein! Abends beim Essen mit Blick auf einen Sonnenuntergang, der allen zu Hause ein “Ohhh!” auf die Lippen zaubert, genieße ich die Dekadenz des Seins!

Crocus Bay

Crocus Bay

608414Es gibt Bars und Restaurants, wie das Sunshine Shack, das am Rendezvous Bay gelegen ist und hoffentlich nicht nur was für Turteltauben ist! Abends ein Drink an der Elvis Bar, einem Boot, das in eine Bar verwandelt am Strand auf seine Gäste wartet! Auch auf Anguilla bin ich auf mich gestellt, wenn ich fortbewegt werden will. Taxis sind teuer und was anderes gibt es nicht, also muss ich mir wohl ein Auto mieten… Vorher würde ich wohl austesten, wie weit mich meine Füße um die Insel rumtragen. So schlimm kann das ja nicht sein und bestimmt gibt es viele nette Einheimische, die mich mitnehmen würden. Es gibt nämlich auch ein bisschen Sightseeing, das ich machen könnte, zum Beispiel das Historische Museum, welches einen Einblick in die Kolonialzeit gibt: etwa die Bestimmung, dass Fahrräder Nummernschilder tragen mussten (wäre bei manch einem Rowdy auf 2 Rädern bei uns auch keine dumme Überlegung) oder die Art  der Bestrafung für Kleinst-Vergehen, wie das Stehlen eines Schreibers, das waren damals 6 Hiebe.

Juli Die Moore von England

Die Moorlands Englands hatten immer schon eine Faszination auf mich ausgeübt, als Kind liebte ich die düstere Atmosphäre, den Nebel und das Geheimnisvolle. Meine Lieblingsbücher diesbezüglich waren “The Secret Garden” von Frances Hodgson Burnett und Enid Blytons “Famous Five”. Später war es dann natürlich Emily Brontë’s “Wuthering Heights”.

  • Lake District: im Nordwesten Englands (County of Cumbia) gelegen und gehört wohl zu bekanntesten Gebieten in Großbritannien. Ein erwähnenswerter Schriftsteller, der zu den Lake Poets gehörte, ist William Wordsworth. Hier steht der größte Fell (Hügel) Englands, Scafell Pike, und die tiefsten bzw. längsten Seen, Wastwater und Windermere.
Derwent Water

Derwent Water

Hier gibt es noch wilde Ponnies und den Coregonus vandesius, ein Fisch, der nur im Lake District heimisch sein soll. Die Tierart mit der höchsten Zahl, nämlich das rote Eichhörnchen, hat ob ihrer Dominanz sogar ein eigenes Straßenschild! Das Valley, in dem ich mich zurückziehen würde, ist das Duddon Valley2008 09 23  Duddon Valley  Scafell range from Walna Scar Road

  • Yorkshire: YORK-Steve-F-E-Cameron
    • Hier wurden die drei Brontë Schwestern geboren und es sind Teile von Haworth mit den Spitznahmen “Brontë County” benannt. Hier spielen nicht nur viele meiner Lieblinsromane, auch Folk Music und Bras Bands genießen einen hohen Stellewert! Dann gibt es natürlich den legendären Yorkshire Pudding, hat mich bisher zwar noch nie angesprochen, aber vielleicht muss ich dazu auch erst die richtig Luft atmen? Ist ja oft so, dass manches Essen einfach nur im Urlaub schmeckt.
Yorkshire Pudding mit Roastbeef

Yorkshire Pudding mit Roastbeef

Auf diesem Stein in den Ilkley Moors werde ich sitzen und mein Haar im Wind wehen lassen:

Ilkley Moor

Ilkley Moor

Rosedale in North York Moors National Park

Rosedale in North York Moors National Park

oder ich wandere zwischen Heidekraut und lass mir den englischen Regen ins Gesicht peitschen, denn das gehört auch dazu: Mieses Wetter, dunkle Gewitterwolken und schlechte Kleidung!

