Grenzgängerin

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07:40 Aufbruch zur DMZ (demilitarised zone) und dann zur JSA (joint security area).
All das befindet sich an der Grenze zu Nordkorea, welche durch die Military Demarcation Line definiert wird. Auf beiden Seiten dieser MDL ist eine DMZ. Der näheste Punkt von Südkorea an Nordkorea ran zu kommen wird durch die JSA markiert, welche sich in der DMZ befindet und im ehemaligen Dorf Panmunjeom liegt.

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Unsere Tour ist zeitlich straff organisiert und es gibt hier kein Flanieren auf eigene Gefahr, außer man will es riskieren Probleme mit der allseits bereiten und überaus präsenten Armee zu bekommen.

Unser erster Halt war der 3. Tunnel, so bezeichnet weil er als drittes gefunden wurde und von den Nordkoreanern als einer von vielen (so behaupten die Südkoreaner) Infiltrationswegen nach Seoul genutzt werden sollte.
Entdeckt wurde der Tunnel 1978, bevor er überhaupt in die Nähe von Seoul gebombt werden konnte.

Wir passieren Militärgebiet, was unschwer zu erkennen ist, überall sind Mannshohe Maschendrahtzäune und Wachposten.
Der Krieg ist nur ein schlafender, und dieses Gefühl inmitten eines aktiven Kriegsgebiets zu stehen, erweckt ein sehr ungutes Gefühl, DEMILITARISED hin oder her.
Entlang der Landzunge Richtung Nordkorea lungern noch etliche Landminen. So ist klar, dass einfach mal ins Grüne zu spazieren, nur mit abgezwickten Knöcheln enden kann.

Bevor wir in den Tunnel durften, wurden meine Ohren und Augen auf das schärfste mit einem Video über die DMZ penetriert! Es war so laut, dass mir das Zwerchfell vibrierte und ich kann diese unnötige schrille Lautstärke nur als Propaganda-Lautstärke bezeichnen, weil sie einem das Hirn abschaltet und zugänglich macht für eine saubere Hirnwäsche.

Der Bereich für Besucher im Tunnel ist ein kleiner und vielleicht 700m lang bevor der an einem Guckloch endet, durch das man Besucher auf nodkoreanischer Seite sichten könnte. Hab ich aber nicht, auch sonst nichts nordkoreanisches.
Der Tunnel war nicht so eng, wie ich befürchtet hab, aber dennoch beklemmend, wenn ich mir überlege, wie hier Menschen sich mit bloßen Händen und auch Dynamit den Weg nach Seoul gegraben haben. Keiner weiß, oder es wird nicht der Öffentlichkeit Preis gegeben, wieviele Tunnels dieser Art existieren. Bis dato sind es 4.

Als nächstes ging die Fahrt weiter zu einem Aussichtspunkt, von wo aus Nordkorea zu sehen ist, wenn wir gutes Wetter hätten, so war es ein Block auf Hügel und ein zwei kleine Seen die mit tiefen Nebel überzogen waren. Nicht, dass ich erwartet hätte, dass mir wer von dort zuwinkt.
Meine erste Straftat hätte ich auch schon begangen, weil ich nämlich jenseits von der erlaubten Linie aus versuchte ein Foto zu machen. Ich korrigiere mich, das war meine 2.Tat, die erste war, im Tunnel ein Foto zu machen.
Ich sollte mich zusammenreißen, denn nun geht es bald in Richtung JSA, wo strikte Gesetze gelten.

Unser letzter Punkt vor dem Mittagessen ist ein Fake-Bahnhof, der als Friedenssymbol erbaut wurde und den Süden mit dem Norden verbindet, also er wäre der erste Bahnhof Richtung Norden.
Derzeit ist es ein Touristen-Gag.
Eine schräge Vorstellung einen völlig leeren Bahnhof zu haben, von wo aus nur ein Zug von Seoul zu diesem Bahnhof fährt, den man aber nicht verlassen darf, wenn man nicht mit einem Tourbus gekommen ist.

Von hier geht’s zu einem Lunch, wo sich die Reiseguppe spaltet, ich schließe mich denen an, die weiter zur JSA fahren, denn bisher war die Erfahrung nicht wirklich aufregend.

Mit neuem Guide ging es weiter Richtung Norden, wo wir das Camp Bonifas erreichten, in dem uns ein kurzes Referat bezüglich des JSA gegeben wurde. Weiters mussten wir eine Erklärung unterschreiben, dass wir uns darüber bewusst seien, dass dieser Besuch mit Verletzung oder Tod enden kann- Entschuldigung?? Wann genau hab ich verpasst mein Testament zu schreiben? Nun jetzt war es auch schon egal. Weiter im Text: wir versicherten mit unserer Unterschrift, dass wir jegliche Form der Fraternisierung mit dem nordkoreanischem Volk oder auch nur den Kontakt zu ihnen unterlassen. FRATERNISIERUNG? Die verstehen es, mir Angst zu machen…
Weiters wurde aufgelistet woran ein KPA Soldat und ein Nordkoreaner erkannt werden kann, nämlich an der Farbe ihres Bandes am Oberarm und die Besucher an ihrem Badge, dieses war grün. Hier das Merkwürdige: unseres war rot, bekanntlich die Farbe des Kommunismus, warum also genau haben dann die Nordkoreaner ein grünes und wir ein rotes Erkennungszeichen? Zu meinem Bedauern, ist mir diese Frage in Gegenwart des amerikanischen Sergeant nicht eingefallen.
Aber gut, heute waren eh keine Nordkoreaner unterwegs.

