Reise zu

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*Reise zu *

~wenn mein Herz nach dir sucht…~

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Aufgemacht,
Huckepack mein Leben genommen
Von Stein zu Stein
In jede Rille fallend,
Suche ich nach
Dir.
Ein Schatten, ein Wind, ein Tautropfen
So herrlich verlockend die Idee von
Dir.
Das Wasser, der Weg
Treibt mich hin und weg
An Ufer stoßend, an denen ich
Aufraue
-beständiger für die See.
Sonnenstrahl um Sternenhimmel
Hoffe ich,
Dass Du wirst sein vor mir
Und mir Hafen bieten..

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Im geheimen Garten

(Gedankenprotokoll, das ist das Monster für uns Ärzte, das wir bei einem jeden einzelnen Patientenkontakt anlegen sollten, denn die allseits locker sitzende Beschwerde, die ihren Schlag IMMER in dem Moment ausführt, in dem wir uns am tollsten fühlen. Bedauerlicherweise kann ich Protokolle nicht leiden. Mir kommt meine Fantasie immer dazwischen)

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Am vorletzten Tag in Seoul verbrachte ich den Vormittag damit mich im Changdeokgung Palast zu verlieren. Ein jedes Tor, ob groß oder klein, führte in einen der vielen Höfe.
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Alle waren sie geheimnisvoll und verzaubert, die Dächer mit ihren Verzierungen und Formen waren ein prächtiges Erlebnis. Aus jeder Perspektive boten sie ein neues Bild, denn kein Pavillon war gleich groß wie das nächste.
Die Sonne schummelte sich durch die Zacken und Runden um auf die bunten Holzverkleidungen zu fallen.
Hier ist Versteckspiel bestimmt mal ein Erlebnis!

Ich hatte eine Stunde Zeit, diesen Beweis für Dekadenz zu genießen bevor ich zur Führung im Geheimen Garten antreten musste. Musste, weil ich ihn anders nicht zu sehen bekommen hätte. Die Angst, dass paar ignorante Touristen den Garten verwüsten und Blumen klauen, ist wohl sehr groß!

Mein Lieblingsbuch als kleines Mädchen war “Der geheime Garten”( Frances Hodgson Burnet). Mein Vater hat dieses Buch mit vielen anderen zusammen für meinen Bruder und mich geschenkt bekommen (als Start zum Deutschlernen- hätten sie gewusst, dass ich nie wieder aufhören sollte zu plappern, vielleicht hätten sie es sich anders überlegt! ).
Lang blieb es ein vergilbtes altes Buch, bis ich es in der 4. Klasse endlich in die Hände nahm und es nicht mehr weglegen konnte, so dass ich es auch in der Schulstunde heimlich unter dem Tisch las.
Die Moore von England, ein kleines Mädchen in einem alten dunklen Herrenhaus mit einem noch dunkleren Familiengeheimnis. Ich weiß heute noch, wie gepackt ich war, als sie den Eingang zum Garten fand.

Auch ich hab schon einen Geheimen Garten gefunden.

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Irgendwo in Sri Lanka unweit des Anwesen eines englischen Architekten. Sein Eingang waren zwei geschnitzte Säulen, die von so viel Flora bedrängt wurden, dass beinahe nur die Spitzen zu sehen waren. Hinter ihnen erwarteten uns geschlungene Wege mit allem, was die  srilankische Botanik zu bieten hatte
. Meine Mutter war in heller Aufruhr und musste es sich ehrlich verkneifen, nicht irgendwelche Pflänzchen mitgehen zu lassen. Mein Großvater hätte da gar keine Skrupel gezeigt. Er war ein Künstler wenn es darum ging, diverse Blumen und Grünzeug unter seinem Hemd oder eingeklemmt im Bund seines Sarongs zu schmuggeln.

Wenn ich so zurück denke, sind wir in Matara auch schon in mitten eines verzauberten Gartens aufgewachsen. Dank der Flora-Kleptomanie meines Opas, wuchs eine ausgewählte Vielfalt an den schönsten Blumen in unserem Vorgarten und wir hatten Schmetterlinge, Vögel und sogar ein Chamäleon, die sich bei uns heimelig gemacht haben. Wir wuchsen auf mit diversen Eichhörnchen, die vom Baum gefallen waren und von unserem Opa und uns aufgepäppelt wurden, einer Kuh, die morgens von meiner Mama gemolken wurde, einen Haufen Hühner, einer Katze, einem Tank voll bunter Fische und Hunden auf.
Mein Faible für Verzaubertes ist also nicht von ungefähr.
Leider gibt es das alles nicht mehr… Nach unserem Wegziehen und dem Tod unseres Opas verschwand der Zauber und damit die Vielfalt.