  • Die wohl populärste Stadt in Yorkshire ist York selbst, es hat eine imposante Kathedrale, von der aus sich ein wunderbarer Blick über die Stadt bietet. Das mittelalterliche York ist sehr gut erhalten geblieben und es ermöglicht ein schönes Flanieren entlang der 4km langen Stadtmauer. 4km sind mit ein paar Abstechern zu einer Tasse Tee und einem Scone bestimmt auch für mich machbar!York_Minster_West_towers_from_central_tower-MichaelMaggs Auch auf die Gefahr hin, dass ihr es langsam satt habt, von mir ständig auf irgendwelche Schriftsteller hingewiesen zu werden, ich kann nicht anders. So gibt es auch in York etwas, das ganz auf mich zugeschnitten ist: “The Shambles”, eine kleine (laut England dickens’sche) Straße unweit der Kathedrale, die mit ihren Fachwerkhäusern einen besonderen Charme hat. Die Fassaden hängen in die Straße hinein und schaffen einen Tunneleffekt, der- so auf den Bildern- für mich einen fiktiv-romantischen Eindruck erweckt. Der Name “Shambles” stammt daher, dass hier im 18.Jhd an die 25 Fleischer ihre Läden hatten und das Fleisch zur Schau stellten, heutzutage gibt es keinen einzigen “Butcher” mehr in den Shambles.p1369070344-3

August Lissabon 140px-Crest_of_Lisboa.svg

Alfama

Alfama

Was kann ich schon viel zu Lissabon sagen, was nicht schon bekannt ist? Ich könnte es bei dieser Zeile belassen und gleich weiterziehen nach Moldawien, aber ich will mir ein bisschen Mühe geben. (Die üblichen und typischen Sehenswürdigkeiten werden hier aber keine Erwähnung finden) Lissabon hat die Macht mich hinzureißen, so viel weiß ich jetzt schon. Eine Stadt, deren Straßen ein nicht mehr enden wollender Wellengang aus schwarz-weißem Marmor ist, kann mich nur begeistern. Da kommt man bestimmt schnell in Schwung!204003039_b5e88b1b83_z-605x453 Ich will mir die Saldanha Gegend mit ihrer Straßenkunst anschauen, wo sieht man sonst schon ein Krokodil an einer Hauswand? Da ich schließlich mehr als nur ein Wochenende in Lissabon habe, kann ich ganze Stadtteile genießen ohne mich abzuhetzen, so werde ich in Alfama Station machen und vielleicht mehr Portugiesisch aufschnappen als “Olá!”.Alfama-CCBY Abends auf ein Ginjinha (Kirschlikör, gar nicht meins, aber wenn es nicht schmeckt, geh ich über auf Portwein) in eine Bar in den Suburb of Bairo Alto. Dann gibt es da so feine Tartes im Pastéis de Belém, die ich mir natürlich nicht entgehen lassen kann! Für die tägliche Dosis gesunder Selbst-Ironie mache ich dann eine We-Hate-Tourism-Tour. Was da wohl auf einen für 25€ wartet? Eine Arbeit hätte ich für diese Zeit auch gefunden, natürlich würde ich das nicht des Geldes wegen machen! Ich werde einfach in der Praça da Figueira, Krankenhaus für Puppen und Teddy Bären, mithelfen! Beim nähen von Wunden kann mir keiner was vormachen!doll-hospital8

September Moldawien 100px-Coat_of_arms_of_Moldova.svg

Ein Staat, der so nah und doch so fern vom Schwarzen Meer liegt, weil es in alle Himmelsrichtungen, außer dem Westen, von der Ukraine umschlossen ist. Die Republik Moldau ist gerade mal 23 Jahre alt und Konflikte gibt es daher noch reichlich. Die Hauptstadt heißt Kischinau (hat das schon mal wer gehört?)
Den Osten von Europa bereise ich immer schon gerne, es ist etwas anderes. Ich weiß nicht, woran es liegt, das Europa, das ich kenne, hört dort auf bzw. ist gar nicht erst existent, ob das nur am Russischen liegt, was in der Luft schwebt? Oder weil ich den Osten immer gleich mit Kälte assoziiere? Da diese Liste ja rein intuitiv war, weiß ich heute nicht mehr, was ich mir damals zu Moldawien gedacht habe, denn die Bilder, die ich bisher gefunden habe, sind eher trostlos. Aber ich will nicht betrügen und bleibe dabei, alles und jedes hat seine Faszination! So vielleicht die Parcul Catedralei & Grădina Publică Ştefan cel Mare şi Sfînt, zwei Parkanlagen in Chisinau, die zum Spazierengehen einladen.chisinau_stefan_cel_mare_park Natürlich wird dem Pushkin Museum ein Besuch abgestattet. Pushkin hat 3 Jahre in Moldau im Exil verbracht und in dieser Zeit “Der Gefangene im Kaukasus” geschrieben. In Bendery findet sich eine imposante türkische Festung.Tighina-Fortress Meine Recherchen gestalten sich etwas schwierig…