Der Guide machte uns wiederholt darauf aufmerksam, wie wichtig es sei, uns an die Regel zu halten.
Bevor wir Camp Bonifas betraten , wurden unsere Pässe durch US Army Soldaten, die für die UN hier stationiert sind, kontrolliert und wir wurden nochmal drauf hingewiesen, dass wir nichts mit uns tragen dürfen, unsere Hände frei sein müssen und wir nur nach ausdrücklicher Genehmigung Fotos schießen dürfen. Lediglich Kamera durfte umgehängt und der Pass in die Hosentasche gesteckt werden. So wechselten wir bei Camp Bonifas in einen UN-Bus und fuhren zur JSA.

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Die Atmosphäre war gespannt. Mir summte der Kopf vor lauter Regeln und der möglichen Konsequenzen, wenn ich eine unabsichtlich verletzen sollte. Ich kann mir gut vorstellen, dass die KPA nur so drauf wartet, dass auf unserer Seite was geschieht, was ihnen erlaubt das Feuer zu eröffnen.
Wer mich kennt, weiß, dass ich auch immer mit meinen Händen rede und um das ja zu vermeiden und der KPA völlig falsche Botschaften zu schicken, stopfte ich meine Hände tief in die Hosentaschen. Jetzt wurde nicht gespaßt!

Da schlug mir das Herz im Hals und ich war schon zweimal am WC um meine nervöse Blase zu beruhigen.
Ruth, eine Bekanntschaft aus dem Bus, und ich versuchten keine blöden Witze mehr zu machen und blieben wie Roboter in der Reihe wie und geheißen.

Wir waren nur noch wenige Meter von der nordkoreanischen Seite der DMZ entfernt.
Im DMZ gab es ein kleines Dorf, die Bewohner, alles Farmer, waren von den Steuern befreit und sie genossen noch andere Vorzüge für die Bürde im Grenzgebiet zu leben. Sie wurden stets kontrolliert und nachts standen mehrere Soldaten Wache. Dieses Dorf hatte einen 100m hohen Fahnenmast an der die südkoreanische Flagge im Wind tanzte.  Dem Dorf gegenüber, auf nordkoreanischer Seite, lag ebenfalls ein Dorf, welches laut Südkorea aber nur ein leeres Propaganda-Dorf ohne Bevölkerung sei, aber mit einem Fahnenmast, der um 60 m höher war als der des Feindes und bis vor zehn Jahren 12 Std am Tag über einen Lautsprecher Propaganda geplärt haben soll, worauf die Südkoreaner mit K-Pop reagiert haben sollen. Die Geschichte stell ich mal in Frage…
Aber ganz eindeutig war der Größenunterschied zwischen den beiden Masten.

Es standen überall Soldaten der US Army und der koreanischen Armee, diese in einer TaekWonDo Kampfposition, die dem Gegner Angst bereiten soll. (nur ob sie sich den Angriff dann anders überlegen und mit einem “aaach heut dann nicht, die schauen heut so bös” abziehen, wage ich zu bezweifeln.

Wir betraten in 2er Reihen die JSA.
Wir standen da mit Blick nach Nordkorea, welches nur noch zehn Meter weit weg war und dort stand ein einzelner Soldat der KPA.

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Wir durften in eines der Sitzungssäale eintreten, wo Gespräche zwischen den verschiedenen Parteien statt finden.
Da heute in Nordkorea keine Führung durch die JSA stattfand, war die Präsenz der KPA auf das Nötigste, nämlich Bob (wie der einsame Soldat der KPA liebevoll von der US Army genannt wurde), reduziert.

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Irgendwo hinter diesem Gebäude der Nordkoreaner herrschte eine Diktatur, dessen Ausmaß ich mir nicht und nicht vorstellen kann und für mich noch abstrakter geworden ist, aber dafür viel realer und aktueller als ich es mir gedacht hätte.

Die Situation hat uns allen Angst gemacht und es war nur ein Soldat auf Seiten der Nordkoreaner, der uns, bis wir den Rückzug antraten, mit einem Fernglas beobachtete,  aber die Bedrohung lag doch in der Luft.
Der letzte Zwischenfall war vor zwei Jahren, als KPA Soldaten irgendwas taten und dabei erschossen wurden. Ein Tourbus, der zu dem Moment gerade unterwegs war zur JSA musste ohne weitere Erklärung am Fleck umdrehen.