Der Garten im  Changdeokgung Palast war wieder ein ganz anderer. Unübliche im Vergleich zu anderen Schlossgärten, war dieser ganz sich selbst überlassen, es gab keine künstlich angelegten Blumenbeete oder nach den Vorstellungen eines Gartengestalters entsprechend getrimmten Hecken. Nur die Teiche waren angelegt.
Der Garten lag am Fuße eines Berges (in Korea ist alles, was die Höhe eines Maulwurfshügel übersteigt gleich ein Berg!) und schmiegte sich all seinen kleinen Unebenheiten an.

Das schönste war ein großer Teich umzäunt von mehreren Pavillons, wovon eins in den Teich hineinragte und einen Menschen stilisierte, der seine Füße in das Wasser tauchte. Ihm gegenüber stand eine Bibliothek! Ich war hingerissen! Eine Bibliothek im Grünen! Und was für eine schöne!

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Trotz der großen Runde an Besuchern, konnte ich ohne vorzulaufen mir meinen eigenen Eindruck machen. Ich schlüpfte zwischen den Bäumen hin und her und genoss dieses Kleinod.

Wo immer wir vorbei kamen, versteckte sich hinter einem Baum ein Reich verzierter Pavillon, wie ein bunter Vogel.
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Vielleicht war ich in meinem früheren Leben eine Prinzessin? Oder wohl eher die Zofe einer solchen, die davon träumte auch mal eine zu sein. Auf alle Fälle stellte ich mir vor, wie eine Prinzessin gut geschützt unter ihrem mit Pfauen besticken Seidenschirm an der Seite ihrer Anstandsdame über die Wege des Garten trippelte und gar in einem unbeobachteten Augenblick sich ihrer Strümpfe entledigte um ihre Füße in einen Teich zu tauchen. Wenn ich sie wäre, hätte ich wohl ein kleines Stelldichein mit einem adretten Palast-Wachen in die Wege geleitet. 😉

So verging diese eine Stunde trotz drückender Hitze und meckernder Besucher wie im Flug.

Mein Vorhaben noch einen anderen Palast zu besuchen, ließ ich fallen, weil ich nach diesem Vormittag einfach zufrieden war und mir nicht vorstellen konnte, dass mich etwas anderes heute noch so umhauen könnte.

Ich machte mich daher auf zu zwei der Stadtpforten und beschloss den Tag gemütlich ausklingen zu lassen….
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Epilog

Seit zwei Tagen bin ich wieder in Wien.

Rückflüge sind ja nie wirklich angenehm. Die Aussicht, bald wieder dem Alltag ausgeliefert zu sein, der ewigen Routine nachzugehen um wieder das Geld rein zu bringen, das ich so leicht in die koreanische Wirtschaft fließen habe lassen.

Ich trat in die Wohnung ein, was überraschend einfach war, ich konnte sogar meinen Bruder zurückpfeifen, weil ich durch einen Nachbarn, der mich aber mit Sicherheit für einen Einbrecher gehalten hat, ins Haus kam, und da war alles wieder. Mein hübsches kleines Leben mit einer feinen Staubschicht bedeckt.

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Ich sitze hier im Augarten und versuche Ordnung in meine Gefühle zu bringen.

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Es gibt ein schöne Illustrationen, die meine Gefühle VOR der Reise ziemlich auf den Punkt gebracht hat:

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Jetzt bin ich wieder zurück und fühle mich erschreckenderweise gleich wie davor.
Ist das eine Status post Reise-Depression? Oder hatte ich zu viele Erwartungen
an mich und die Wirkung der Reise auf mich?