Oktober Iran Emblem_of_Iran.svg

Ein Land der Rückschritte, wenn man mich nach einer Assoziation mit Iran fragen würde. Seit dem ich “Persepolis” gesehen habe, frage ich mich, wie die Menschen mit dieser erzwungen Rückständigkeit leben können? Was ist noch von dem Großreich “Persien” übrig, was von der Kultur erhalten geblieben? Wie weit geht dieser Schritt zurück noch?
Die altpersische Bedeutung von “Iran” ist “Land der Arier”. Die bei uns bekannte Bezeichnung “Persien” geht auf Pars zurück, dem Kernland der Achämeniden. Hier werden 77 Sprachen und Idiome gesprochen. Da Iran ein Gebirgsland ist, ist hier mit kühlen Temperaturen zu rechnen. Aber so schlimm wie Alaska wird es wohl hoffentlich nicht werden. Es herrscht hier vorwiegend ein arides Klima (ich musste selber nachsehen, was arid bedeutet: nämlich, wenn es in einem 30jährigen Mittelwert mehr Verdunstung als Niederschlag stattfindet, das Gegenteil zu humid). Der höchste Berg des Landes ist der Damavand mit 5604 m, ein gletscherbedeckter Vulkan.800px-Damavand_from_dizin

So gern ich würde, kann ich mich hier nicht zur Politik und zum Frauenrecht in Iran äußern, das würde zu weit gehen, aber es soll allen ein Anstoß sein, sich damit zu beschäftigen, wie Frauen im 21. Jhd. noch immer behandelt werden und keine Chance auf Schutz und Gerechtigkeit haben, solang Männer an der Macht sind, die eine so perfide Art der Gewaltausübung gefunden haben, dass alle, die sich gegen sie auflehnen, mit mehr als nur dem eigenen Tod bestraft werden. Ich weiß nicht, ob ich mich in diesem Land wohl fühlen würde, und dennoch treibt mich die Neugier dieses Land sehen zu wollen. Ich habe kein Problem damit ein Kopftuch zu tragen und mich zurückhaltend zu verhalten (ja, tatsächlich!).
Kulturell ist Iran ein Garten Eden! Literatur, Malerei, die Kunst des Teppichwebens! Ich werde nicht wissen, wo zuerst hinsehen! Anfangen möchte ich mit der Stadt Schiras und dort den Eram Garten besuchen640px-Eram_garden

In Schiras liegen die beiden berühmtesten Dichter Persiens, Hafis (1320 bis 1398) und Saadi (1184 bis 1282), begraben. Ein absolutes Highlight (so jetzt habe ich das Wort tatsächlich auch mal in den Mund genommen) ist die Nasir-al-mulk-Moschee. Ich bin sprachlos über die Schönheit! Ich war bisher noch in keiner Moschee und diese scheint mir wie ein

Traum aus 1001 Nacht!IMG11152174 Einfach nur atemberaubend schön! In Iran gibt es eine Vielzahl an Gärten, die ich mir allesamt nicht entgehen lassen kann! Wo fang ich bloß an??

Schāhzādeh Garten, Māhān, Kerman

Schāhzādeh Garten, Māhān, Kerman

November Niue Public_Seal_of_Niue.svg

Früher hieß die Insel “Savage Island”, wohl wegen ihrer isolierten Lage im Südpazifik.
Niue findet sich 2400km nördlich von Neuseeland. Geologisch gehört Niue zu eins der größten gehobenen Atollen und wurde durch zwei Erdbeben hochgeschoben. Weitere “Schluckaufs” sind nicht auszuschließen. Ich hoffe, die Einwohner wissen das auch und sind auf kleine oder große Rülpser vorbereitet. Wer weiß, was sich da noch so an die Meeresoberfläche arbeitet? Die für eine Insel typischen Strände gibt es hier nicht in der Menge, da die Küsten aus Höhlen und Schluchten bestehen, aber ich gehe davon aus, dass sich das eine oder andere Fleckchen findet um ins Wasser zu springen, oder soll ich mir dieses herrliche Blau nur anschauen?NiueSouthPacific