Ich bin froh, diese schräge Reise gemacht zu haben. Nach außen tut Südkorea und die UN viel um irgendwann die Wiedervereinigung herbei zu führen und auch unsere guides waren pro-Reunification aber noch tat sich da wenig, erster Bahnhof Richtung Norden hin oder her, solang ein Kim Yong in Nordkorea was zu sagen hatte, würde sich da nichts tun und es werde viele verzweifelte Nordkoreaner beim Versuch die Grenze zu passieren sterben. Jährlich sollen es, so die US Army, an die 20.000 Flüchtlinge sein, die es lebend nach Südkorea schaffen. Aber zu welchem Preis…

Ich versuche noch immer meine Gefühle zu sortieren und bin froh, dass alles gut gegangen ist. Nicht, dass wir je in Gefahr gewesen wären, aber aktives Kriegsgebiet zu betreten ist definitiv einschüchternd.

Auf der Rückfahrt, kaum, dass wir die JSA verlassen hatten, kamen wir an der Brücke ohne Rückkehr vorbei. Hier fand nach Jahren des Krieges ein Art Gefangenenaustausch statt, prisoners of War wurden von Seiten beider Parteien vor die nicht widerrufliche Entscheidung gestellt, sich für ein Land zu entscheiden. Was für eine folgenschwere Wahl mussten Menschen treffen, die doch gar nicht mehr klar denken konnten, und das nicht nur für sich, sondern jede weitere Generation..

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Shop till you drop

Heute war nicht mein Tag.
Erst war der Post für den Blog, an dem ich eine Stunde geschrieben hab, einfach fort und dann, als ich mich mental schon auf ein Bummelerlebnis der Sonderklasse gefasst gemacht hatte, war es mehr als nur eine Mogelpackung. Die Rodeo Street Seouls ist mehr die Seitengasse der Seitengasse der Rodeo Street, wie ich sie mir vorgestellt habe, ala Rodeo Drive. Oder ich war komplett falsch und ich hätte noch ein Stück laufen müssen… Nun vielleicht geb ich dem noch eine Chance.
Nun ich bin nach einer Zeit umgekehrt und wollte mir den hoch glamourösen Shopping Mall Gallery anschauen. Nix da. Hat zu. An einem Dienstag?!

Mit einem lauten “PFT!” bin ich wieder zurück noch Myeongdong, da wurde ich noch nie enttäuscht, so hab ich dort ein paar Mitbringsel besorgt, unnötiges wie zum Quietschen lustige Socken und eine Kette mit Eulenanhänger gekauft und zum Abschluss war ich indisch essen. Nicht so die Geschmacksexplosion, wie ich sie erwartet hatte.

Der Tag war also ein ziemlicher Flop aber morgen geht es zum DMZ und ich bin nervös und aufgeregt, ich hoffe, ich habe den Dresscode richtig umgesetzt..

Abenteuer Essen

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… Mein absoluter Liebling, einfach aus dem Grund, weil ich ALLES, was ich zusammen manschen kann um dann mit nur einer Hand zu essen, LIEBE! ABER e schmeckt auch hervorragend, so simple Zutaten wie Reis, Spinat, Chili etc können einen echt begeistern!

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Am ersten Abend gab es Bulgogi. Ich dachte, ich wüsste wie Bulgogi schmeckt, aber ich glaub mittlerweile, dass es gar kein präzises Rezept dafür gibt und was die verschiedenen Auslegungen einzig gemein haben ist das Rindfleisch.

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Wieder Bibimbap, diesmal mit Beef Tatar.

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Nach einem Spaziergang zum ersten Wasserfall in Seogwipo und völlig eingefallenem Magen meine erste Mahlzeit, aus lauter Verzweiflung im Dunkin Donut. Kaffee ok, Ciabatta: das welt-schlechteste (und mir egal, ob ich schon auf der ganzen Welt war, noch mehr bäugh kann es gar nirgends sein)

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Am selben Abend gab es ein Hot Pot mit 7 Beilagen.

In Europa würde ich mich nie trauen, mich allein an einen 4er-Tisch zu setzen, ohne viele giftige Blicke des Inhabers zu fürchten. Also ist es in meinem Fall zu Hause meistens der wacklige Single-Tisch (ich schreib das jetzt nicht, um ein paar “ohhh armes Putzi” Kommentare zu kassieren, ich setz mich fast immer zum wackligen Tisch!).
Hier in Korea ist kein Platz für Understatement oder am Ende ist man selbst schuld, wenn man die halben Beilagen auf den Schoß nehmen muss, weil kein Platz am Tisch ist. Nach dem dritten und vierten Mal hab ich mich also auch nicht mehr gewundert, und mich gefragt, ob sie mich für das allein-kommen strafen und öffentlich bloß stellen wollten, sondern mich etwas schüchtern an einen Tisch für sechs gesetzt.

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Wieder bibimbap mit den Mädels aus Seoul plus den üblichen Sidedishes und Dumplings.