Kaum, dass ich den einen Tag des Heimwehs überstanden hatte, war ich herrlich gern mit mir zusammen. Ich hatte ein Lächeln auf den Lippen und ließ mich von allem, was mir begegnete so begeistern, als ob ich davor in einer Schachtel gelebt hätte.
Mir war klar, dass ich kein Teil von etwas war und dass ich auffiel, mich die Leute anschauten und nicht wenige haben mich gefragt woher ich sei und der AUSTRIA-Australien Schmäh ist noch immer ein Renner.
Ich lernte Menschen kennen und wir trennten uns wieder. Alles war flüchtig und kaum dass ich es gespürt hätte. Nichts in diesen drei Wochen war für die Ewigkeit, außer meine Erinnerungen an mich in einem fremden Land.

Wenn ich mir das Leben hier im Augarten anschaue, dann kommt es mir hier auch vor wie in einem Film. Viele kleine Insel des individuellen Lebens und ich sitze mittendrin und bin immer noch Beobachterin.

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Ich hatte mich geirrt, in der Ferne und Fremde war es nicht schwierig allein zu sein. Ich war so unbedeutend und so klein, ich verschwand einfach in der Masse. Es machte keinen Unterschied ob ich da war oder nicht, das Leben ging so oder so seinen Lauf. In Korea tat mir diese Erkenntnis gut, hier wäre ich lieber Teil von etwas und nicht unsichtbar.

vielleicht ist weglaufen doch besser als zurückkehren….

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(illustrations by Nidhi Chanini http://www.everydayloveart.com, visual statements)

Hyperventilation

Cool zu bleiben ist bekanntlich nicht meine Stärke.

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Gestern beschloss ich mir den Luxus eines Taxis zum Flughafen morgen zu gönnen. Ich ließ eines für 8:30 bestellen, mein Flug geht um 12:30.

Mitten in der Nacht bekomm ich ein mulmiges Gefühl und grüble “hmmmmm, 8:30, wie lang dauert es nochmal bis zum Flughafen. Google fragen. Ahhh, bis zu 90 Minuten. Ich hab ein Shuttle Taxi, heißt, es holt noch andere Leute ab, erm… Hmmm. Gar taucht das Taxi gar nicht auf! Doch lieber den Bus nehmen? Aber ich hab kein Bargeld mehr, wo gibt es hier denn außerhalb der Bank global ATMs?! ”
Ich dachte mich in einen Strudel.
Wie konnte ich mich so schlecht vorbereiten..?

Es war mittlerweile nach Mitternacht. Nur zwei Folgen Criminal Minds konnten mich BISSCHEN ablenken.

Um 0:20 die Entscheidung,” Taxi wird sich schon ausgehen. So jetzt WC und dann endlich schlafen ”
Um 0:30 die Überlegung” na, das geht sich nicht aus, aber wie das Taxi abbestellen? Ich muss mir eine Ausrede überlegen. Oh, und ich muss früher raus.”
Wecker wurde von gemütlich 7:00 auf erschreckend 6:00 reduziert.

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Um 1:00 “die nehmen hier sogar am Würstelstand die Kreditkarte, also ja wohl auch im Bus! Oder doch lieber Geld abheben?”

An Schlaf war nicht zu denken. Also ich hab schon daran GEDACHT, ich hab ja in dieser unglaubliche Mengen an Gedanken über meine Fließbänder laufen lassen.

Irgendwann nach 1:30 hatte ich mich beruhigt, bis mir plötzlich die absurde Frage einschoß, ob ich den Rucksack falsch gepackt hab und damit den Schwerpunkt zu weit nach oben gelegt hab. Ich sah mich schon beim Hügel abwärts gehen nach vorne purzeln oder bei einer zu schnellen Bewegung wie ein abgeschlagener Baum nach hinten fallen.
“oh Buddha, muß ich jetzt den Rucksack neu packen?!”
So also noch mal auf die Toilette.

Gegen 2:00 bin ich eingeschlafen um um 4:00 aufzuschrecken, weil ich dachte, ich hätte verpennt.
“Ok noch zwei Stunden ”
” was tröpfelt da? Oh weh, es regnet!! Neeeeiiiin!! ”
Es hat nicht geregnet, ich sah als erstes um 6:00 aus dem winzigen Badfenster.

Ob ich gut geschlafen hab? Hm, ich glaube, ich hab von Derek Morgan geträumt.

Ich war um 6:20 aus dem Guesthouse, ich hab ihnen eine Nachricht geschrieben, dass ich früher zum Flughafen musste. Anscheinend war der Taxifahrer sehr verwirrt, naja, armer Mensch, mich als Passagier zu haben, ist nicht gerade einfach, wenn ich SO drauf bin!