Der beste Strand für mich ist wohl der Hio Beach, der über eine Holztreppe zu erreichen ist und versteckt liegt.Entrance-to-Hio-Beach

Dann gibt es die schöne Avaiki Höhle, in der sich Hummer und Fledermäuse aufhalten niue-avaiki-pool-450x300

Da die Insel kein öffentliches Verkehrsnetz besitzt, ist man auf Auto oder Fahrrad angewiesen. Für 23 USD lässt man sich daher einen nieuischen Führerschein erstellen und braust in einer knappen 3/4 Stunde einmal um die Insel. Ich sollte endlich wieder Autofahren, meine Reiseziele sind viel zu isoliert oder klein, als dass ich da überall auf Bus und Bim hoffen kann! Aber was immer noch geht und auch auf Niue ist das Anhalten. So klein wie die Insel ist, werde ich da im Nu bekannt sein wie ein bunter Hund!
Niue scheint mir eine noch weniger touristisch erforschte Insel zu sein als Osttimor und hat dadurch noch mehr an Reiz gewonnen. Ich bin kein Fan von Insel-Hopping, allein der Begriff. Da ich so etwas wie “Lager-Koller” oder Platzangst nie beim Reisen erfahren habe, kann ich es mir gut vorstellen 4 Wochen eine winzige Insel bis in die letzten Ecken der Riffs zu erkunden!

Dezember Palau Seal_of_Palau.svg

Palau besteht genau genommen aus 356 Inseln, von denen nur 11 bewohnt sind. Das nenn ich mal “Verschwendung”! Die Inseln waren ursprünglich ein Korallenriff, das ähnliche wie Niue, durch Beben an die Oberfläche trat. Die größte Insel ist Babeldaob.palau-island

Palau sollte für jeden Taucher eine sehenswerte Destination sein. Weiterst ist es für seine “Jellyfisch Lake” bekannt, in dem geschnorchelt werden kann. Ist das nicht gefährlich, der See ist voller Quallen!?Jellyfish-Lake5


Ich habe lange an diesem Post geschrieben und meine Wanderlust stieg ins Unermessliche! Da musste ich etappenweise kurz eine Pause einlegen, sonst wäre mir die Sehnsucht über den Kopf gewachsen, das geht bei mir ja immer recht schnell. Das Jahr 2015 hat begonnen. In den seltenen Momenten der realistischen Sicht auf die Welt habe ich erkannt, dass diese Liste dieses Jahr nicht zu meistern sein wird, aber dennoch beginnt dieses Jahr sehr sehr vielversprechend: Ich fliege nach Sri Lanka. Ja, es ist “nur” Sri Lanka, aber das neue Jahr vom Himmel aus zu begrüßen, ist genau nach meinem Geschmack. Lasst euch anstecken von meinem Reisefieber! Ich wünsch Euch ein wundervolles, aufregendes und abenteuerreiches neues Jahr! CYMERA_20150101_122550[1]



Quellen Wappen Wikipedia Löwen Unter Sternen: dailymail.co.uk Löwen: http://www.kenia-safari-reisen.de Timor aus dem Fotoband “Australien und Osttimor von Farin Urlaub” Marble caves Río Blanco, Prov. Palena, Región de los Lagos: Wikipedia Secret shoe garden Napa Valley Wine Train Yosemite Nationalpark Alaska Fotos http://www.alaska.org/advice/must-see-in-alaska Katmai lodge http://www.katmailand.com/lodging/brooks.html Talkeetna AnguillaMeads Bay Scilly Cay Crocus Bay Sunset Derwent Water Duddon Valley Yorkshire Fotos: http://goo.gl/pAgSTT The Shambles Heidekraut Lissabon: http://goo.gl/24NZy6 Alfama: Wikipedia, http://goo.gl/jK9iN7 Chisinau Parks: Wikipedia Tighina Fortress Iran Fotos: Wikipedia Niue: Wikipedia, http://goo.gl/bHsqD0 Hio Beach: http://goo.gl/bx5Xg7 Avaiki Höhle Palau: http://goo.gl/sGxXCR, Jellyfish lake