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Mein Lieblingsrestaurant in Seogwipo, dessen Namen ich nicht weiß und es für mich immer nur Bibimbap gab, weil mir mehr nicht angeboten wurde, aber hier hat es mir am besten geschmeckt! Auch wenn die Sojasprossen in ihrem Saft etwas unappetitlich anmuten..

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Zum ersten Mal Sushi, aber keine Ahnung was für ein Fisch, auf alle Fälle paar sehr ekelige dabei gewesen… 😱

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Die beste heiße Schokolade seit langem!

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Zum zweiten und letzten Mal Pizza Hut! Auch mit Bulgogi und koreanisch abgehaucht taugt das gar nichts!

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Soviel zum Understatement!

Ssambap nennt sich das. Diesmal waren es ca 15 Beilagen, plus Suppe, Reis und einen Stapel Grünzeug! Hierbei wird in mehrere Blätter, darunter Salate aber auch verschiedene Kräuter, entweder Fisch oder Fleisch gelegt, darauf einige der Beilagen, als dein zusammengerollt und schnell in den Mund geschoben, bevor das Konstrukt zerfällt!
Ich konnte das alles nie im Leben alleine essen, ähnlich erging es auch meiner Tischnachbarin. Wir schauten uns mit großen Augen an und ich fragte sie, ob sie einen Plan hat, wie sie an das andere Ende vom Tisch kommt ohne aufzustehen oder sich sehr unelegant über das Essen zu lehnen. Sie antwortete kurz, ach das hat sie gar nicht probiert und wird es wohl auch nicht. Nun, ich hab es versucht, aber dafür musste ich von meiner sitzenden in die knieende Position wechseln.
Wir saßen authentisch am Boden, was für mich nicht gerade mit Gemütlichkeit zu tun hat. Ich kann in keiner Sitzposition lange genug durchhalten. Ich bin für meine Mutter in einem Tempel immer eine Blamage, weil ich nach jedem zweiten Gebetssatz, zappel wie ein Baby, dass zu straff in die Windel gewickelt wurde, um meine Bequemlichkeit wieder nur für ein paar Sätze zu optimieren. Dürfte ich im Schneidersitz sitzen, wäre alles kein Drama, aber so sitzt ja kein Mädchen!

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Erm… Ddihondap, nein…
Auf alle Fälle sehr sehr lecker, dazu ganz viel Knoblauch und Kürbis!

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Churo! Lecker, mit viel Zucker und Zimt! Ich glaub, ähnlich wie das Spritzgebäck bei uns.

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Schnitzel is everywhere, hier die koreanische Interpretation, in Curry… Etwas gewöhnungsbedürftig.

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Jeonju soll für das beste Bibimbap bekannt sein, diese Version war auf alle Fälle sehr sehr lecker!

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Koreanische Palatschinke mit Meeresfrüchten. Der

Teig war mir zu weich und dick, nicht so mein Geschmack gewesen, ich hab mir nur die Meeresfrüchte herausgepflückt.

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Gabi

oder so ähnlich, ich merk mir die Namen nicht. Auf alle Fälle, vor meiner Nase in einer Riesenpfanne zubereitet, an der ich mich, dem Gesetz treu bleibend, sofort verbrannt habe – wiederholt.

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Beef-Soup. Mit einer Beilage, die viele kleine Fische waren, die nicht wirklich nach was geschmeckt haben.

Wie ihr unschwer erkennen konntet, war Bibimbap mein absoluter Liebling und ich werde es bestimmt zu Hause mal nachkochen, nur ohne Gimchi. Die Nationalspeise hat mir leider, in keiner Version, geschmeckt. Ich beziehe mich vor allem auf den Kohl, das war mir zu oft an der Grenze zu verdorben..

Die koreanische Küche kann einen lange am Tisch halten und lässt dich nur mit vollem Bauch aus dem Lokal rollen. Mit den Sidedishes muss man können, denn nicht alle sind wirklich lecker, abgesehen davon, dass ich die Hälfte der Zeit keins der Zutaten identifizieren konnte.

Alles in allem kulinarisch war es eine Bereicherung!

A trip to the Galaxy

(alles weg, also nochmal schreiben….)

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Gestern war ein Tag der visuellen Überforderung und akustischen Überbeschallung!
Ich war in Gangnam. Stellt euch vor, ich komm bei der Subway raus und… Da war niemand der den Gangnamstyle getanzt hat!! Sowas, da komm ich extra nach Korea um Versäumtes nachzuholen und erst wieder nichts.