Um 6:43 saß ich im Bus zum Flughafen und dachte, “ahh ich hätte mir ja noch einen Kaffee holen können” auf einmal wieder sehr souverän…
Hielt aber nicht lange.

(Dauer der Fahrt: 60 Minuten)

Eine Stunde bin ich beim Check in angestanden und hab mich zielsicher wieder mal zur Aushilfskraft hin manövriert .

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Dort bin ich 30 Minuten mal wieder. … gestanden, habe sie dabei beobachtet wie sie ihrer Kollegin fragende Blicke zuwirft, auf ihr Telefon, auf meine Reservierung und wieder zur Kollegin blickt. Meine Augenbrauen mussten in der Zeit auf meiner Stirn vor lauter Verwunderung und Entnervtheit einen wilden Tanz aufgeführt haben, ich hab mir immer wieder aktiv meine Stirnfalten glätten müssen.
Resultat: mein Gepäck ist bis Wien durch gecheckt, ich hab das dreimal überprüft, aber ich nicht.
Der nächste Stress, mich in Paris De Gaulle von Terminal 1 zu Terminal 2D bringen und rechtzeitig noch eincheken.

Mein Nacken ist verspannt.

Und der Tag dauert noch sooooooo lange….

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(NICHT, wenn man in der Zeitzone zurück reist, dann dauert er um sieben Stunden länger…!!)

Zwei Stunden bis Abflug.
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(18:00) Sitz im shuttle zum Terminal D am Charles de Gaulle Irrgarten-Flughafen. Bin erledigt,  verschwitzt und vor lauter joggen ist ein Knopf an meinem Hemd aufgegangen und hat den security Menschen für eine MIKROsekunde eine nette Aussicht beschert.
Merke: zum Fliegen nur T-shirts.

Ich muss noch eincheken.
Heut ist auch nicht mein Tag. Schon erwähnt?

Immer wenn ich denke, ich bin ja so ein megamind, stellt sich heraus, dass ich genau das Gegenteil bin. Eine Nudel.

Mit Präzision hab ich mir dabei, mich selbst zu überlisten indem ich den Haustürschlüssel nicht mitnehme und eventuell, wie schon oft, irgendwo verstreu, sondern ihn im Postkasten lasse und nur den Postkastenschlüssel einpacke, ins Knie geschossen. Der gewiffte Plan hatte einen Riesenhaken, den ich erst über dem Gelben Meer erkannte, so groß war der! “wie komm ich jetzt überhaupt ins Haus??!”
Würde ich bei allen Nachbarn klingeln, bis sie die Polizei holen, weil es ja auch noch kurz vor Mitternacht wäre?
Mit Schlafen war ab dem Moment wieder Essig!

Ich sah mich schon auf den Stufen sitzen, nur wenige Schritte von meinem Bett entfernt. Naja Außenschlaferfahrung würde ich nach einer Nacht am Salzburger Bahnhof ja mitbringen, das nötige Sitzfleisch auch.

Nicht, dass ihr mich für sehr beschränkt haltet, war ich doch so clever einen Reserveschlüssel meinem Bruder zu geben! Bin ich froh, dass ich nicht Einzelkind bin!!

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Der wird sich so seinen Teil zu mir weiter denken….

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Nach shuttle vert und einem shuttle bleu steh ich wieder mal in der Schlange vor dem Check-in-Schalter der Holzklasse.
Und auf dem Weg hab ich mich bald drei mal verlaufen. Was haben die bloß geraucht bei der Planung?

Woran merke ich, dass ich wieder in Europa bin? Abgesehen davon, dass eine Kakophonie aus Französisch, Englisch, Russisch und wenigen Einsätzen von Deutsch herrscht? Das WiFi fällt alle paar Sekunden aus und die Klimaanlage ist bloß akustisch vorhanden.

Uuhhrgh….. ROSINEN…. Versteckt unter Walnüssen. So kann ein Bree-Baguette zum Graus werden.
Der heutige Tag muss wohl mein Kharma sein, für das in den Tempel einbrechen, unerlaubte Fotos von Nordkorea schießen und… Und… Ach irgendwas werde ich schon gemacht haben MÜSSEN um die Camouflage- Rosinen verdient zu haben.

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(photos by visual statements and Google ;-))