Nun gut, meine Enttäuschung hatte nicht viel Zeit ein Drama daraus zu machen, denn kaum war ich beim Ausgang raus, wurde meine Aufmerksamkeit von allen Seiten in Anspruch genommen, aber vor allem von dem was am Himmel war. WOLKENKRATZER.
Als ob die Höhe, welche in Richtung Himmel immer verzerrter wurde und kaum noch zu erfassen war (ohne den öffentlichen Ärger zu erregen indem ich mich auf den Boden legte um zu betrachten, was und wie die Wolken kratzt.) nicht schon schwindelnd machte, die waren auch noch architektonisch in sehr gewagten Formen errichtet. Eins war so kurvig, dass beim längeren Betrachten der Stockwerke, mir wieder schwindlig wurde, ein anderes zeigte plötzlich zwei Türme, die aus anderer Perspektive versteckt waren, weil sie irgendwo im Mittelblau begangen außeinander zu gehen und nur wenige Meter von einander entfernt waren. Aber der Name, Twinpeak Tower, hätte mir bei einem hellen Verstand ja zu verstehen geben können.
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Mein Gratis-Seoul-Führer empfahl mir einen Besuch im Samsung Building, als ob ich mir das als bekennende Samsungianerin zweimal sagen lassen würde!
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Drei Stockwerke waren für die Öffentlichkeit, die restlichen geschätzten fünfzig nicht, die krallten mal einfach so in den Himmel und behielten ihre tolle Aussicht für ein paar Ausgewählte vor. Nichtsdestotrotz ich war im Begriff die Zukunft zu betreten. So kam es mir bei all der Helligkeit, Farben, Flatscreens an jeder Wand und in der Luft, vor.
Es war eine Huldigung der Technologie und der gewitzten Geister, die sie entwickelten. Mein Lieblingsstockwerk, war das Lab. In das ich mich schnell verzog um nicht in Versuchung zu geraten, eins dieser super shiny mega flashy neuen Phones zu kaufen. Was da alles gab, ein Galaxy KURVE! Das Telefon war konvex! Oder ein Galaxy Zoom.
Neuste UHD Fernseher, für die sich irgendwann mal jemand schlaues einen neuen Begriff als Fernseher einfallen lassen muss, denn das trifft es schon lang nicht mehr. Es war wie durch ein frisch geputztes Fenster zu blicken.

Im Lab erklärten sie an Touchscreens wie ein Tab oder Smartphone aufgebaut war, was ein Pixel ist und wie der Screen seine Schärfe und Farbvielfalt bekommt, nicht dass ich irgendwas davon begriffen hätte, außer das über Komplementärfarben.

Zu Beginn des Stockwerkes stand etwas einsam und verlassen, der Semiconductor. Der was? Nein, ich war nicht plötzlich wieder in den Guide to the Galaxy eingetaucht, aber der Begriff hätte ohneweiters aus dem Buch sein können.
Der Semiconductor ist ein kleiner ca zwei mal zwei Meter großer Lift, der gänzlich mit Glas ausgekleidet war (die sich später als Screens darstellen sollten). Beim ersten Mal betreten, tat sich nichts. Der schlief wohl vor lauter Unterforderung, denn die Party fand definitiv in den Stockwerken unter ihm statt.
Wenn die Leute nur wüssten, so gaben sie nach Stunden des Ausprobierens hunderte von Won für das neuste Kunstwerk Samsungs aus.
Nun, ich gab ihm eine Minute indem ich hinaustrat und mich in dem Moment eine Mitarbeiterin sah. Sie ermöglichte mir an endlich das genialste Erlebnis seit langem.
Ich wurde eingeschlossen und dann begann die Fahrt, die mir durch eine freundliche Roboterstimme erklärt wurde, aber ich konnte vor lauter schauen nicht zuhören.
(ich würde euch gern das Video hier zeigen, aber es geht nicht, daher ist es auf Facebook zu finden)

Nach dieser irren Fahrt bin ich um etwas Ruhe zu finden und mich davon zu überzeugen, dass ich wohl noch auf der Erde bin, wo wir noch immer an einem Rad drehen um den richtigen Radiosender zu finden und nicht schon alles durch mentale Eingebung funktioniert, bin ich zum größten Tempel Souls gegangen.
Da dieser nun mal in Gnagnam liegt, bin ich wieder überrumpelt worden, dabei hätte es mich gar nicht mehr überraschen sollen. Auf dem Weg zum Ausgang von der UBahn bin ich durch einen Gang, der war vielleicht zehn Meter lang, welcher die volle Lange mit Screens verkleidet war, auf denen unterschiedliche Filmchen liefen. Es könnte durchaus der gleiche Film gewesen sein, ich sah aber nur noch kleine bunte Flieger vor meinen Augen, da ich schon etwas paranoid war, hätten diese auch Drohnen sein können!

Ich bin vorbei an Seouls World Trade Center, der sicher einen schweren Stand hatte, da in der gesamten Umgebung andere hervorragende Bauten versuchten, sich gegenseitig die Show zu stehlen!
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Etwas baff, durchgeschwitzt und müde, bin ich endlich beim Tempel gewesen. Der mich, mit seiner Pracht, der ausladenden Gestaltung und vielen Tempel, überraschte. Die Tempel, alle unterschiedlich gestalten und groß, bildeten einen Halbkreis um eine stehende Buddhastatue.
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Ich schwebte über die Pfade und machte überall mein “Saddhu”. Wann immer ich aber den Blick hob, erhoben sich über den Dächern der Tempel die Hochhäuser und erinnerten daran, dass die Moderne die Hand am Ruder hatte.

Hab ich schon gesagt, dass ich recht geplättet war? Flabbergasted, um meinen Lieblingsausdruck zu bemühen.

Um meinen Augen und Ohren etwas Ruhe zu gönnen, bin ich zurück ins Zimmer.

Am Abend, um das ganze aus der Vogelperspektive und bei Nacht zu betrachten, bin ich zum N-Tower, der am Namsan Berg stand. Eine Bummelnseilbahn brachte mich hinauf. Warum ich nicht hinauf gegangen bin? SOHALT.

Oben angelangt, war ich bei hereinbrechender Nacht doch über den Mangel an Romantik überrascht, aber dafür waren da einfach zu viele Menschen, die dieselbe Idee hatten wie ich. Wo immer ich stand, ich stand in einer Schlange, bis ich nach ca einer Stunde endlich an der Aussichtsplattform war.
Dorthin führte uns ein Lift, der wohl etwas müde von der profanen Aufgabe Menschen von P0 auf P3 zu bringen, so zeigte er und an seinem Deckenscreen, was er stattdessen lieber täte.
Wir schossen durch den N-Tower durch, durch den Himmel hinaus ins Dunkle des Alls, an vielen Planeten vorbei und landeten auf dem Mond!
Ha, da stieg ich in einen, wie ich dachte, x-beliebigen Fahrstuhl ein und gelangte doch glatt für das Schnäppchen von 9000W am Mond!
Ich hoff, dem Lift geht es nicht wie Marvin, wenn die Depression, ob seines Schicksals, seine Schaltkreise erfasst und er den Leuten über die Dauer der Fahrt einen Blick in die Hölle ermöglicht!

Seoul bei Nacht ist schön, meine Fotos dagegen gar nicht. Ruhighalten ist nicht meine Stärke. Die einzige Ausnahme zur Regel: Assistieren bei OPs.
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Etwas Skurriles ist mir wieder aufgefallen. Während ich in den drei Wochen beinahe derb werden musste um Postkarten zu bekommen, standen am N-Tower Koreaner plötzlich Schlange, und was taten sie? Sie sendeten Karten von Tower zur Erde! War das zu fassen..

Nachdem ich eine Runde gedreht, mir mein Foto von mir und dem N-Tower geholt habe, bin ich wieder runter gefahren.
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Geschichte

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Um ein wenig davon nachzuholen, was in meinem Geschichtsunterricht zu kurz kam, nämlich der Koreakrieg (und vieles andere), ging ich ins National-Museum. nicht dass ich erwartete hätte, dass ich, wenn ich alle fünf Stockwerke durchlaufen hatte, perfekt über den Krieg Bescheid wusste – naja ok doch, hab ich erwartet (aber nach weniger als fünf Minuten war mir bewusst, dass mein Ziel zu enthusiastisch gesetzt war).
Der Aufbau war nicht immer logisch und ich wusste nie so genau, was jetzt genau wann passiert war und wie überhaupt kam die Spaltung zustande? Gab es die schon immer?? Das würde ich wohl nachlesen müssen. Wer jetzt erhofft hat, ich würde euch den Koreakrieg in einer Nussschale präsentieren, irrt sich gewaltig, bitte selbet nachschlagen.

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Museen über Krieg drücken mir auf die Seele, die Bilder gleichen in jedem Krieg einander: Soldaten, tot oder noch lebend an der Front, Zivilisten, die ihr Heim verloren haben und davor und danach die großen Köpfe, die es verursacht haben und die, die es beenden sollen.
Österreichs Rolle im Koreakrieg, war die der materiellen Hilfe.
Es geht mir einfach nicht in den Kopf, dass eine dämliche politische Vernarrtheit eine solche Spaltung in ein Volk bringen kann, dass sie sich nicht mehr verstehen können und auch jede Integration im illusorischen Falle einer Wiedervereinigung ein schweres Stück Arbeit werden wird.
Aber haben wir das nicht schon bei Sri Lanka gesehen und sehen es noch immer. Wir waren mal ein Volk, Tamilen hin und Singhalesen her, dann kam die Kolonisation und damit hinweg die Einigkeit. Jetzt können sich die einen nicht mit den anderen unterhalten, weil es unter ihrer Würde war die jeweils andere Sprache zu lernen. In meiner Familie kann nur noch mein Papa Tamil, wenn auch nur paar Brocken, doch er ist der einzige, der von einem schönen Leben im Norden erzählen kann, bevor der vermaledeite Krieg begann. Als er das erste mal nach Krirgsende mit uns in Jaffna war, haben wir uns einen Tag auf die Suche nach der alten Goldschmiede meines Großvaters gemacht. Wir fanden sie, das Geschäft gehörte noch immer der Familie, an die mein Opa es überlassen hatte und sie konnten sich noch an ihn erinnern. Wenn ich so daran denke, war das ein sehr schöner und bewegender Moment für meinen Papa und uns..
(heute stehen mir die Tränen etwas allzu leicht in den Augenwinkel…)

Beschließen wir diesen doch emotionalen Tag mit einem Foto von Hank…

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Serendipity

Der halbe Tag ist um und ich lächele innerlich und äußerlich merkt man auch, dass es mir gut geht!
Ich war heute im nicht so beeindruckenden Unhyeongung Palast und bin dann zum Tapgol Park, wo einst ein Tempel stand. Der Weg dorthin war merkwürdig dicht mit alten Männern gepflastert, die mich etwas irritiert und irritierend angeschaut haben, einer hat mich sogar gepiekst, oder wir wie alten Facebooker sagen würden: gepoket!!
Was hab ich denn getan? War es, weil ich eine nicht existierende Schlange unterbrochen hab, in dem ich durchgegangen bin?

(ich versuch mich gerade zu beruhigen um den Tag chronologisch zu erzählen, ohne zum wichtigsten und schönsten Punkt zu springen!)

Also bis dahin, hat mich jetzt nicht wirklich was vom Hocker gerissen, es wurde zugegeben auch immer schwieriger mich noch mehr zu begeistern!
Ich bin weiter auf dem Weg zum Jogyesa Tempel, über den mein Guide nicht viele Worte verlor, aber er hat wahrlich untertrieben! Ich stolperte direkt in eine Messe im Gedenken an das Fährenunglück vor paar Monaten (ich ließ mich nachher darüber aufklären).

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Es war ergreifend, ein Gruppe von sechs oder sieben Mönchen, gekleidet in einem langen grauen Gewand und darüber eine ockerfarbene Robe, wie sie typisch ist für buddhistische Mönche, hielten diese Messe.
Sie kamen gerade aus dem Tempel, als ich dazustieß.
Der Tempel war eine Augenweide, wie ich in einem Post davor schon geschrieben hab, welche Magie sie auf mich haben, hier wurde ich überwältigt. Drei ca 2 Meter große guldene Buddhas nahmen die Mehrheit des Raumes ein, in koreanisch- buddhistischer Tradition wurden diese Buddhas im Laufe des Gebetes umrundet.
Nun, die Mönche gingen an mir vorbei und sangen weiter ihr Mantra (des Amithaba Buddhas ” The Buddha of Infinite Light”) um zwanzig Minuten später wieder vor den Tempel zu treten. Diesmal hielten sie Schriften des Herz Sutras über ihren Köpfen und gingen spiralförmig im Kreis, mit jedem Kreis traten Betende hinter die Mönche und begleiteten sie. Angeführt wurde die Zeremonie von grau-gekleideten Frauen, die bunte Schriftbanner trugen.

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In all der Zeit sangen sie immerfort ihr Mantra. Ich beobachtete das ganze von einer Stufen aus, auf der ich mit anderen Betenden saß.
Mein Kopf war damit beschäftigt, das Mantra mitzusingen, und gleichzeitig war ich erfüllt von Ruhe und Gelassenheit.

Die Mönche verließen schließlich die Spirale und übergaben die Sutras an Bedienstete und versammelten sich unter einem kleinen Zelt in der Nähe des Tempelaufgangs, ihnen gegenüber stand etwas ähnliches wie ein Brennkessel. In diesen ließ ein anderer Mönch die Sutras hineinfallen. Allmählich füllte sich der Kessel im gleichen Maße, wie die Spirale der Betenden kleiner und kleiner wurde. Die Menschen sammelten sich hinter den Mönchen.
Es wurde dann ein neues Gebet angesungen, in das alle miteinstimmten.
Ich hatte mir davor von einer alten Dame ein Räucherstäbchen erlächelt, welches ich an einer der vielen Kerzen in der Nähe der Pagode anzündete.
In der Luft lag der Geruch von den Räucherstäbchen, der Klang der Holzglocke, die den singenden Mönch begleitete und ganz viel Freiheit und Besinnung.
Nachdem das letzte Sutra im Kessel lag, wurde die Masse durch einen Mönchen angezündet und beendete damit die Zeremonie und alle Mönche traten ab.
Ich begegnete einen auf dem Weg hinaus und als ich mein “Sadhu” machte, lächelte er mir freundlich zu und winkte.

Ich hatte überhaupt kein Gefühl für die Zeit und kümmerte mich auch nicht drum, so bummelte ich beschwingt, meine Tasche um eine kleine Buddhastatue und zwei Mala schwerer, weg vom Tempel um dann zum Museum für Buddhismus zu gelangen. Ich war mir erst nicht sicher, ob ich wollte, aber ich dachte mir, warum nicht.
Die Hektik der Stadt gleich anschließend an einen Tempelbesuch wäre jetzt eh nicht das Richtige.
Im Museum bat mich eine Mitarbeiterin, mich einer bereits begonnenen Führung auf englisch anzuschließen. Ich mag Führungen gar nicht. Nicht mein Tempo, einfach nicht mein Ding.
Diese Gruppe bestand aus einem Mann, der sehr interessiert war und zwei Kindern und einer Frau, die sich irgendwo befanden, nur nicht bei der Führung. Tatsächlich war das eine Familie.
Auch dies war wieder eine glückliche Fügung. Wie sich herausstellte, war der Mann, angehender Professor für Buddhismus in den USA und zur Zeit zu einem Kongress in Japan und machte gerade einen Abstecher nach Seoul und das kleine umherirrende Volk war seine Familie mit einem befreundeten Mönch.
Ich hatte eine Zeit der Bildung und war begeistert, wie gut erstens unsere Führung war und zweitens über die Begeisterung des Professors für alles Neue, was ER lernte!
Als er erfuhr, dass ich aus Sri Lanka sei, leuchteten seine Augen und auch seine Frau strahlte und sie erzählten, wie sehr sie den Buddhismus dort und Kandy liebten. ER sprach Pali und Sanskrit und war selbst schon Mönch in Thailand. Was für ein bemerkenswerter Charakter!
Er und ich stellten immer wieder fest, wie unterschiedlich doch die Darstellung des Buddhismus hier im Vergleich zum Theravada war.
Die Fische, die in großer Zahl und in allen Farben des Regenbogens im Tempel hangen, waren ein Symbol für nie nachlassende Achtsamkeit, oder eine Art Gerte, die zum Verjagen von Fliegen gebraucht wurde, war das Symbol sich von lästigen Ablenkungen frei zu machen. Diese Gerte hatten aber nur hochrangige Mönche in den Gemälden bei sich.

Ich stelle fest, dass ich sehr wenig über meine Religion weiß und bin dennoch froh über sie, da sie die einzig richtige für mich ist. Ich war zufrieden mit mir und allem drum herum, was ich ändern kann, ändere ich eh, aber alles andere muss ich akzeptieren. ICH WILL GLÜCK ist insofern einfach zu erfüllen, als das es dann einfach wird, wenn ich mich davon freimachen es finden zu müssen!

Zeit für ein Fazit?

Nicht mehr ganz fünf Tage noch in einem Land voller Widersprüche, ein asiatisches Land mit überraschend wenig öffentlich gezeigten Traditionen und kultureller Zugehörigkeit, aber mit viel Regeln und Gesetzen, die wohl nur Koreaner sehen und erkennen. Ihnen gelingt der Spagat zwischen K-Pop und ihren traditionellen Verpflichtungen; hier treffe ich die an der Zivilisation, an den Klippen der Anforderungen der neuen Welt zerschellten Figuren, wie sie sonst in jeder Stadt in Form von Obdachlosigkeit, Freien Redenden oder an der Süße der Sucht Gebundenen, gar nicht. Wo sind sie?
Ich konnte mir keine Bestätigung für die in einer Studie festgestellte hohe oder gar höchste Selbstmordrate in Südkorea holen. Das ist jetzt auch kein Thema, das man so nebenbei beim Bibimbap bespricht, da geht es einfacher über Schönheitsoperationen zu reden, wobei auch hier nicht viel in die Tiefe gegangen werden kann. Die paar Koreaner, die ich gesprochen habe, geben mit einer gewissen zynischen Intonierung offen zu, dass in ihrem Land mit Schönheit viel Geld gemacht werden kann. Versagen ist aber ein Tabu, wie in jedem andren Land auch.
Junge Koreaner haben mit einer drückenden Arbeitslosigkeit zu kämpfen, ihre Schultern werden noch zudem damit beschwert, dass ihre Eltern Kredite abzuzahlen haben, die sie für die Bildung ihrer Kinder aufgenommen haben. Doch meistens sind es die Eltern, die noch mehr unter der Last ihrer Kinder leiden, denn diese leben bei den Eltern, studieren weiter bis sich dann irgendwann ein Job auftut.
Lange war auch das sehr junge Pensionsalter in Korea ein großes Problem, denn ohne eine staatlichen Pension, waren die alten von den Jungen oder ihrem Ersparten abhängig. Die Grenze von 50 wurde soweit ich das verstanden hab, fallen gelassen und das würde den Eindruck, den ich vom arbeitenden Volk habe, bestätigen. Ich bin zwar sehr schlecht darin, Asiaten ihrem Alter zuzuordnen, aber mir scheint dennoch, dass sehr sehr alte Menschen hier noch arbeiten, als Taxifahrer, die sich tief zur Windschutzscheibe beugen müssen um auf die Straße zu sehen, oder die alten Frauen am Markt, die den ganzen Tag hocken oder stehen.

Vielleicht fällt es mir hier nur so markant auf, weil es bei uns nicht üblich ist, dass alte Menschen einer Arbeit nachgehen. Ihre Rolle in der Gesellschaft ist dann aber dennoch nicht besser. Sie haben nur das gute Gefühl, wenigstens eine kleine Pension zugesprochen zu bekommen.

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Ich glaube, Koreaner sind gut darin, sich mit viel Konsum und dem damit versprochenem glänzenden Äußerem eine knallharte Oberflächlichkeit aufzubauen.
Sie wirken alle glücklich, wenn ich wen anlächle, so wurde ich mit einem Lächeln beschenkt, außer von den Kellner gestern, der war sich seiner sinnlosen Existenz wohl schon bewusst.